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Tad Williams: Das Spiel - Shadowmarch Band 2
Jetzt bestellen bei amazon.de! Kann es noch schlimmer kommen fĂŒr die SĂŒdmark? Zu Beginn des ersten Teiles erfuhren wir, dass Olin Eddon, der König der SĂŒdmark, in Gefangenschaft geraten ist und nur gegen ein betrĂ€chtliches, nicht aufzubringendes Lösegeld freigekauft werden kann. Sein Ă€ltester Sohn Kendrick, der als Regent eingesetzt ist, wird ermordet, dessen Geschwister, die Zwillinge Briony und Barrick ĂŒbernehmen die Regierungsgewalt. Damit nicht genug, greifen die den Landstrich frĂŒher beherrschenden Quar (eine Art Elfen) nach Jahrhunderten der Ruhe die SĂŒdmark erneut an.

Doch nicht nur von außen droht Unbill, auch innerhalb der Feste droht Verrat. Der Clan der Tollys schickt sich an, der verwaisten Thron zu usurpieren, Prinz Barrick fĂŒhrt die BlĂŒte der Ritterschaft gegen die Quar in eine grandiose Niederlage, und seine Schwester Briony muss bei Nacht und Nebel aus der Burg fliehen.

Im zweiten Teil der Trilogie berichtet Williams uns vom weiteren Schicksal seiner Charaktere. Briory, die verwöhnte, naseweise und aufmĂŒpfige Prinzessin aus dem ersten Teil erlebt eine herbe Bauchlandung. Auf ihrer abenteuerlichen Flucht wird sie bedrĂ€ngt und erneut verraten, lernt eine alternde Halbgöttin kennen und schließt sich einer Schauspieltruppe an, nur um am Ziel ihrer Flucht mit dieser zusammen in den Kerker geworfen zu werden.

Barrick, der unter dem Zauber der Quarkönigin steht, zieht zusammen mit dem frĂŒheren AnfĂŒhrer seiner Wache durch das verstörend fremde Land der Elfen. Bedroht von Zauberei, wilden Bestien und dunklen Geheimnissen schließt sich ihnen mit Gyir ein verwundeter Feind an. Doch auch dieser kann nicht verhindern, dass sie von einem Halbgott gefangen genommen werden, der die Tore zum Reich der Toten mit ihrem Blut aufstoßen will.

WĂ€hrenddessen greift der Autarch mit seinem gigantischen Heer die befestigte Metropole Hierosol, in der König Olin gefangen gehalten wird, an. Noch nie wurden die gigantischen BefestigungswĂ€lle der Metropole gebrochen, noch hat keines Invasionssoldaten Fuß die Stadt betreten, doch fĂŒr alles gibt es ein erste Mal

Williams flicht uns erneut einen bunten Strauß voller faszinierender, teilweise ergreifender, dann wieder atemberaubend spannender Geschichten.
Da ist es kaum erwĂ€hnenswert, dass die Handlung in der ersten HĂ€lfte des umfangreichen Bandes nur zögerlich vorankommt, dass wirklich wichtige Erkenntnisse weiter auf sich warten lassen. Im Vergleich zum Auftaktband nehmen die Schöpfungen von sonderlichen Völkern wie den Funderlinge oder der Dachlinge deutlich weniger Raum ein, auch die dĂŒster-morbide AtmosphĂ€re der SĂŒdmarksfeste spielt diesmal kaum eine Rolle.

Statt dessen konzentriert er sich zunĂ€chst ganz auf unsere beiden Zwillinge. Abrupt werden beide aus ihrer behĂŒteten Welt der Reichen und MĂ€chtigen gerissen, mĂŒssen sich der rauen, oftmals grausamen RealitĂ€t stellen, oder zugrunde gehen. Briony muss erkennen, dass die religiösen Überzeugungen, die sie durch ihre Kindheit begleitet haben, nur mehr Makulatur sind. In den alten Überlieferungen, in den MĂ€rchen, mit denen den Kindern Zucht und Ordnung beigebracht werden, steckt mehr Wahrheit, als je angenommen.
Die alten Götter, sie wurden in die Gefilde des Traumes und des Schlafes vertrieben. Nun, Äonen spĂ€ter, rĂŒhren sie sich, nehmen Einfluss auf die RealitĂ€t, und drohen mit ihren unermesslichen KrĂ€ften die Welt zu vernichten. So umgĂ€nglich, liebreizend und warmherzig Briony auch ist, sie lebte in einem goldenen KĂ€fig, voller Illusionen und TrĂ€umen. Dass die Welt anders ist, dass hier das Recht des StĂ€rkeren, oftmals das des Brutaleren regiert, lĂ€sst sie sehr schnell erwachsen werden. Ihr grenzenloser Optimismus, ihre NaivitĂ€t macht einer gewissen BauernschlĂ€ue platz.

