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Franz Werfel: Der Abituriententag (1928)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Lange Zeit verstaubte das Buch im Bücherschrank. Jetzt beeindruckte schon der erste Satz. „Der Untersuchungsrichter Landesgerichtsrat Doktor Ernst Sebastian tötete die erst halb genossene Zigarre.“ Werfel braucht keine erste Seite, keinen ganzen Absatz, er braucht nur einen ersten Satz, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und die verliert er auch in der Folge nicht mehr.

Er arbeitet mit seinem Protagonisten auf das 25-jährige Abiturjubiläum hin, lässt ihn zunächst aber noch einen des Mordes an einer Prostituierten Verdächtigen, Franz Adler, verhören. Das Verhör fällt einigermaßen knapp aus, Dr. Sebastian macht sich auf zu dem Jubiläum, bei dem sich fünfzehn von siebenundzwanzig Herren in den Vierzigern treffen und zu dem Dr. Sebastian nur widerwillig hingeht.

Akribisch und trefflich beschreibt der Erzähler einzelne Personen der Runde, die lebhaft hervortreten. Die Herren hinterlassen insgesamt einen verlebten Eindruck und erscheinen älter, als sie sind. Vielleicht liegt es an der Zeit und nicht an der Lebenszeit. Der Abiturjahrgang ist von 1902, ergo findet das Wiedersehen 1927 statt.

Amüsant beschreibt Werfel das Festessen, das „zwei missgelaunte Kellner“ servieren. „Der feste, in barbarische Trümmer zerlegten Braten lastete in ausgekühltem Saft. Ein brösliger Fruchtkuchen machte den Schluss.“ Dr. Sebastian hat sich innerlich längst von dem Treiben verabschiedet und sich in sich zurückgezogen, nachdem er ernsthaft die Flucht aus dieser Zwangsgemeinschaft erwogen hatte.

Doch nach dem Essen entspannt sich die Stimmung. Karlkurt Schulhof, ein Mitschüler, der Schauspieler und Regisseur geworden ist, versteht es, die Anwesenden mit seinem Spiel zu unterhalten. Er schlüpft in die verschiedenen Rollen von Lehrer und Schülern. Bis er einen Schüler nachmacht, der nicht anwesend ist, wohl zu den Verschollenen zählt.

In Sebastian treiben die Erinnerungen wieder an die Oberfläche. Daheim an seinem Schreibtisch findet er keinen Schlaf und zeichnet seine Schulzeit in raschen Federstrichen beinahe atemlos nach. In der Ich-Form wird nun weitererzählt von Zusammengehörigkeit, Zerrissenheit, Pubertät und folgenschweren Entscheidungen in jungen Jahren. Und von Schuld und Last, die über die Zeit mitgeschleppt werden. Schuld, von der man sich nicht befreien kann.

Es ist spannend zu sehen, wie Werfel ein Leben vor dem Leser und der Leserin ausbreitet, welche Ereignisse und Gefühle einen Menschen leiten und bestimmen. Wie Dr. Sebastian sich in Schuld verstrickt und die Bürde ein Leben lang trägt. Er versucht seine Schuld zu ertragen und ein Stück abzutragen, indem er ein kleiner Untersuchungsrichter bleibt und die Verdächtigen weitestgehend menschlich behandelt. Er gesteht seine Schuld nur sich und ist froh, dass er seine Schrift am nächsten Morgen selbst nicht mehr lesen kann.

Aber die Begegnung mit dem Untersuchungshäftling Franz Adler steht noch an. Muss er sich seiner Schuld doch noch stellen?

Franz Werfel wurde 1890 in Prag geboren und starb 1945 in Los Angeles. Als Sohn eines jüdischen Kaufmanns machte er eine Lehre in einer Hamburger Speditionsfirma, fungierte aber ab 1911 zunächst als Verlagslektor in Leipzig. Soldat im Ersten Weltkrieg. Heiratete die Witwe Gustav Mahlers. 1938 emigrierte er zunächst nach Frankreich, dann 1940 über Spanien in die USA. Er war Lyriker, Romancier und Dramatiker.

Franz Werfel: Der Abituriententag (1928).
Fischer, Oktober 2011.
184 Seiten, Taschenbuch, 8,95 Euro.

Martina Bracke

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