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Michel Laub: Tagebuch eines Sturzes
Jetzt bestellen bei amazon.de! Brasilien ist im Oktober Gastland der Frankfurter Buchmesse. Deshalb erscheinen in Deutschland momentan einige BĂŒcher von Autoren aus dem sĂŒdamerikanischen Land.

Michel Laub, geboren 1973, ist einer von ihnen – und er gehört sogar zu den wichtigsten seines Landes. In seinem kurzen Roman „Tagebuch eines Sturzes“ greift er Themen wie Schuld und Vergeben sowie die eigene SchuldfĂ€higkeit auf.

Der jĂŒdische Großvater des ErzĂ€hlers ist Auschwitz-Überlebender, der Exil in Brasilien gefunden hat. Über die Details seiner Leidenszeit in Deutschland sowie die genauen HintergrĂŒnde seiner Auswanderung hat er sich stets ausgeschwiegen. Und doch verbringt er die letzten Jahre seines Lebens ausschließlich in seinem Arbeitszimmer, um dort eine Art Tagebuch zu schreiben. Doch auch dort verschweigt er Auschwitz und den Tod seiner gesamten Verwandtschaft. Sein „Tagebuch“ besteht stattdessen nur aus positiven, idealisierten EindrĂŒcken nach dem Motto „So schön könnte die Welt sein“.

Kann man die Schrullen des alten Mannes, der am Ende wie viele KZ-Überlebende Selbstmord verĂŒbt, ausschließlich auf Auschwitz schieben? Oder trĂ€gt er auch eine eigene Verantwortung fĂŒr sein Handeln, unter dem die Familie leidet?

Schuld hat auch der Ich-ErzĂ€hler selbst auf sich geladen. Als SchĂŒler in einer jĂŒdischen Schule war er daran beteiligt, dass ein nicht jĂŒdischer MitschĂŒler an seinem Geburtstag beim Hochleben lassen von den MitschĂŒler nicht wieder aufgefangen wurde. Er prallte auf den Boden, wobei er schwer verletzt wurde. Lassen sich die spĂ€tere BindungsunfĂ€higkeit des ErzĂ€hlers und sein Alkoholismus auf dieses traumatische Erlebnis zurĂŒckfĂŒhren, unter dem er lange gelitten hat?

„Tagebuch eines Sturzes“ ist weniger ein Roman, der eine bestimmte Handlung erzĂ€hlt. Vielmehr ist Laub an den oben genannten philosophischen Fragestellungen interessiert. Das trĂ€gt sich ĂŒber 176 Seiten, allerdings dĂŒrfte das Buch auch nicht viel dicker sein.

Michel Laub: Tagebuch eines Sturzes.
Klett-Cotta, August 2013.
176 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,95 Euro.

Andreas Schröter

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