Ihr Zwillingsbruder Barrick wird, verglichen damit, sehr ambivalent gezeichnet. Als körperlicher KrĂŒppel steht er psychisch am Rande des Wahnsinns. Nur seine Zwillingsschwester hĂ€lt ihn in der RealitĂ€t, dĂ€mmt seinen zerstörenden Selbsthass ein. Im Verlauf der Reise durch die Schattenlande muss er nicht nur seine Rolle als Prinz ĂŒberdenken und neu bewerten, er wird auch gezwungen, seine Abweisende Haltung zu seinen Kameraden zu ĂŒberdenken, muss Kraft in sich selbst suchen und finden um nicht endgĂŒltig unterzugehen.

Neben diesen beiden fĂŒhrt Williams eine ganze Reihe weiterer Personen und HandlungsschauplĂ€tze ein. Neben den Charakteren die hauptsĂ€chlich dazu vorhanden sind die Hauptpersonen schĂ€rfer zu zeichnen, oder uns bezĂŒglich der Geschehnisse an den unterschiedlichen Handlungsorten auf dem Laufenden zu halten, treten eine ganze Reihe von eigenstĂ€ndige, in ihrer Ausgestaltung phantasievoll gezeichneten Gestalten auf. Der telepathisch begabte, dafĂŒr ohne Mund und Nase auskommende Gyir ist dabei ganz eindeutig die interessanteste Figur. Trotz aller GegensĂ€tze, und obzwar sie ihre Feindschaft nie ĂŒberwinden oder leugnen, arbeitet dieser mit Prinz Barrick und dem Hauptmann Verras Fansen zur Erreichung eines gemeinsamen Zieles zusammen. Dabei legt er neben der gewohnten Darstellung des wĂŒrdevollen, ja ĂŒberheblichen Verhaltens der Quar auch durchaus ungewöhnliche CharakterzĂŒge an den Tag. Zum Einen ist er einer der versiertesten KĂ€mpfer in Diensten der Elfen, ein verlĂ€sslicher Untergebener und Spion seiner despotischen Königin. Zum Anderen aber sucht er, auch um den Preis seines eigenen Lebens, den drohenden Krieg der Schattenlande gegen die Menschen zu verhindern. Durch ihn und seine Geschichte erhalten wir Hinweise, dass unter der SĂŒdmarksburg ein Zugang zum Traumreich der Götter existiert, dass sich hinter den Gefechten, Intrigen und Verrat ein weitaus grösßes Übel darauf wartet, die Welt wie wir sie kennen, zu vernichten.

Des weiteren ist auffĂ€llig, dass der Autor die dunkelhĂ€utigen Bewohner des Reiches Xis als kulturell wie entwicklungstechnisch fortschrittliche Kultur darstellt. Dienen gemeinhin die dunkelhĂ€utigen Völker sĂŒdlicher Landstriche in Fantasy-Romanen als barbarische Schlagetots, so berichtet Williams uns von einer an Arabien angelehnten Hochkultur, die vieles, was die hellhĂ€utigen Völker zustande gebracht haben, als minderwertig, ja lĂ€cherlich erscheinen lĂ€sst. Trotz der Abschottung der Frauen, trotz dem Zwang sich zu verschleiern, sind die Frauen gebildete und geachtete Persönlichkeiten.

In dieses, hier nur angerissene Geflecht voller Einzelschicksale, die sich erst im Zusammenwirken zu einem vielschichtigen Bild einer Welt fĂŒgen, hat er seine Hinweise auf uralte Götter, dunkle Magie und finstere Intrigen eingefĂŒgt. Mit geschickter Hand hat er zum Schluss des Mittelbandes seiner Trilogie zu allen Schicksalen veritable Cliffhanger eingebaut, und hĂ€lt so das Interesse der Leser am abschließenden Band aufrecht.


Tad Williams: Das Spiel - Shadowmarch Band 2.
Klett-Cotta, Stuttgart, September 2007.
815 Seiten, Hardcover.

Carsten Kuhr

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