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Vicki Baum: Leben ohne Geheimnis (1932)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Liebende, unglücklich Liebende, Missverständnisse.
Hollywood, Studioatmosphäre, ein bisschen Glamour, aber harte Bandagen hinter den Kulissen.
Wie einige von Vicki Baums Büchern spielt auch dieses im und mit dem Schein der Lichter, der glitzernden Fassade einer Theater- oder Filmwelt.
In „Leben ohne Geheimis“ ist es die flimmernde, flammende Welt des frühen Tonfilms in Hollywood. Im Mittelpunkt stehen Oliver Dent, ein gefeierter, weil vor allem schöner Star, und eine Stummfilmschönheit, die im Tonfilm nicht Fuß fassen konnte, weil ihr Akzent zu stark war und ihre Stimme zu tief. Donka Morescu und Oliver Dent sind ein Paar – trotz der zehn Jahre, die sie älter ist als er. Und es ist eine große Liebe. Beide wissen es für sich, geben es aber vor sich selbst und dem anderen nicht zu. Beide werden verschlissen von der Filmmaschinerie, wo die Drehbücher bis zur Unkenntlichkeit durch die Mangel gedreht werden, wo es auf Drehzeit und die Kosten pro halbe Stunde ankommt. Wird es sich verkaufen, wird der Film ein Kassenschlager? Der Film zählt, das Produkt, aber weniger der Einzelne.
Manchmal schmerzt es, zu erleben, wie die Protagonisten aneinander vorbei leben. Man möchte ihnen ein „Halt“ zurufen. Aber sie sind so mit sich beschäftigt, dass sie es nicht hören würden.
Die Morescu bekommt eine neue Chance, einen Film zu drehen und ergreift sie beim Schopfe, geht darin auf und blickt nicht rechts noch links. Dent derweil versucht, vor allem zu fliehen. Nach ein paar glücklichen Tagen beim Fischen ist in New York seine Endstation. Krank wartet er auf Donka, die dreht, der man zuerst nichts gesagt hat, die dann alles erfährt und sich doch entscheidet, erst die letzten Szenen Tag und Nacht durchzudrehen. Ihre Chance, ihre Chance.
Auch die Nebenrollen vervollständigen das Hollywood-Bild mit denen da oben und denen da unten, teilweise ganz unten. Aldens ist da, ein junger Deutscher, mit Akzent, Kriegserlebnissen und wenig Hoffnung, zerrissen zwischen Amerika und Deutschland, nirgendwo mehr zu Hause. Francis, eine wasserstoffblonde Schönheit, mit Versprechungen gelockt, die vor Hunger auch schon mal ohnmächtig wird.
Manchmal entwickeln die Figuren Mitleid, leiden mit anderen mit, aber das eigene Leben geht derweil vor die Hunde. Doch selbst die Hunde leiden. Alles hat Persönlichkeit in Vicki Baums „Leben ohne Geheimnis“, das wirklich keine Geheimnisse mehr birgt. Mit dem allwissenden Erzähler können die Leserinnen und Leser selbst in die Hundeseele blicken.
Manchmal ist es ein bisschen zu viel Gefühl, aber insgesamt ein lesenswerter Roman mit gut gezeichneten Figuren und tiefen Einblicken ins menschliche und tierische Seelenleben und das Filmgeschäft der 1930er Jahre, das sich vermutlich nicht so viel von dem heutigen unterscheidet.

Vicki Baum, geb. 1888 in Wien, Harfenistin und später Redakteurin für den Ullstein-Verlag, verließ Europa bereits vor der Machtergreifung und wurde Amerikanerin. Sie schrieb mit „Menschen im Hotel“ einen äußerst erfolgreichen Roman der 20er Jahre, der in einer Inszenierung von Gründgens erstmals auf die Bühne kam, danach auch am Broadway gezeigt und in Hollywood verfilmt wurde. Zu ihrem Werk gehört eine stattliche Anzahl weiterer Romane und Erzählungen sowie ihre Autobiographie. Sie starb 1960 in Los Angeles.

Vicki Baum: Leben ohne Geheimnis (1932).
Ullstein, März 1997.
171 Seiten, Taschenbuch.

Martina Bracke

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