Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Jim C. Hines: Die Goblins
Jetzt bestellen bei amazon.de! Was lebt in dunklen GĂ€ngen unter der Erde, ist schĂŒchtern und zurĂŒckhaltend – na ja, zumindest meistens - hat große Ohren und denkt fast nur ans Essen?

Nein, falsch getippt, ich spreche nicht von Meister Langohr Hase, ich meine natĂŒrlich die Goblins, was denn auch sonst!

Jig, unser ErzĂ€hler ist selbst bei den Goblins ein Außenseiter. Auf Patrouillie darf er nicht mit, die GruppenbesĂ€ufnisse sind ihm ebenso verwehrt wie die KĂ€mpfe mit den Hobgoblins. Statt dessen heißt es Latrinen- und Schmodderdienst unter erschwerten Bedingungen, stellt ihm doch einer der brutalsten HauptmĂ€nner des Clans nach und drangsaliert ihn bis aufs Blut. Seinen Traum, einmal als Held in die Annalen der Goblins einzugehen, und mit einem eigenen Heldenepos geehrt zu werden hat er, trotz seiner Jugend, lĂ€ngst ad acta gelegt. Dann aber sorgt das Schicksal oder eine Gottheit mit einem aberwitzigen Humor dafĂŒr, dass er seine Chance auf Ruhm und Abenteuer bekommt.

Tief in den Gangsystemen des Berges stĂ¶ĂŸt er auf Abenteurer auf einer hehren Queste. ZukĂŒnftig irrt Jig mit einem missionierenden, kartenzeichnenden Zwerg, einem kleptomanischen Elbenkind, einem arroganten Prinzen und einem Zauberer, der am Rande des Wahnsinns schwebt, durch die GĂ€nge des kĂŒnstlichen Berges, den er seine Heimat nennt. Als Gefangener soll er der Gruppe den Weg zu dem Versteck des Nekromanten weisen, von dem aus ein verborgener Pfad zum Hort des Drachen fĂŒhren soll. Und genau da soll das »Zepter der Schöpfung« des ersten und einzigen Großmagiers der Welt verborgen sein – ein Schatz jenseits aller Vorstellungskraft.

Nur zu bald muss Jig festellen, dass das Heldendasein so ganz anders ist, als besungen. Das Leben eines Abenteurers scheint aus ungefĂ€hr sechs Teilen Langeweile und einem Teil extremen Schreckens zu bestehen ( S. 90). In den kommenden Tagen wird Jig um Haaresbreite gefressen, ertrĂ€nkt, vergiftet, zombifiziert, in StĂŒcke gerissen, und, wenn man »Sich-von-Brot-ernĂ€hern-mĂŒssen« dazuzĂ€hlt, verhungert. Damit nicht genug: potenzieren sich auf dem Weg zum Finale die Schrecken. Da kĂ€mpft jeder der kleinen Gruppe gegen jeden, da liegt es ausgerechnet am kleinsten und feigsten Mitglied der Truppe, dreimal dĂŒrfen sie raten welchen Goblin ich meine, den Nekromanten höchstselbst zu besiegen bevor unsere zerstrittenen und abgekĂ€mpften KĂ€mpen auf ihren grĂ¶ĂŸten Gegner treffen – einen Trödel sammelnden, mit unĂŒberwindbaren magischen Gaben ausgestatteten Drachen und seine Brut. Doch sie haben ja ihre Geheimwaffe an Bord, denn merke erneut, ein listiger Goblin, so klein und dĂŒnn er auch ist, zeigt mit ein wenig UnterstĂŒtzung eines vergessenen Gottes den blaublĂŒtigen Möchtegernhelden allemal, was eine Harke ist ...

Was haben wir in den vergangenen Jahren nicht alles vorgesetzt bekommen. Kaum ein Fantasy-Volk, das nicht mit einer eigenen Romanreihe geehrt worden ist, nachdem Stan Nicholls mit den »Orks« (dt. Heyne und Piper) in den Beststellerlisten fĂŒr Furore sorgte.

Anders als das Vorbild Nicholls aber erwiesen sich die Nachahmer oft als ziemlich laue AufgĂŒsse, die den Drive und den Humor des erfolgreichen Vorbilds selten, wenn ĂŒberhaupt erreichten.

Jim C. Hines gelingt das, was viele seiner Kollegen vergeblich versuchten. Er erzÀhlt eine lustige, in sich stimmige Geschichte in einem durchgÀngig straff gegliederten Handlungsbogen.

Dabei zieht er natĂŒrlich viel seiner Situationskomik aus der Gestalt seines Protagonisten.
Einen Underdog, einen Loser zum Helden zu machen, ist nicht neu, erweist sich vorliegend aber als GlĂŒcksfall. Mit seinen respektlosen Ansichten, seinen Vergleichen und Fragen zieht er ein ums andere Mal den ach so Hochwohlgeborenen die Maske vom Gesicht. Durch seine DemĂŒtigungen gewohnten und leidgeprĂŒften Augen stellt er die ach so hehren Ritter und Zwerge bloß, relativiert die Queste zu dem was diese eigentlich ist, nĂ€mlich einem Publicity-Gag wie es neudeutsch so schön heißt, in dem der Held ohne seine Helfer verloren wĂ€re, nichts blickt und ausschließlich mit seinem ĂŒbergroßen Selbstvertrauen und seiner Arroganz glĂ€nzt. Hier ist Schein nicht mehr als Sein, hier ist die SelbstprĂ€sentation schlicht alles.

Daneben liest sich das Buch natĂŒrlich auch spannend und flĂŒssig in einem Rutsch durch. In einem respektlosen, schnoddrigen Stil rast die Handlung von einem Höhepunkt zum nĂ€chsten, bekommen wir kaum einmal die Chance Luft zu holen. Immer wieder tauchen neue PrĂŒfungen auf, erwarten andere Gefahren unsere Gruppe, die ein ums andere Mal aus unerwarteter Richtung die Lösung erhĂ€lt. Dass Hines geschickt versteckt, gĂ€ngige Fantasy-Klischees zu persifliert, dass er mit VersatzstĂŒcken erfolgreicher Fantasy-Epen jongliert, und es ihm immer wieder gelingt, der Handlung eine unerwartete Wendung zu verleihen, lĂ€sst die Zeit der LektĂŒre wie im Flug vergehen.

Um ein ganz großes Werk zu schaffen, fehlt den »Goblins« sicherlich Tiefgang und einer dezidierte Weltenschöpfung.
Nichts desto trotz bietet das Buch rasant geschriebene Unterhaltung mit alten Bekannten in neuen Kleidern und ist als solche sowohl fĂŒr Neueinsteiger ins Genre als auch fĂŒr alte Hasen eine Empfehlung wert.

Jim C. Hines: Die Goblins.
Bastei-LĂŒbbe, September 2007.
350 Seiten, Taschenbuch, 12,95 Euro.

Carsten Kuhr

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