Futter für die Bestie
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Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten-
Anthologie zu. Auf Gewalt- und Blutorgien haben wir allerdings verzichtet. Manche Geschichten sind sogar witzig.
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Robert E. Howard: Tote erinnern sich
Jetzt bestellen bei amazon.de! Fragt man einen Horror-Leser nach den Klassikern des Sub-Genres dann bekommt man unweigerlich H. P. Lovecraft und Edgar Allan Poe genannt. Vielleicht, wenn man es mit einem belesenen Fan zu tun hat, tauchen nach längerem Nachdenken Namen wie Arthur Machen, Clark Ashton Smith, William H. Hodgson oder Fritz Leiber auf, an den Vater von Conan aber denken die Wenigsten. Dabei hat der viel zu früh seinem Leben ein Ende machende Texaner nicht nur Conan und Kull auf seinen Seiten zu Leben erweckt, immer wieder auch hat er sich dem Schrecken als Topic zugewandt. Als Freund Lovecrafts hat er Geschichten für dieselben Magazine wie HPL geschrieben, hat allerdings nie einfach Kopiert sondern immer seinen eigenen Weg gesucht und gefunden. Wie Christian Endres in seinem informativen Nachwort ausführt, besaß Howard zwei Dinge, die für einen guten Unterhaltungsautor lebensnotwendig waren und sind - Vielseitigkeit und die Fähigkeit markante, serientaugliche Protagonisten zu kreieren. So erwarten den Leser im zweiten Sammelband mit den Horror-Geschichten Howards im Festa Verlag Erzählungen ganz unterschiedlichen Inhalts. Es geht immer wieder um alt-nordische Götter, um Wikinger und Iren die in Schlachten aufeinandertreffen aber auch um Teufelsanbeter, oder Revolverhelden, die auf unvorstellbares Grauen oder die Überreste längst vergessener Rassen stoßen. Überraschend war für mich, wie oft Howard Westernmotive mit übernatürlichen Ereignissen kombiniert hat. Die Novelle „Das Schädelgesicht“ ist dann der längste Beitrag des Bandes. Hier erzählt Howard in unnachahmlicher Art und Weise von einem überlebenden Magier Atlantis´ der von Afrika kommend, seine Herrschaft über den Erdball und die Vernichtung der weißen Rasse in Angriff nimmt. Dass er dabei bekannte, ja abgenutzte Motive wie etwa die Opiumhöhle einsetzt, dass er rassistisches Gedankengut einfließen lässt, wirft ein bezeichnenden Licht auf die Denkart zur Zeit der Entstehung, mindert aber nicht die Wucht mit der die Erzählung den Leser in ihren Bann zieht. Und es geht in ersten fünf Geschichten um einen der faszinierendsten Protagonisten, die Robert E. Howard zeit seines Lebens geschaffen hat. Nicht etwa Conan ist mein Lieblingsheld, so agil und dynamisch der Hyperboräer auch daherkommt, nein Solomon Kane, Puritaner, Mantel- und Degenheld und furchtloser Kämpfer gegen das Böse hat es mir besonders angetan. In den 70er Jahren erschienen bereits einmal, in der legendäre Terra Fantasy Reihe zwei Sammelbände mit Geschichten um Solomon Kane, seitdem wartet der Leser und Fan ungeduldig, dass ein Verleger die Lücke entdeckt, und die Geschichten um den furchtlosen Puritaner gesammelt auflegt. Vorliegend entführt Howard uns in drei kürzeren Geschichten nach England, bevor der Kane dann in Arabien, Schwarz-Afrika und dem Schwarzwald das Böse in Form von Sklavenhändlern, Vampiren, uralten, eingekerkerten Göttern und ermordeten Magiern bekämpfen lässt. Hier legt der Autor den Grundstein für das, was spätere Autoren dann in unzähligen Gruselserien aufgreifen – einen aufrechten, streng-gläubigen Mann, der mutig dem Bösen ins Auge blickt und dieses entschieden und furchtlos bekämpft. Das hat auch heute, Jahrzehnte nachdem die Stories erstveröffentlicht wurden noch das Potential den Leser an die Seiten zu bannen, ihn zu faszinieren und in wohlige Furcht zu versetzen.

Noch ein Wort zu der Edition selbst.

Schon einmal gab es auf dem Deutschen Buchmarkt zwei richtungsweisende Phantastik-Reihen. Im Insel Verlag erschien, auf lindgrünem Papier gedruckt die von Kalju Kirde editierte legendäre „Bibliothek des Hauses Usher“ und im Hanser Verlag die „Bibliotheka Dracula“. Beide Reihen sind seit Jahrzehnten vergriffen und antiquarisch gesucht. Ich möchte prophezeien, dass es zumindest der Edition „H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ ähnlich ergehen wird. Die handwerklich liebevoll gestalteten Hardcover mit Lesebändchen sind zwar nicht billig aber preiswert in Sinne des Wortes – ihren Preis wert. Nicht nur äußerlich, auch der Inhalt der wie immer sorgfältig redigierten Bücher weiß, gerade und insbesondere bei den Werksausgaben (H. P. Lovecraft, C. A. Smith und Robert E. Howard) zu überzeugen. Insoweit sind dies nicht nur wichtige Bücher, die uns viele Geschichten erstmals, oder sorgfältig neu übersetzt zugänglich machen, sondern auch eine Zierde jeder Sammlung.

Robert E. Howard: Tote erinnern sich.
Festa, September 2012.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 28,00 Euro.

Carsten Kuhr

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