Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Anne Rice: Das Geschenk der Wölfe
Jetzt bestellen bei amazon.de! Reuben stammt aus einem beg√ľterten Elternhaus. Ohne finanzielle Sorgen kann und soll er, der als einer der attraktivsten M√§nner seines Jahrgangs gilt, seinen Weg machen. Statt sich wie die Mutter, als angesehener Chirurg niederzulassen, oder wie sein Bruder als Priester zu wirken folgt er mehr der geistigen Ausrichtung des Vaters und versucht sich als schreibender Journalist.

Einer seiner ersten Auftr√§ge f√ľhrt ihn n√∂rdlich von San Francisco zu einem malerisch, inmitten eines Redwood Forests gelegenen, Herrenhauses. Die Erbin des pittoresken Anwesens, das Reuben sogleich in seinen Bann zieht, erl√§utert ihm, dass der Besitzer seit Jahren verschollen und nun f√ľr tot erkl√§rt wurde und sie selbst das Haus nebst dem Grund ver√§u√üern m√∂chte. J√§h werden die Beiden, die einander gerade nahekommen von Einbrechern gest√∂rt, die die Erbin ermorden, Reuben schwer verwunden. Nur dem Eingreifen eines riesenhaften Hundes, der die M√∂rder totbei√üt und auch Reuben verletzt ist es zu verdanken, dass der Journalist mit dem Leben davon kommt.
Schon im Krankenhaus aber f√§llt auf, wie schnell seine Wunden heilen, und dass sich sein Blut ver√§ndert hat. Sein K√∂rper sch√ľttet neue Wachstumshormone aus, Blutproben verschwinden auf nicht nachvollziehbare Weise, sein K√∂rper w√§chst wieder. Schlimmer aber ist, dass er immer wieder merkw√ľrdige Stimmen in seinem Kopf h√∂rt. Stimmen von b√∂sen Menschen, die offensichtlich schlimme Taten begehen. Sein K√∂rper reagiert auf diese Stimmen, wandelt sich zu einem Wolfmenschen, der sich gleich eines Superhelden um Gerechtigkeit bem√ľht. M√∂rder werden enthauptet, durch W√§nde geschmettert oder erdrosselt, sein Wolfsk√∂rper labt sich an dem Fleisch der Get√∂teten.
W√§hrend die Presse den unbekannten R√§cher der Missbrauchten feiert, versteckt sich Reuben in dem Anwesen, in dem er vom Speichel des Werwolfs angesteckt wurde. Er bindet sich neu und sucht nach den Wurzeln seiner Verwandlung ‚Äď und st√∂√üt dabei nicht nur auf den verschollenen Erbauer des Hauses sondern auch auf Verr√§ter, die diesen und seine Artgenossen damals wie heute mitleidlos jagen ‚Ķ


Es ist jetzt fast 30 Jahre her, da erschien zun√§chst in den USA, sp√§ter auch bei uns (MvS, Hoffmann & Campe) ein Roman, der eine ganze Sub-Gattung neu befruchten sollte. Die Gest√§ndnisse des Vampirs Lestat erwiesen sich als wahrer Jungbrunnen f√ľr das im Dornr√∂schenschlaf dahinvegetierende Vampir-Genre, die Autorin Anne Rice wurde mit einem Schlag ber√ľhmt und reich.
Lestat durfte noch einige weitere Romane f√ľllen, den Leser nicht nur von seiner Jugend berichten, sondern auch auf die Suche nach den Ahnherren der Vampire aus alt-√§gyptischer Zeit und daran anschlie√üend auf die Suche nach Gott selbst mitnehmen. Mit der Hexenfamilie der Mayfairs schuf sie dann ein zweites gro√ües literarisches Standbein, bevor die schwere Krankheit ihres Mannes sie dazu bewegte, dem Autorendasein abzuschw√∂ren.

Nach gut einer Dekade als Hausfrau hat sie nun erneut in die Tastatur gegriffen. Ihr neuer deutscher Verlag (Rowohlt) zitiert auf der Umschlaginnenseite auch jede Menge begeisterte, ja √ľbersch√§umende Kommentare aus renommierten US-Periodika und Zeitungen. Sp√§testens wenn man als Leser von Lobpreisungen f√∂rmlich erschlagen wird, ist dies immer ein erster Hinweis, dass das angepriesene Objekt so gelungen nicht ausgefallen sein k√∂nnte.

Und wirklich, hat der Roman, insbesondere zu Beginn, seine L√§ngen. Schon in fr√ľheren Werken hat sich Rice sehr ausf√ľhrlich mit √Ąu√üerlichkeiten besch√§ftigt und ihrer Bewunderung f√ľr alte Bauten und architektonisch-handwerklich vorbildliche Anwesen aus √§lterer Zeit breiten Raum einger√§umt. Vorliegend aber st√∂ren diese langen Abschnitte, in denen sie versucht uns die baulichen Besonderheiten des Anwesens nahe zu bringen oder die Vorz√ľge ihres Protagonisten zu schildern den Handlungsablauf.

Und dieser ist bis ca. zur H√§lfte des Buches noch denkbar abgedroschen. Der Plot erinnert zun√§chst ganz an eines der √ľblichen Supermann-Epen. Der R√§cher der Hilflosen kn√∂pft sich martialisch geschildert die B√∂sewichter vor und r√§cht die unschuldigen Opfer.

Erst als Anne Rice das Mysterium des verschwundenen Hausherren und die Suche nach den Geheimnissen um die Wolfmenschen hinterfragt beginnt die Handlung interessant zu werden.
Jetzt, endlich bin ich geneigt zu sagen, kommen Faszination und Spannung auf, zieht mich die Autorin in ihren Text. Was steckt hinter den Infektion, seit wann gibt es die Werw√∂lfe, wer sind deren Gegner ‚Äď Fragen, die die allgemeinen Lebensfragen ‚Äď wer bin ich, wo komme ich her, wo gehe ich hin ‚Äď in abgewandelter Form thematisieren.

Hier zeigt Rice, dass sie das Erz√§hlen nicht verlernt hat, dass sie nach wie vor mitrei√üend und geheimnisvoll zu fabulieren wei√ü ‚Äď nur hat es auf dem Weg dahin ein wenig zu lange gedauert.

Anne Rice: Das Geschenk der Wölfe.
rororo, Juli 2013.
656 Seiten, Taschenbuch, 15,99 Euro.

Carsten Kuhr

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