Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere K├Âstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Claire Dyer: Als gestern noch morgen war
Jetzt bestellen bei amazon.de! Paddington Station in London. Es ist ein ganz normaler, hektischer Morgen f├╝r tausende Menschen. Nur f├╝r Fern und Elliott ist er anders. Sie begegnen sich zuf├Ąllig an besagtem Bahnhof und ihr Leben ger├Ąt dadurch durcheinander. Denn vor f├╝nfundzwanzig Jahren waren die beiden ein Liebespaar, hatten sich dann aber getrennt und jeder seinen eigenen Lebensweg eingeschlagen. Schnell wird klar, dass sie ├╝bereinander nicht komplett hinweg sind und das Treffen zumindest gedanklich Einiges angesto├čen hat. Fern bekommt Elliott nicht mehr aus dem Kopf und ist den ganzen Tag abgelenkt, Elliott seinerseits ist sich unsicher, ob er Fern vielleicht sogar nochmal sehen m├Âchte, zum Beispiel auf einen Kaffee ÔÇô und was k├Ânnte dann alles passieren?

Zeitlich betrachtet ÔÇ×Als gestern noch morgen warÔÇť nur einen sehr kleinen Rahmen, denn die Handlung des Romans umfasst gerade mal ein paar Stunden. In denen passiert aber vor allem in den beiden Hauptfiguren Einiges. Angesto├čen durch ihr Aufeinandertreffen erinnern sie sich beispielsweise an wichtige Stationen ihrer damaligen Beziehung. Ein im Bett verbrachter Tag, ein erstes Date, ein erster Kuss, der erste richtige Streit. All diese Erinnerungen werden ebenfalls r├╝ckblickend aufgegriffen, so dass ein klares Bild der Beziehung der beiden entsteht. Und schnell wird klar, dass sie ├Âfter an Kreuzungen standen und Entscheidungen f├Ąllen mussten. Wie w├Ąre ihr Leben verlaufen, wenn sie hier oder dort anders entschieden h├Ątten? Mit dieser Frage befasst sich Claire Dyer sehr zentral in ihrem Roman.

Dabei schreibt die Autorin hochwertig, teils aber auch langatmig. Es gelingt ihr gut, ihre beiden Protagonisten ins rechte Licht zu r├╝cken und darzustellen, in welch schwieriger Lage sie sich befinden. Denn es ist sp├╝rbar, dass sie einander gerne wiedersehen wollen und auch noch etwas f├╝reinander empfinden. Doch sie haben mittlerweile jeder ein eigenes Leben und Verantwortung f├╝r andere ├╝bernommen, die durch eventuelle Entscheidungen nun mitbeeinflusst werden w├╝rden. All diese ├ťberlegungen finden in einer tollen, ruhigen Grundatmosph├Ąre statt, so dass man gerne in diese Geschichte eintaucht. Es fehlt zwar das gewisse Etwas, um diesen Roman grandios zu machen, gut ist er aber allemal.

Nette Lekt├╝re f├╝r all jene, die gerne Liebesgeschichten lesen und einen poetischen Schreibstil dabei nicht scheuen.

Claire Dyer: Als gestern noch morgen war.
Droemer, August 2014.
336 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Janine Gimbel

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