Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Volker Kutscher: Märzgefallene
Jetzt bestellen bei amazon.de! Gereon Rath verbringt den Karneval 1933 in K√∂ln. Das scheint kein guter Gedanke gewesen zu sein. Der K√∂lsche Kl√ľngel geht ihm auf die Nerven, er trinkt zuviel, ver√§rgert seinen Vater und landet schlie√ülich mit einer Jeckin zwischen geleerten Weinflaschen. Da kommt es ihm ganz gelegen, dass er nach Berlin zur√ľckbeordert wird, da jeder Kopf f√ľr die Aufkl√§rung des Reichstagsbrandes ben√∂tigt wird.

Wieder zur√ľck in Berlin muss er feststellen, dass es dabei um alles andere als saubere Polizeiarbeit geht. Vielmehr geht es um eine reine Kommunistenhatz, alle verf√ľgbaren Kr√§fte werden der politischen Abteilung zugeteilt und das bekommt auch Gereons Verlobte Charlie zu sp√ľren. Auch wenn sie es endlich geschafft hat, in die Polizei aufgenommen zu werden, so ist sie doch nicht gl√ľcklich in ihrer Abteilung. Mal ganz davon abgesehen, dass sie sich langweilt, kann sie es auch kaum ertragen, wie Jugendliche behandelt werden, weil ihre politische Einstellung den neuen Machthabern nicht genehm sind. Aber noch hoffen alle, dass die bevorstehende Wahl die Wende bringen wird.

Eigentlich wollte Gereon nur einen alten Gefallen einl√∂sen, als er den ungekl√§rten Mord an einem obdachlosen Weltkriegsveteranen wieder aufgreift und einem Zeugen eine Aussage in den Mund legt, um ihn aus den Kellern der SA zu befreien. Aber dann taucht die eine Biografie aus dem Ersten Weltkrieg auf und der Autor behauptet, er werde vom selben M√∂rder bedroht, wie der Obdachlose, da sie sich in der gleichen Einheit befunden h√§tten. Die Biografie ist im Augenblick politisch sehr genehm, beschreibt sie doch die verwerflichen Handlungen eines j√ľdischen Offiziers, der seine Truppe brutal zu B√∂sem gezwungen hat.

Volker Kutscher gelingt es auch in dem f√ľnften Band um Gereon Rath, das aufziehende Grauen langsam einsickern zu lassen. Der Leser wei√ü, was folgte, aber die Protagonisten wissen es eben nicht und das ist eine der gro√üen St√§rken des Autors, das glaubhaft darzustellen. So werden verdiente Freunde und Kollegen aus dem Amt gedr√§ngt, aber alle glauben noch: "Das kann ja nicht mehr so lange dauern". Sehr sch√∂n beschrieben ist auch, wie der Erste Weltkrieg immer noch √ľber den K√∂pfen der Menschen h√§ngt und immer noch ein Teil ihres Lebens ist, auch wenn er bereits 15 Jahre vorbei ist.

Rath, der schon immer die Vorschriften gro√üz√ľgig ausgelegt hat, ermittelt inzwischen ganz am Rande der Legalit√§t, der vorgeschriebenen ebenso wie der langsam Usus werdenden. Man darf sehr gespannt sein, was w√§hrend des R√∂hmputsches aus dem Kollegen Gr√§f und seinem Nachbarn wird.

Volker Kutscher: Märzgefallene.
Kiepenheuer & Witsch, November 2014.
608 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Regina Lindemann

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