'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Jack London: König Alkohol (1913)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Es gibt unterschiedliche Thesen, wie eine Gesellschaft, insbesondere die MĂ€nnergesellschaft funktioniert. FĂŒr Jack London (1876 - 1916) ist der wahre Treibstoff einer Gesellschaft der Alkohol.
Zum ersten Mal lernte Jack London die Wirkung des Alkohols im Alter von fĂŒnf Jahren kennen, als er seinem Vater an einem Sommertag einen Eimer Bier bringen sollte. Hitze und Durst hatten ihn dazu verleitet, buchstĂ€blich ĂŒber den Durst zu trinken. Seine zweite Alkoholvergiftung hatte er mit neun Jahren nach einer Tanzveranstaltung, auf der jeder Junge seine MĂ€nnlichkeit unter Beweis stellen sollte. Über viele Jahre konnte er dem Geschmack von Alkohol nichts abgewinnen, jedoch sah er im gesellschaftlichen Trinken auch Vorteile. VierzehnjĂ€hrig verdiente er in der Konservenfabrik 10 Cent in der Stunde und arbeitete 10 Stunden am Tag, 30 Tage im Monat. Ein gut beheizter Saloon war fĂŒr ihn und viele andere der ideale Treffpunkt fĂŒr Geselligkeit und Informationsaustausch.
„... Ich trank, weil die MĂ€nner, mit denen ich zusammen war, tranken und weil ich mir dem Wesen nach nicht erlauben konnte, weniger mĂ€nnlich zu sein als die anderen MĂ€nner, wenn sie ihrem liebsten Zeitvertreib nachgingen.“ (S. 118)
Wer dazugehören wollte, nahm Einladungen an und sprach ebenfalls Einladungen zu einem Drink aus. Und wer in einer grĂ¶ĂŸeren Gruppe stand, in der reihum eine Runde ausgegeben wurde, fand irgendwann mehr oder weniger schnell seine Grenzen. Im Laufe der Jahre trank Jack London reichlich. Sehr deutlich beschreibt er seine persönliche Karriere als Alkoholiker, in der nicht nur humorvolle Anekdoten seine Krankheitsgeschichte aufzeigen.
„... Ich lernte, was es bedeutet, keinen Appetit mehr zu haben. Ich erfuhr, was es bedeutet, morgens zitternd aufzustehen, mit schauderndem Magen und lahmen Fingern. Ich lernte die Not des SĂ€ufers kennen, der einen steifen Whisky braucht, um wieder auf die Beine zu kommen.“ (S. 95)
Im Alter von etwa 37 Jahren zeigte ihm sein Körper Grenzen, die ihm auch psychisch zusetzten. Themen wie „Depression“ und „Weiße Logik“, die seinen Denkprozess beeinflussten, runden Jack Londons ehrlich wirkenden Bericht ab. Kurz vor seinem Tod stimmte der eingefleischte Macho fĂŒr das Frauenwahlrecht. Den Frauen traute er mehr Erfolg im Kampf gegen den Alkohol zu als den MĂ€nnern oder der Prohibition.
Jack London hatte sich mit seinem öffentlichen Bekenntnis keine Freunde gemacht. Alkoholismus galt damals noch nicht als Krankheit, und ĂŒber den Durst zu trinken, war so normal wie Atmen oder Arbeiten.
Ein bekennender SĂŒchtiger war nicht gesellschaftsfĂ€hig. Und heute kann man in jeder Gesellschaftsschicht die unterschiedlichsten Formen von AbhĂ€ngigkeiten wahrnehmen. Jack Londons romanhafter Bericht ist unter dem Gesichtspunkt „Suchtverhalten“ noch immer aktuell. DarĂŒber hinaus erlaubt die LektĂŒre viele RĂŒckschlĂŒsse auf das private Leben des Schriftstellers. Wer dem Lockruf des Goldes folgte und sich dem Menschen Jack London annĂ€hern möchte, wird mit Hintergrundinformationen und geschichtlichem Zeitkolorit belohnt.

Jack London: König Alkohol (1913).
dtv, Juli 2014.
288 Seiten, Taschenbuch, 9,90 Euro.

Sabine Bovenkerk-Müller

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