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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Richard Morgan: Skorpion
Jetzt bestellen bei amazon.de! Der Plot des aktuellen Romans aus Morgan┬┤scher Versschmiede pr├Ąsentiert sich zu Beginn des Buches ein wenig verwirrend. In drei alternierend erz├Ąhlten Handlungsstr├Ąngen, die zun├Ąchst wenig, ja nichts direkt miteinander zu tun haben, berichtet Morgan uns von einem Ermittlerpaar in Diensten eines multinationalen Gro├čkonzerns, von zwei Wirtschaftsfl├╝chtlingen, die sich dem verhei├čenen Messias anschlie├čen, und von einem genmanipulierten Kopfgeldj├Ąger.

Die Erde der nahen Zukunft hat sich technisch rasant fortentwickelt. Nanotechnologie hat die Kolonisation des Mars erm├Âglicht, Gentechnologie f├╝r die Erschaffung neuer, verbesserter Menschen gesorgt und die Virtual Reality ist aus dem Alltagsleben der Menschen nicht mehr wegzudenken. Nur die innere Entwicklung hat mit dem rasanten Fortschritten nicht mithalten k├Ânnen. So kommen aus den streng geheimen Labors Sexsklaven beiderlei Geschlechts und mit der 13er-Reihe wurden hochtrainierte Einzelk├Ąmpfer, deren Instinkte und Veranlagungen im Verlauf der Evolution durch die ├╝berhand nehmenden weiblichen Einfl├╝sse und die Bauern ausgemerzt wurden, wieder auf die Menschheit losgelassen.

Der Hunger ist besiegt, die Religionskonflikte sind beigelegt, doch die politische Situation nach wie vor explosiv. W├Ąhrend sich China immer mehr vor den ├╝brigen Staaten abkapselt. ist Amerika in zwei einander misstrauisch be├Ąugende Lager auseinandergefallen. Die verarmten Konf├Âderierten S├╝dstaaten haben sich zu einen streng gl├Ąubigen Puritanerstaat, ┬╗Jesusland┬ź gewandelt, im reichen Osten sucht jeder das kurzlebige Gl├╝ck in ausschweifenden Sex- und Drogenorgien oder in der vehement, ohne R├╝cksicht auf Andere vorangetriebenen Karriere.

Carl Masalis ist von der UN lizenzierter Kopfgeldj├Ąger. Im Auftrag der Organisation verfolgt und fasst er fl├╝chtige 13er, die sich mit ihrer Einkerkerung in Reservaten nicht abfinden wollen. Selbst einer der Verdrehten, wie man die 13er furchtsam nennt, ist der schwarzh├Ąutige Agent das Alpha-M├Ąnnchen schlechthin. Als einer der auf dem Mars verbannten 13er entkommt, und auf der Erde eine blutige Spur aus Leichen hinterl├Ąsst, weiss der allm├Ąchtige COLIN-Konzern, dass er den T├Ąter nicht ohne Unterst├╝tzung fassen kann. Nur der Intervention Sevgi Ertekin, einer fr├╝heren Polizistin, die sich jetzt f├╝r den Konzern um das Aufr├Ąumen publicityrelevanter Baustellen k├╝mmert und ihres Partners hat er es zu verdanken, dass er nach Monaten, die er ohne Anklage in einem Gef├Ąngnis in Jesusland verbringt, frei kommt. Der Deal - f├╝r seine Befreiung soll er den fl├╝chtigen 13er aufsp├╝ren und ausschalten.

Die Spur f├╝hrt die J├Ąger, wie kann es anders sein, ├╝ber die ganze Welt. Stecken die s├╝damerikanischen Familias hinter dem Serienkiller, die Chinesen oder sitzt der Strippenzieher vielleicht gar in einer der respektablen internationalen Beh├Ârden? Nur zu bald wird deutlich, dass es um mehr, um viel mehr geht, als darum einen fl├╝chtigen Menschenfresser und M├Ârder zu stellen, es geht um den Kampf der Spezies ...

