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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Gottfried Keller: Die missbrauchten Liebesbriefe (1874)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Es beginnt alles mit Viktor Störteler, genannt Viggi, der ein Geschäft betreibt, sich aber mit höheren schriftstellerischen Weihen gesegnet betrachtet und vereinzelt auch schon in Kalenderblättern u. ä. veröffentlicht hat. Auftrieb gibt ihm dazu auch ein unverhofftes Treffen auf einer Geschäftsreise mit anderen „Sonntagsschreibern“, das gleich in der Gründung eines Vereins mündet.

Fortan ist Viggi noch mehr bestrebt, seine Laufbahn voranzutreiben, schreibt Skizzen über Bäume und alles, was sich ihm in den Weg stellt. Letztlich muss auch seine Frau mithalten, auch wenn sie einschläft, während er seine Werke vorliest. Mit ihr will er einen Briefwechsel inszenieren, von dem er erwartet, das er sich gut vermarkten und drucken lässt. Weil sie ihre Ehe gefährdet sieht, macht sie mit. Allerdings will es ihr nicht gelingen, selbst etwas Gedrechseltes zu Papier zu bringen. So greift sie in ihrer Not auf den Dorfschullehrer zurück, für den sie Viggis Briefe abschreibt und durch die Hecke dem jungen Mann zukommen lässt. Sie betont zwar am Anfang, es handele sich um einen Scherz, aber der Schüchterne fühlt sich geliebt und antwortet in dieser Manier.

Durch einen Zufall entdeckt Viggi die List. Es kommt zu einem kleinen Skandal in der Gemeinde, mit dem sich das Leben aller verändert. Die Geschichte wendet sich als Protagonisten jetzt dem weiteren Schicksal des Dorfschullehrers zu, der gestärkt neue Wege sucht und doch in der Nähe bleibt. Gestützt auf sein Wissen und seine Erfahrungen in der elterlichen Landwirtschaft macht er sich bei einem Weinbauern unentbehrlich. So wird er vom Hanswurst zu einem geachteten Mann und erhält nach noch einigen Verwicklungen und Prüfungen am Ende den gerechten Lohn für seine Mühen.

Und Viggi? Er erhält am Ende noch einen kurzen Abgesang.

Gottfried Keller erzählt in dieser Novelle von Möchtegernschriftstellern, Intrigen und Liebe. Dabei sind sowohl die Hauptfiguren als auch die Nebenfiguren sehr gut besetzt.

Keller wirft zunächst einen amüsierten und amüsanten Blick auf den Literaturbetrieb seiner Zeit und karikiert die schriftstellerischen Ambitionen der „Sonntagsschreiber“. Es lassen sich durchaus Parallelen zum heutigen Kulturbetrieb finden – z. B. der „Hype“ so mancher Werke und Personen, der durch die Lande gejagt wird. Und selbst auf die Zeiten des Internets lässt sich einiges übertragen. Ein naseweiser Kellner, der eine Zeit lang als „Teufelskerl unter den übrigen Schmierepetern“ galt, treibt mit wenig Talent, aber allen Finessen seine Bekanntheit voran, indem er über alles und jeden schreibt, immer von sich hören lässt. „Überdies betrieb ich eine rührige Industrie mit sogenannten ‚Mitgeteilts’ nach allen Ecken und Enden hin, indem ich allerlei Neuigkeitskram und Klatsch verbreitete.“ Wenn das nicht an Twitter und Co. erinnert ...

Seitenhiebe auf die Dorfgemeinschaft und den Pfarrer teilt Keller aus und entwickelt eine Liebesgeschichte, in der auch Versuchungen nicht zu kurz kommen.

Es lohnt sich, diese Geschichte zu entdecken, mit Keller zu schmunzeln und über die Figuren und ihr Schicksal den Kopf zu schütteln oder aber mit ihnen zu fiebern.

Die Novelle veröffentlichte Gottfried Keller in seinem zweiten Novellenzyklus der „Leute von Seldwyla“ 1873/1874, in dem auch „Kleider machen Leute“ erschienen ist.

Gottfried Keller, geb. 1819 und gest. 1890 in Zürich, begann als Landschaftsmaler, engagierte sich in der Freischärlerbewegung, lebte nach Stationen in München, Heidelberg und Berlin ab 1855 als Schriftsteller in Zürich. Er übernahm dort auch das Amt des Ersten Staatsschreibers der Regierung für fünfzehn Jahre.

Gottfried Keller: Die missbrauchten Liebesbriefe (1874).
Reclam, 1986.
93 Seiten, Taschenbuch, 2,60 Euro.

Martina Bracke

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