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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Franz Kafka: Das Schloss (1926)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Ich mochte Kafka schon, als ich noch gar nicht kannte – und Schuld ist... Asterix.

Meine Lieblingsstelle in „Asterix erobert Rom“ – Asterix und Obelix und der Passierschein A38. Die beiden Gallier werden losgeschickt, um einige, unmöglich zu bestehende Prüfungen zu absolvieren. Als Lohn winkt die Herrschaft über Rom. Gestärkt mit Zaubertrank machen sie sich auf den Weg und meistern die ersten Prüfungen mit Bravur. Dann werden sie in ein Verwaltungsgebäude geschickt, um sich besagten Passierschein ausstellen zu lassen. Das Gebäude trägt den schönen Namen: Das Haus, das Verrückte macht. Mit dem Zaubertrank in der Tasche kann ja eigentlich nicht viel schief gehen, doch in diesem Haus stoßen sie dann doch fast an ihre Grenzen. Sie werden von „Pontius zu Pilatus“ geschickt, wandern von Schalter zu Schalter, von Zimmer zu Zimmer und treffen auf seltsam obskure Gestalten, die sie wiederum woanders hin schicken. Eine fast endlose Wanderung, ohne diesem Passierschein jemals auch nur annähernd nahe zu kommen.

Während Asterix natürlich im Endeffekt siegreich ist, hat Franz Kafkas Protagonist mit dem klangvollen Namen K. da weniger Glück.
K., Landvermesser seines Zeichens, kommt in ein kleines Dorf, da das Schloss, das über dem Dorfe thront und es auch beherrscht, ihn bestellt hat.
Ein seltsam obskures Dorf, ein seltsam obskures Schloss. Das Schloss ist zwar da und es herrscht, aber die Dorfbewohner sind nie dort gewesen, denn es gibt so viele Regeln, die irgendwie niemand kennt, so viele „Passierscheine A38“, von denen niemand weiß, wo sie ausgestellt werden könnten, wahrscheinlich im Schloss selbst, aber da kommt man ja nicht rein ohne den „Passierschein“. Da K. aber nun dorthin gerufen wurde und seine Aufgabe erfolgreich zuende führen möchte, bleibt er und wartet auf die Gelegenheit, dies zu tun. Die Dorfbewohner bieten ihm an, als Schuldiener bleiben zu dürfen, denn diese Stelle sei gerade vakant. In ihren Kreis aufnehmen tun sie ihn jedoch nie. Sie bleiben ihm gegenüber argwöhnisch und distanziert. K. versucht sich anzupassen, versucht zu ersehen, was er tun kann, um sich Zugang zum Schloss zu verschaffen und beobachtet die Dorfbewohner bei ihrem Treiben, um dadurch vielleicht Rückschlüsse zu ziehen, zumindest jedoch, um aufgenommen zu werden, um Teil des Ganzen zu sein. Diese Welt ist ihm jedoch so unverständlich, so irrational, so willkürlich, unlogisch und undurchschaubar, dass ihm dies nicht gelingt.

Hier endet Franz Kafkas Roman, sein dritter, an dem er von 1922 bis zu seinem Tod zwei Jahre später schrieb - unvollendet.
Max Brod, Kafkas vertrautester Freund und literarisch auch kein unbeschriebenes Blatt, führt ihn – sich an die Gespräche über den angedachten Verlauf dieser Geschichte erinnernd, in Kafkas Sinne – rekonstruierend zuende:
K., der ob der Sinnlosigkeit von Umständen und Aufgabe immer verwirrter geworden ist, stirbt schließlich an körperlicher und geistiger Entkräftung und genau in diesem Moment hat das Schloss von ihm Notiz genommen, nimmt ihn durch die Gestattung des Wohnrechtes in den Kreis der Dorfgemeinschaft auf und attestiert ihm so posthum, den Sinn des Ganzen, der in seiner Unsinnigkeit liegt, verstanden zu haben.

Ob Asterix oder K. oder X, Y oder Z – haben wir nicht alle schon einmal an einem Schalter gestanden - egal ob im Straßenverkehrsamt, Arbeitsamt, Finanzamt (immer sehr beliebt) oder sogar an höherer Stelle, vor einem Gericht, vor einem Regierungssitz, vielleicht vor dem eigenen in uns selbst? – und fast verrückt geworden sind, weil wir uns gefragt haben, wo wir endlich diesen Sagen umwobenen Passierschein her bekommen, der uns den Sinn all dieses scheinbaren Unsinns erschließt?

Ein stimmungstechnisch natürlich kafkaesques Werk und somit Geschmackssache. Ein äußerst lesenswertes Buch jedoch - über Sinnlosig- und Sinnhaftigkeit des Lebens, über Fremd- und Eigenbestimmung.
Ein Appell, sein Leben nicht dafür zu opfern, dass man auf die Anerkennung „von oben“ hofft und wartet; auf eine Anerkennung, die so sinnlos ist, da man gar nicht weiß, wie man sie sich verdienen kann.

Franz Kafka: Das Schloss (1926).
Anaconda-Verlag, Köln, März 2006.
416 Seiten, Hardcover.

Tanja Muhs

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