Richard Morgan ist einer der interessantesten Autoren unserer Zeit. Mit seinen realit├Ątsnahen B├╝chern ├╝ber eine Zukunft, wie sie so durchaus vorstellbar ist, verbindet er seine Zukunftsvisionen mit einer jederzeit actiongeladenen Handlung und vielschichtigen Personen.

Neben seinen ┬╗Takeshi Kovacs┬ź-Romanen streut er auch immer wieder Einzelromane ein. Vorliegender umfangreicher Band beginnt ein wenig wie eine Mischung aus ┬╗Blade Runner┬ź und einem Kovac Titel.

Wie ├╝blich geht es vordergr├╝ndig um eine spannend aufbereitete Thriller-Handlung. Die Jagd nach dem Serienkiller, die Suche nach den Hintergr├╝nden der Verbrechen nutzt der Autor aber auch geschickt und unauff├Ąllig, nichtsdestotrotz in seiner Aussage deutlich dazu gegen Intoleranz, religi├Âs begr├╝ndeten Fundamentalismus, die Gefahren der Gentechnologie zu warnen. Auch die Unzuverl├Ąssigkeit von Institutionen und deren vordergr├╝ndig ach so hilfsbereiten und verantwortungsbewussten Managern und Politikern bekommen ihr Fett ab. Mit scharfem Blick f├╝r die oft verleugnete Wirklichkeit nimmt er hierbei die F├╝hrungsnation USA ins Visier, pr├Ąsentiert dem Leser nicht nur einen Schwarzen - welch seltener Anblick in der SF - als Protagonisten, sondern auch ein fundamentalistisches Staatengebilde, das sich aus dem selbsternannten Land der Toleranz und Demokratie entwickelt hat. Von sozialem Frieden, von Gleichberechtigung und Chancengleichheit ist hier nichts mehr zu sp├╝ren. Das erinnert in seiner Auspr├Ągung an fundamentalistisch-radikale Anl├Ąufe der Hisbollah und ihrer Vordenker, h├Ąlt den aufgekl├Ąrten USA einen in seiner Ausarbeitung sehr kritischen Spiegel vor Augen. Dabei ist Marsalis ein K├Ąmpfer aus dem Bilderbuch. Ohne Gewissensbisse, ja ohne gro├č dar├╝ber nachzudenken, ├╝bt er Gewalt aus, t├Âtet er mitleidlos, ein sexistischer, dominanter Einzelg├Ąnger per excellence.

Kann man mit solch einem Protagonisten warm werden?

Morgan gelingt es zun├Ąchst einmal, dessen Anderssein aufgrund der genetisch Variation zu begr├╝nden und nachvollziehbar zu machen. Marsalis ist ein interessanter Charakter, eben weil er anders ist, als die gewohnten Helden, weil er in seiner Ausgestaltung ├╝berzeugend agiert und weil er sich im Verlauf der Handlung fortentwickelt.

Und mal ganz ehrlich, bei all der ├╝berzeugenden politischen Ausgestaltung seiner Welt h├Ąlt der Autor seinen Leser in erster Linie mit der spannenden Schilderung der K├Ąmpfe bei der Stange. Verfolgungsjagden, Hinterhalte, Explosionen, Gehirnmasse, die durch Baseballschl├Ąger aus ihrer H├╝lle befreit wird, Augen die ausgedr├╝ckt werden, das Repertoire erinnert an h├Ąrteste Action-Thriller.
Das ist klischeebehaftet, das ist deftig, ja brutal in seiner Ausarbeitung aber eben auch fesselnd.

Nach dem etwas verwirrenden Beginn konzentriert sich das Augenmerk dann auf die so ungleichen Ermittler, der Plot schreitet rasant voran, wobei die Nachforschungen in der Mitte scheinbar im Sande verlaufen, und das Tempo hier merklich zur├╝ckgenommen wird, bevor es zum Finale hin noch einmal deutlich anzieht.
Insgesamt ein erschreckend vorstellbares Bild einer Zukunft, wie sie so oder so ├Ąhnlich sein k├Ânnte verpackt in einer fesselnden Handlung voller Action und Gewalt.

Richard Morgan: Skorpion.
Heyne Verlag, November 2007.
827 Seiten, Taschenbuch 9,95 Euro.

Carsten Kuhr

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