Der Tod aus der Teekiste
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"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
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Erich Hackl: Dieses Buch gehört meiner Mutter
Jetzt bestellen bei amazon.de! „Wir musste einen Aufsatz schreiben
Über den Herbst und seine Gaben.
Der Griffel kratzte über die Tafel.
Dann wußte ich nicht weiter
Und schaute aus dem Fenster.
Da sah ich ihn vorbeitrotten,
um den Hals einen Strick.
Den Mann, der ihn führte, kannte ich,
er war hager, wortkarg und arm.
Der Schinder verkaufte Hundefett
Als Mittel gegen die Schwindsucht.“
Der Ich erzähler wartet auf die Schulpause, läuft zum Zwinger und findet den Hund Lord. Nimmt ihn mit nach Hause und erlebt, wie der treue Hund den Eltern die Hände leckt, die ihn an den Schinder gegeben haben. Lord bekommt sein Gnadenbrot.“

Erich Hackl ist bekannt für seine politischen Bücher, über Verfolgte, Ausgestoßene der Gesellschaft, („Abschied von Sidonie“), denen er ein Denkmal setzt.
In diesem Buch für seine Mutter schreibt er über den Hund Lord. Und seine lebenskluge Mutter. Er bedient sich dabei ihres Wortschatzes, ihrer Syntax. Die Bauerntochter im Unteren Mühlviertel, dem Hügelland nördlich der Donau an der tschechischen Grenze, spricht eine einfache Sprache. Und Hackl schreibt das Buch über seine Mutter, für seine Mutter und mit ihr.
Die Mutter redet nicht über Widrigkeiten, überhaupt redet sie nie viel und daher nicht zu viel über das, was sie sieht und erlebt. Ein tödlicher Autounfall, Missbrauch eines Nachbarskindes, das erste Telefon, die Kriegsgefangenen im Dorf und die Begegnung mit ihrem zukünftigen Mann. Sie heiratet ihn nach dem Zweiten Weltkrieg. In Hackls Buch wird bescheiden und ehrlich, in einfachen Worten über alles berichtet. Hackl erinnert sich an seine Kindheit und an das, was seine Mutter ihm erzählt hat. Von ihr Erlebtes und von ihr Gehörtes. So war sie nicht dabei, als Hackls Großvater an kinderlose Verwandte weggegeben wurde. Als eine andere Verwandte bei einer Abtreibung starb. Diese Ereignisse gehören jedoch zur Familie und Familiengeschichte, und die Mutter bewahrt sie auf. Der Sohn hat sie nun gerettet, als Geschichten, unkommentiert und ohne Erklärungen. Er nähert sich nicht interpretierend der Mutter, er lässt sie sprechen.
Der kurze Text ist in Strophen gegliedert, Hackl bricht damit mit der typisch biographischen Form des Romans. Sicher trägt diese ungewöhnliche Form dazu bei, dass Bekanntes über das Leben auf dem Land, den Krieg, den Fortschritt, die Liebe, die hier nicht beim Namen genannt werden kann (die Mutter „hat gern“), gesehen aus dem Blickwinkel einer einfachen Frau auf dem Land,uns hier völlig neu begegnet.

Jeder Satz trifft und lässt so schnell nicht los.

Erich Hackl: Dieses Buch gehört meiner Mutter.
Diogenes, Oktober 2013.
116 Seiten, Gebundene Ausgabe, 17,90 Euro.

Corinna Griesbach

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