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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Volker Kutscher: Die Akte Vaterland
Jetzt bestellen bei amazon.de! Gereon Rath ist 1932 immer noch bei der Mordkommission in Berlin. Ein Toter SpirituosenhĂ€ndler wird im Aufzug des VergnĂŒgungshotels »Deutschland« gefunden. Die Obduktion ergibt, dass er ertrunken sein muss. - Ertrunken? In einem Aufzug mitten in Berlin? Und dabei ganz trocken geblieben? Die Polizei steht zunĂ€chst vor einem RĂ€tsel. Aber es tauchen noch mehr Opfer auf, die an Stellen ertrunken sind, an denen man eigentlich unmöglich ertrinken kann. Die Spur fĂŒhrt schließlich nach Masuren und zu einer noch sehr viel Ă€lteren Mordgeschichte.

Volker Kutscher verbindet Kriminalroman und die Geschichte des Untergangs der Weimarer Republik sehr geschickt miteinander. Und im Gegensatz zu vielen anderen Autoren erzÀhlt er wirklich vom Untergang der Weimarer Republik und nicht vom Aufstieg des Hitlerregimes. Der Unterschied mag vernachlÀssigbar erscheinen, ist es aber in meinen Augen nicht.

Über die 30er Jahre in Deutschland ist viel geschrieben worden, aber nur wenig so Unaufgeregtes und doch Eindringliches. Volker Kutscher versteht es, dem Leser nahezubringen, dass die Zeitgenossen ein Leben jenseits der Politik hatten, dass sie sich zumindest 1932 zwar vorstellen konnten, dass die NSDAP nicht unbedingt die beste Partei von allen war, dass sie aber kaum eine Vorstellung davon hatten, was noch auf sie zukommt. Heute BĂŒcher - und gerade fiktive BĂŒcher - ĂŒber die Zeit zu schreiben ist mit dem Wissen der spĂ€ter Geborenen nicht einfach. Wir können das Wissen ĂŒber das, was geschehen ist, nicht einfach verdrĂ€ngen, wir neigen zu der Ansicht, dass in den Jahren 33/34 noch schließlich eine VerĂ€nderung nach der anderen gekommen ist und alles ganz zielgerichtet auf den Zweiten Weltkrieg zugelaufen war. Dabei wird, auch von manchen Autoren, allzu oft ĂŒbersehen, dass die Dinge fĂŒr die Zeitgenossen eben nicht so klar lagen.

Volker Kutscher gelingt es, eine glaubhafte Darstellung der Lebensweise des Berlins von 1932 - 33 dem Leser nahezubringen, ohne die politische und natĂŒrlich auch gesellschaftliche VerĂ€nderung Deutschlands zu ignorieren. Der Gegensatz von Ber-lin/Masuren trĂ€gt hier noch zur Verdeutlichung bei. Im Laufe der Reihe um den gebĂŒrtigen Kölner Kommissar Gereon Rath dringt das politische Geschehen genauso allmĂ€hlich in die Wahrnehmung des Lesers, wie sie einst in die Wahrnehmung der Zeitgenossen drang. Das kombiniert mit dem Wissen des Lesers macht das Buch so eindringlich.

DarĂŒber hinaus ist »Die Akte Vaterland« auch noch ein gut aufgebauter Kriminalroman mit allem, was ein Krimi braucht, inklusive der niemals endenden Liebesgeschichte zwischen Gereon und Charly, die in diesen Romanen fĂŒr den aufstrebenden Ehrgeiz der Frauen steht.

Fazit: Spannend, lehrreich, nachdenklich machend. Unbedingt lesenswert.

Volker Kutscher: Die Akte Vaterland.
Kiepenheuer & Witsch, August 2012.
563 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Regina Lindemann

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