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Ildefonso Falcones: Die Kathedrale des Meeres
Jetzt bestellen bei amazon.de! Spanien 1320: Bernat Estanyol ist ein einfacher Bauer, dem die Frau und das neugeborene Kind von seinem Grundherren weggenommen werden, damit die Frau als Amme für den adeligen Sohn dienen kann. Bei einem Besuch findet Bernat heraus, dass es nicht genug Milch für beide Kinder gibt und sein Sohn bereits zum Sterben in einer Ecke abgelegt wurde. Er flieht mit dem kleinen Arnau und hofft, in der freien Stadt Barcelona nach einem Jahr und einem Tag ein freier Mann zu sein. Er verdingt sich im Haus seines Schwagers und wird von diesem benutzt und betrogen. Nach vielen Jahren vergeblichen Ringens und Hoffens kommt er während eines Aufstandes ums Leben und Arnau bleibt auf sich alleingestellt zurück. Mit Mut und starkem Willen arbeitet er sich hoch, doch sein Leben bleibt ein Auf und Ab, während direkt neben ihm die große Kathedrale Santa Maria del Mar in den Himmel wächst.

Zwischen den Seiten dieses Romans knistert an jeder Stelle die Liebe des Autors zu seinen Figuren. Das ist es, was diesen Roman so stark macht, obwohl oder gerade weil er zweifellos Schwächen aufweist. Falcones setzt gerne kurze Rückblenden von wenigen Sätzen so ein, dass der Leser nicht immer wissen kann, wo und wann er sich gerade befindet. Die verwendeten Bilder und Vergleiche sind nicht immer mittelalterlich, etwa ist an einer Stelle von streichholzdünnen Gliedern die Rede. Und an mancher Stelle fragt man sich: Kann das so gewesen sein, kann ein kleiner spanischer Steinträger, was auch immer er geleistet haben mag, wirklich die Schwester eines Königs zur Frau bekommen? Und muss es wirklich sein, dass Arnau sich ununterbrochen als multikulturell aufgeschlossen erweist?

All das trübt aber das Lesevergnügen des Romans nicht nachhaltig, es hindert den Leser nicht daran, mit Arnau mitzubangen und mitzufiebern. Arnaus Charakter mag vielleicht eine Spur zu gutmütig angelegt sein, zu sicher in seiner Gutheit, aber er bleibt innerhalb der Sphäre dieses Romans immer ein glaubhafter Protagonist. Der Leser erfährt vieles über die Königsgeschichte Spaniens, die Standfestigkeit der Almogavaren (spanische Krieger mit einem harten Ehrenkodex), und den Stolz der Einwohner von Barcelona auf ihre freie Stadt. Spannend fand ich auch die Ausflüge in die mittelalterliche spanische Rechtsgeschichte mit ihren drastischen, frauenfeindlichen Gesetzen.

Alles in allem ein gut zu lesender, spannender Roman über das Spanien des 14. Jahrhunderts.


Ildefonso Falcones: Die Kathedrale des Meeres.
Scherz-Verlag, Dezember 2007.
652 Seiten, Hardcover, 19,90 Euro.

Regina Lindemann

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