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Susanne Ruitenberg und Julia Breiten├Âder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Davide Longo: Der aufrechte Mann
Jetzt bestellen bei amazon.de! Leonardo hatte eine Frau und eine Tochter, er war Universit├Ątsprofessor und Schriftsteller. Durch eine Aff├Ąre hat er alles verloren und sich in ein kleines Dorf zur├╝ck gezogen.
In seiner Zur├╝ckgezogenheit beobachtet er die Ver├Ąnderungen der Welt um sich herum eher nebenbei. Er versucht, den Anzeichen, die eine Ver├Ąnderung in seinem Dorf, in Italien und vielleicht auf der ganzen Welt betreffen, nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.
Doch dann geht im Dorf das Oliven├Âl aus. Strom und Telefon sind bereits zusammen gebrochen. Fl├╝chtlingsstr├Âme ziehen am Dorf vorbei. Leonardos Exfrau bringt ihm seine Tochter und den verhaltensauff├Ąlligen Sohn aus zweiter Ehe mit der Bitte, die Kinder zu beherbergen, bis sie Vorbereitungen f├╝r eine Flucht in die Schweiz getroffen hat.
Bis dahin fragt sich der Leser noch gespannt, wer oder was den offenbaren Untergang der Zivilisation verursacht haben kann. Dann bricht Leonardo mit den Kindern auf, wenige Lebensmittel und wenig Benzin bei sich, und die gespannte Frage des Lesers richtet sich nicht mehr auf die ungekl├Ąrte Ursache der Katastrophe, sondern darauf, wie Leonardo, der aufrechte Mann, seine Reise durch das Land ├╝bersteht, ohne seine W├╝rde zu verlieren. Als Geisteswissenschaftler scheint er wenig R├╝stzeug zu besitzen, um den Gefahren, Raubz├╝gen, Entf├╝hrungen und Sch├Ąndungen, der K├Ąlte, dem Hunger und der Einsamkeit zu begegnen. Er trifft eine Familie, die mit Notstromaggregaten, Vorratskammern und Jagderfahrung besser vorbereitet ist auf das Chaos. Doch er ist es, der ├╝berlebt und seine Familie rettet.
Lange Zeit erinnert der Text und die Herausforderungen, denen Leonardo sich stellen muss, den Schilderungen im Roman ÔÇ×Die Stra├čeÔÇť (C. MacCarthy), auch dort macht sich ein Vater (hier mit seinem Sohn) auf einen langen Weg durch verw├╝stetes Land zum Meer. Auch hier gibt es keine Polizei, keine Gnade, das Recht des St├Ąrkeren gilt, Banden rauben Menschen aus und versklaven sie.
Auch Leonardo, seine Tochter und ihr Halbbruder geraten in Gefangenschaft. Eine Terrorbande, die sich um einen quasi-religi├Âsen Heiland sammelt, qu├Ąlt Leonardo und h├Ąlt ihn als Hofnarren in einem K├Ąfig gefangen. Jeden Abend muss er mit nackten F├╝├čen im Feuer tanzen. Seine Tochter wird vergewaltigt, ihr Halbbruder, der schon fr├╝her sadistische Tendenzen hat erkennen lassen, schlie├čt sich der Gruppe an, ├╝bernimmt deren primitive Verhaltensweisen und ├Ąu├čerlichen Merkmale, wie das Ausrasieren der Brauen. Hier begegnet Leonardo einem anderen Vater, einem Arzt, der weniger aufrecht als Leonardo seine Stellung in dieser primitiv-gewaltt├Ątigen Gemeinschaft annimmt, um nicht zu verhungern, und der seinem ├ťberleben offenbar das Leben seines Sohnes geopfert hat.
Leonardo beurteilt diese menschlichen Entscheidungen nicht, aber er handelt anders. Er rettet unter gro├čer Gefahr seine Tochter und einen weiteren Jungen und l├Ąsst di e Sklaverei hinter sich. Die drei setzen ihren Weg zum Meer fort.
Leonardo gelingt es, aus dem Fundus seines Wissens, aus den gelesenen B├╝chern, ├ťberlebenskraft zu sch├Âpfen f├╝r sich und die Seinen, f├╝r die er sorgt.
In welche Zeit Longo seinen Roman spielen l├Ąsst, ist nicht ganz klar, es k├Ânnte etwa 2045 sein. Auch die Ortsangaben sind durch Abk├╝rzungen verfremdet.
Aussagekr├Ąftiger sind die Namen der Protagonisten: Leonardo, der wie Leonardo da Vinci zum Universalgelehrten einer neuen Gesellschaft wird, seine Tochter Lucia, die trotz Geiselhaft und mehrfacher Vergewaltigung die Reine bleibt, der Junge Salomon und der sanftm├╝tige Clemente.
Die untergehende Welt von Longo f├╝hrt in all die Abgr├╝nde, die Endzeitromane zu bieten haben, aus der Perspektive des aufrechten Mannes gesehen ist all dies schwer zu ertragen, aber es ist zu ertragen. Die Befreiung ist m├Âglich durch das Hochhalten kultureller und moralischer Werte.

Davide Longo: Der aufrechte Mann.
Rowohlt, M├Ąrz 2012.
480 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,95 Euro.

Corinna Griesbach

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