Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Thomas Thiemeyer: Valhalla
Jetzt bestellen bei amazon.de! Hannah Peters und ihr Lebensgefährte, der Ex-Marine John Evans forschen im Auftrag ihres reichen Gönners in Kambodscha und untersuchen die beeindruckenden Ruinen Groß-Angkors als Norman Stromberg das erfolgreiche Team auseinanderreißt. Hannah soll nach Spitzbergen reisen, wo man tief unter dem 5000 Jahre alten Gletschereis eine riesige Stadt gefunden hat, die das legendäre Hyperborea sein könnte.

Dass die Forscher nicht die ersten neuzeitlichen Menschen sind, die die antike Metropole aufsuchen stellen sie fest, als sie auf Relikte der Deutschen Wehrmacht stoßen.
Himmlers Arierforscher glaubten hier nicht nur die Wiege der Deutschen Rasse gefunden zu haben, sie forschten hier auch an einer heimt√ľckischen biologischen Waffe.
Das Virus ist nach wie vor aktiv, nur Hannah Peters √ľberlebt dank des in ihrem K√∂rper reifenden Lebens. Doch dem Ungeborenen droht direkt nach der Geburt der grausame Tot durch das Virus. Nur eine Probe des Genom Urerregers k√∂nnte eine Heilungschance f√ľr das noch ungeborene Kind er√∂ffnen, doch das Gebiet wurde mittlerweile von Russischen Sicherheitskr√§ften weitr√§umig abgesperrt. Der Russische Auslandsgeheimdienst will sich den biologischen Nazi-Kampfstoff sichern und geht dabei nicht eben zimperlich vor.
So versuchen Hannah und John, unterst√ľtzt durch ein paar wenige Freunde, unentdeckt zur ehemaligen Deutschen Forschungsstation vorzusto√üen ‚Äď und treffend dabei nicht nur auf gnadenlose russische Agenten sondern auch auf weitere √úberlebende der ersten Expedition ‚Äď obwohl diese nicht mehr wirklich als menschlich bezeichnet werden k√∂nnen ‚Ķ

Zum dritten Mal nach ‚ÄěMedusa‚Äú und ‚ÄěNebra‚Äú stellt Thomas Thiemeyer die sympathisch gezeichnete Arch√§ologin Hannah Peters ins Zentrum eines phantastisch angehauchten Thrillers.

Thiemeyer, der sowohl im Jugendbuch als auch im Erwachsenensegment publiziert, gef√§llt mir pers√∂nlich immer dann besonders gut, wenn er in die Ferne schweift. Gleich ob er die Sahara besucht, den tropischen Regenwald ins Zentrum stellt, oder den S√ľdamerikanischen Hochkulturen seine Referenz erweist, sobald es in fremde Gestade geht, flammt seine Fabulierfreude besonders auf, nehmen mich als Leser die farbenpr√§chtigen Schilderungen der Umwelt und Kulturen gefangen.

Immer dann, wenn er in seinen Romanen geschichtliches Wissen um alte, untergegangene Kulturen mit einer packenden Handlung kombiniert, erweisen sich seine Romane als Pageturner. Vorliegendes Buch ist hier keine Ausnahme. Geschickt nutzt er das bekannte Motiv der Nazi-Expeditionen um einer verschwundenen Hochkultur auf die Spur zu kommen, nutzt diese aber nur als interessante Kulisse vor der er dann seine eigentliche Handlung platziert.

Es geht ihm um Menschen, die Sch√∂pfer spielen, die biologische Waffen entwickeln und dabei von ihrer eigenen Kreation √ľberfallen werden. Und es geht um Menschen, die versuchen, allen moralischen Grunds√§tzen zum Trotz diese Waffe ‚Äď und nicht anderes sind biologische Kampfstoffe ‚Äď f√ľr ihre Nation zu sichern, koste es was es wolle.

Nat√ľrlich sind entsprechende Konstellationen leidlich bekannt, zumal insbesondere die russischen Einsatzkr√§fte recht schematisch agieren und weitgehend stereotyp angelegt wurden. Demgegen√ľber aber nutzt der Autor den so gewonnen Raum um uns seine Gruppe um Hannah um so detailreicher und glaubw√ľrdiger vorzustellen. Jeder der mit Hannah f√ľnf Expeditionsteilnehmer wird gesondert eingef√ľhrt, gewinnt im Verlauf der Geschehnisse immer mehr Ecken und Kanten.

Das Tempo und die Dramatik sind hoch, √ľberzeugend verbinden sich im Thriller arch√§ologische Forschung mit einer packenden Abenteuerhandlung und zeigen, dass packende Thriller nicht unbedingt aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum kommen m√ľssen.

Thomas Thiemeyer: Valhalla.
Knaur, März 2014.
512 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Carsten Kuhr

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