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Wilhelm Raabe: Die Akten des Vogelsangs (1896)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Zeit seines Lebens wurde Wilhelm Raabe von den meisten seiner Mitmenschen als Unterhaltungsschriftsteller angesehen. Er selbst hat dagegen immer wieder vehement protestiert. Die „Akten des Vogelsangs“ sind sein Alterswerk und hier zeigt er nachhaltig, wie er mit Figuren und Sprache umzugehen vermag.

ErzĂ€hlt wird aus der Sicht des Karl Krumhardt, Oberregierungsrat Dr. jur., ehemals Leutnant der Reserve. Die alte Freundin Helene Trotzendorff schreibt ĂŒber den Tod des Freundes Velten Andres und Karl beschließt, ihr gemeinsames Leben niederzuschreiben. Schon als Junge war Velten der KĂŒnstlertyp, Karl der BĂŒrgerliche und Helene die UnabhĂ€ngige. Es ist Velten, um den es in dieser ErzĂ€hlung geht, um sein Ringen und Scheitern im Leben. Vaterlos und ohne Geschwister aufgewachsen, fehlt ihm das Vorbild, das ihn hĂ€tte lehren können, eine erfĂŒllende Beziehung zu fĂŒhren. Er bleibt zeit seines Lebens ohne echte soziale Kontakte. Zwar ist er Teil der idyllischen Nachbarschaft des Vogelsang, aber das kann ihm die vollstĂ€ndige Familie nicht ersetzen. Er verlĂ€sst die Heimat frĂŒh und kehrt nur noch sporadisch zurĂŒck. Parallel zu dieser Geschichte zerfĂ€llt der Vogelsang, wird dem Moloch Stadt eingemeindet und damit verĂ€ndert sich auch das Leben und Denken der dort Lebenden. Der Vogelsang und seine Menschen stehen exemplarisch fĂŒr den Umbruch, der im wilhelminischen Deutschland wĂ€hrend und nach der Industrialisierung stattfindet.

„Die Akten des Vogelsang“ ist ein sprachlich ausgefeiltes Buch, weit davon entfernt, nur Unterhaltung zu sein, auch wenn es stellenweise ausgesprochen witzig ist. Raabe spielt gekonnt mit der Zeit, in der der aufzeichnende Karl jetzt lebt und der Zeit, von der er fortschreitend und gleichzeitig auf seine Jetztzeit zuschreitend erzĂ€hlt. Dadurch entsteht quasi ein Dialog der Vergangenheit mit der Gegenwart. Dabei wird auch klar, dass der anscheinend perfekt lebende Karl selbst gar nicht zufrieden mit seinem beispielhaften Leben ist. Im Gegenteil, er beneidet Velten auch im RĂŒckblick so manches Mal um die Freiheit, die dieser sich jenseits der Konventionen herausnimmt.

Jede der Figuren spricht genau die Sprache, die ihrer Funktion im Roman entspricht, Karl schreibt z. B. sehr aktenmĂ€ĂŸig-nĂŒchtern, die Weltreisende Helene wirft schon als Kind englische AusdrĂŒcke in die Unterhaltung. Raabe bezieht in Sprache und Handlung deutlich Stellung, seine Kritik an der SpießbĂŒrgerlichkeit seiner Zeit ist fĂŒr uns heute kaum zu ĂŒberlesen. Herrlich zum Beispiel Karls Frau und ihre PrioritĂ€tensetzung im Angesicht des Todes des besten und Ă€ltesten Freundes ihres Mannes.

Ich schĂ€tze das Buch eben wegen dieser genauen Figurenzeichnung, die sicherlich ĂŒberspitzt, aber doch so wahr erscheint. Auch wenn das Umfeld sich deutlich gewandelt hat, gibt es sie doch noch: Den Beamten, den KĂŒnstler, die UnabhĂ€ngige, die SpießbĂŒrgerin.


Wilhelm Raabe: Die Akten des Vogelsangs (1896).
Reclam, 1986.
Taschenbuch, 5,60 Euro.

Regina Lindemann

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