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Patrick McCabe: Die Heilige Stadt
Jetzt bestellen bei amazon.de! In "Die Heilige Stadt" von Patrick McCabe erinnert sich der Ich-Erzähler Chris McCool als 67-Jähriger an sein Leben. Er ist das Ergebnis des Fehltritts einer reichen irischen Protestantin mit einem katholischen Bauernlümmel. Als Bastard darf er nicht im herrschaftlichen Haus seiner Mutter aufwachsen, sondern wird in einer Hütte von einer Pflegemutter aufgezogen. Zeitlebens sehnt er sich nach Anerkennung durch seine Mutter und seinen Stiefvater, die ihm aber verwehrt bleibt.

Chris erinnert sich an glückliche Tage in den 60er-Jahren, als er als Kleinbauer arbeitete, in den Clubs der Stadt seinem Namen alle Ehre machte und mit dem schönsten Mädchen liiert war. Doch das positive Bild, das der Leser zu Anfang von diesem Mann erhält, bekommt nach und nach Risse. Es gab offenbar Zwischenfälle mit einem Schwarzen, der im selben Ort lebt, oder einer Freundin seiner Mutter, bei denen McCool alles andere als nobel aufgetreten ist. Auch hat er wohl einige Zeit in der Irrenanstalt verbracht.

Das alles muss der Leser sich aus Andeutungen und Halbsätzen zusammenreimen, so dass das Lesen hier zum Puzzlespiel mutiert. Phantasie und Realität vermischen sich immer mehr, so dass man am Ende kaum weiß, wie nun wirklich das Leben der Hauptfigur verlaufen ist. Auch zum gegenwärtigen Verhältnis mit seiner jüngeren Freundin Vesna, die er augenscheinlich unterdrückt oder sogar misshandelt, bleiben Fragen. Da der gesamte Roman nur aus Erinnerungen, Rückblicken und Phantasien besteht, gibt es so gut wie keine Handlung. Das und das bereits erwähnte ständige Rätselraten machen die Lektüre trotz allen gesellschaftskritischen Anspielungen auf Themen wie Intoleranz, Kleinstadtmief, religiöse Verbohrtheit oder Standesdünkel im Irland der 60er-Jahre etwas zäh.

Patrick McCabe wurde 1955 in Irland geboren und schon mehrfach für den Booker-Preis nominiert. Seine Romane "Breakfast on Puto" und "Der Schlächterbursche" wurden verfilmt.

Patrick McCabe: Die Heilige Stadt.
Berlin-Verlag, Mai 2012.
237 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,90 Euro.

Andreas Schröter

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