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Wo ist die Grenze zwischen Pornografie und Erotik? Die 30 scharfen Geschichten in diesem Buch wandeln auf dem schmalen Grat.
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Alison Croggon: Die Gabe
Jetzt bestellen bei amazon.de! Jahrzehnte ist es her, da wurde die Barden-Festung von Pellinor ├╝berfallen und geschleift. Die Zirkelmitglieder wurden von Untoten und Werw├Âlfen get├Âtet, nur eine Bardin und ihre Tochter ├╝berlebten das Gemetzel. In einer dunklen Feste wurden sie eingekerkert und versklavt.

Nach dem fr├╝hen Tod der Mutter ist Maerads Leben von Leid und Grausamkeit gepr├Ągt. Nur ihrer Gabe gut mit Tieren umgehen zu k├Ânnen und ihrem Ruf, allen die ihr weh tun, B├Âses anhexen zu k├Ânnen verhindert das Schlimmste. W├Ąhrend andere Sklavinnen nach ihrem Tageswerk m├╝de ins Bett sinken, allenfalls noch kurz und brutal missbraucht werden, darf Maerad die Nacht ├╝ber die versoffene Gesellschaft ihres F├╝rsten mit Ihrer Laute und Liedern unterhalten. Verfolgt, ausgegrenzt und gedem├╝tigt ist sie am Ende ihrer Kr├Ąfte, als sie einem Mann im Kuhstall begegnet, den au├čer ihr anscheinend niemand zu sehen vermag. Cadvan, einem der ber├╝hmtesten Barden der sieben K├Ânigreiche, ist es gelungen, aus den Kerkern der Diener des Namenlosen zu fliehen. In Maerad glaubt er die Verhei├čene gefunden zu haben, nicht nur die Erbin Pellinors, sondern auch die einzige Kraft, die es mit dem wiedererstarkten Namenlosen aufnehmen kann. Doch zun├Ąchst hei├čt es, die Sklavin zu befreien und ihre magischen Barden-Kr├Ąfte zu wecken und auszubilden. Auf ihrem Weg zu den Lehranstalten der langlebigen Barden werden sie von Werwesen, Untoten und Grabunholden verfolgt, sto├čen auf Verb├╝ndete und Geheimnisse ebenso wie auf erbarmungslose Gegner und Verrat. Entsetzt m├╝ssen sie erkennen, dass selbst einige der hehren Barden vom Namenlosen korrumpiert wurden, und als schwarze Barden ihre ├ťberlieferung, den Menschen zu dienen, abgeschworen haben. Ihr Weg f├╝hrt sie ├╝ber dunkle W├Ąlder in vergessene Reiche, sie begegnen Elementaren ebenso wie verlorenen V├Âlkern und treffen auf einen weiteren ├ťberlebenden aus Pellinor ...

Tolkienesque Fantasy-Epen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Jeder Verlag sucht mit seinen Werken die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen, entsprechend lesen sich die Verlagsanpreisungen ├╝berschw├Ąnglich und rei├čerisch. Kaum mit der Lekt├╝re begonnen aber, trennt sich die Spreu nur zu bald vom Weizen. Nur wenige der so ├╝berschw├Ąnglich gelobten Trilogien k├Ânnen den Anspr├╝chen, etwas wirklich Eigenst├Ąndiges, etwas auf irgend eine Weise Herausragendes zu pr├Ąsentieren, gerecht werden.

Alison Croggons Auftaktband ist ein solch rares Juwel. Die Grundidee ist dabei nicht eben neu - vor Jahrhunderten wurde das B├Âse, ein gefallener Zauberer, hier Barde genannt unter grossen Verlusten bezwungen. Nach Generationen, in denen die Menschen in Frieden und Wohlstand leben konnten, hat sich die Situation nun zum Schlechteren gewandt. Die in Aussicht gestellte Macht, ja das vom B├Âsen verheissene ewige Leben korrumpiert die Reihen der W├Ąchter, das ultimativ B├Âse regt sich erneut, und nur eine geweissagte Retterin, die sich weder ihrer Rolle noch ihren unentwickelten Kr├Ąfte bewusst ist, kann das Verh├Ąngnis aufhalten.

Das kennen wir aus unz├Ąhligen Romanen, das liest sich in aller Regel nett, aber eben auch mit einem hohen Wiedererkennungswert.

Was Coggons Auftaktband, der f├╝r zwei Aurealis-Awards nominiert wurde, aus der Masse der entsprechenden Werke hervorhebt, das ist die Ausgestaltung ihrer Welt. In liebevollen Details und einem sehr bewusst und feinsinnig eingesetzten Stil berichtet uns die Autorin in der sehr gelungenen ├ťbersetzung von Michael Krug von ihrem Weltengef├╝ge. Der dem Buch beigegebene Anhang zeigt auf, wie viel Planung und Hintergrund in die Sch├Âpfung ihrer Welt eingeflossen ist.

Dazu kommt, dass die Lyrikerin und Verfasserin von Opernlibretti es versteht, uns ihre Welt begreifbar und anschaulich zu machen. Sei es, dass sie uns von den Problemen ihrer Protagonistin berichtet, die diese hat, als sie als Junge verkleidet im Stehen ihr Gesch├Ąft verrichten will, oder die monatlich wiederkehrenden Blutungen sie auf der Queste plagen, sei es, dass sie uns ├╝berzeugend erl├Ąutert, welche Pflanzen zum Heilen, oder f├╝r die K├╝che dienlich sind, das wirkt realit├Ątsnah.
Die Darstellung der Natur in all ihrer Vielf├Ąltigkeit und Pracht, aber auch deren unangenehmen Seiten ist eines der Pfunde mit den Croggon wuchert. In fast schon lyrisch zu nennender Ausgestaltung beschreibt sie W├Ąlder und Auen, S├╝mpfe und Gebirge und schafft auf diese Weise eine sehr intensiv empfundene Atmosph├Ąre die den Leser in ihre Welt zieht. Dazu gesellten sich interessant gezeichnete Personen, die an sich und ihrer Mission zweifeln, die sich weiterentwickeln und nachvollziehbare Gef├╝hle offenbaren. Es geht um Verrat und Vertrauen, Liebe und Angst, Neid und Freundschaft und nicht zuletzt um Verlust und Trauer ÔÇô tiefe Gef├╝hle in einer Welt, in der Gef├╝hle einen hohen Stellenwert einnehmen.

Bei all der gebotenen Dramatik aber bleibt das Werk in seiner Ausgestaltung wohltuend unspektakul├Ąr. Gro├če Schlachtengem├Ąlde, ausufernde Beschreibungen von blutigen K├Ąmpfen sucht man gl├╝cklicherweise vergebens. Coggon pflegt die leisen, manches Mal melancholischen, aber immer erstaunlich neugierigen T├Âne, nimmt uns mit und durch ihre detailreiche Welt und ihre sympathischen Personen gefangen und macht neugierig darauf, wie es weitergehen wird.

Alison Croggon: Die Gabe.
Bastei-L├╝bbe, Dezember 2007.
491 Seiten, Taschenbuch, 12,95 Euro.

Carsten Kuhr

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