Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Pedro Calder├│n de la Barca: Dame Kobold (1629)
Jetzt bestellen bei amazon.de! De la Barca, dieser Mann mit dem klangvollen Namen ist ein Gro├čer des spanischen Theaters im 17. Jahrhundert. Sehr jung bereits ausgezeichnet f├╝r sein literarisches Talent, ist er mit den mehr als 200 St├╝cken unterschiedlicher Couleur nicht nur produktiv, sondern auch noch so erfolgreich, dass er 1635 zum Dramatiker des spanischen Hofes ernannt wird.

Ein Lustspiel in drei Aufz├╝gen, so steht es hinzuf├╝gend auf dem Einband des Mantel- und Degenst├╝ckes Dame Kobold.

Lustspiel - ein lustiges Theaterst├╝ck, gleichbedeutend verwendet mit dem Begriff Kom├Âdie - da erwartet mein Shakespeare-verw├Âhntes Auge ein ganz besonderes Bonbon; R├Ąnkespiele und Verwechslungen und eine Menge Wortwitz. Doch de la Barca ist kein Shakespeare, wahrlich nicht, und die Komik entfaltet sich eher...na, ich sage mal... ein wenig unfreiwillig (aber dieser Eindruck mag aus der Tatsache heraus entstehen, dass manch ein Text, der f├╝r eine B├╝hne geschrieben ist, auch nur genau dort wirkt).

Don Manuel, der mit seinem Diener Cosme nach Madrid gekommen ist, um den K├Ânig aufzusuchen, wird auf der Stra├če von einer verh├╝llten Dame gebeten, ihr zur Hilfe zu eilen und ihren Verfolger, einen Edelmann, der nicht erfahren darf, wer sich hinter dem Schleier verbirgt, aufzuhalten. Da Manuel ein Kavalier ist, kommt er ihrer Bitte nach, nicht wissend, dass er gerade Don Luis, den j├╝ngeren Bruder seines Freundes Don Juan, bei dem er n├Ąchtigen wird, zum Duell fordert. Nach ein bisschen Degengeklirre vor der Haust├╝re des Freundes, bei dem Manuel leicht verletzt wird, kommt Juan hervor und bittet Manuel hinein. Luis' und Juans verwitwete Schwester Angela - eben die verh├╝llte Dame von vorhin -, die fast wie eine Gefangene, von ihren beiden Br├╝dern von der Au├čenwelt abgeschottet, ebenfalls in diesem Haus lebt, macht sich Vorw├╝rfe, als sie von Manuels Verletzung h├Ârt, denn sie empfindet sich auf Grund ihrer Bitte an ihn mitschuldig daran. Ein Gl├╝ck aber auch und der Anfang aller Verwirrungen, die nun folgen, dass Manuel genau in dieses Zimmer einquartiert wird, das nur durch einen Glasschrank, hinter dem sich eine Geheimt├╝re befindet, von Do├▒a Angelas Zimmer getrennt ist. H├Ątten Luis und Juan gewusst, dass Angela um diese Geheimt├╝re wei├č, sie sogar einen Schl├╝ssel daf├╝r besitzt und diesen bereits seit einiger Zeit nutzt, um ihren, um der Schwester Ehre besorgten Br├╝dern hin und wieder zu entfliehen und mal frische Luft zu schnuppern, h├Ątten sie ihm sicherlich ein anderes Zimmer gegeben. Angela nimmt nun - durch Schrank und mit Hilfe ihrer Verb├╝ndeten, der Zofe Isabel und der Kusine Claudia (in die ├╝brigens wiederum beide Br├╝der verschossen sind) - brieflichen Kontakt zu Manuel auf. Es entwickelt sich eine Art seltsame ÔÇ×BrieffreundschaftÔÇť zwischen den Beiden, bei der Angela inkognito bleibt. W├Ąhrend Manuel versucht, das Geheimnis zu ergr├╝nden, wie die Briefe in sein verschlossenes Zimmer kommen, ist sich Diener Cosme sicher, dass all das nicht mit rechten Dingen zugehen k├Ânne und dass ein Kobold da seine Scherze treiben m├╝sse. Zum guten Schluss- Angela hat sich inzwischen ganz arg in Manuel verliebt- arrangiert sie ein Stelldichein. Nat├╝rlich wieder mit Hilfe ihrer Verb├╝ndeten und des Glasschankes und im Hause der Br├╝der, doch die Br├╝der sind ja auch noch da, wodurch es zu einem wilden ÔÇ×Hin und HerÔÇť durch den Wandschrank, einem ÔÇ×GespringeÔÇť von Zimmer zu Zimmer kommt, dass dann schlussendlich nat├╝rlich nicht aufrecht zu erhalten ist. Doch- wie sollte es auch anders sein- die Aufl├Âsung ist dann doch weniger problematisch als von Angela bef├╝rchtet. Angela kriegt ihren Manuel und Base Claudia nimmt ihren Juan. Der einzig Konfliktbeladene ist Luis, denn er geht leer aus, doch das ist dann auch nicht mehr so schlimm, denn der ist bereits von der B├╝hne gegangen.

So ist das Ziel des St├╝ckes klar. Es geht nicht um Konflikte, denn der arme Tropf Luis, der Verschm├Ąhte, der Einzige, der dem Spiel wirklich Tiefe g├Ąbe, ist schon weg. Auch um Einsicht geht es nicht, die vielleicht ein Narr den anderen Figuren dadurch erm├Âglichte, dass er ihnen den Spiegel vor ihr Antlitz hielte, denn Cosme - auf Grund seines Diener-Status geradezu pr├Ądestiniert, diese Funktion zu ├╝bernehmen - ist eher ein abergl├Ąubischer, opportunistischer Einfaltspinsel, der seinem Herrn Manuel ÔÇ×in Narren-Manier gef├ĄhrlichÔÇť nicht werden kann.

Die Figuren wandern auf und ab, zum Ende immer mehr und immer schneller - ein gro├čes Tohuwabohu. Die Maskerade spitzt sich zu, das St├╝ck gewinnt immens an Tempo. Auch ein heutiger Leser mag nun ein paar wirklich komische Elemente darin finden, nachdem die Komik vorher wohl eher ungewollt durch gestelzte, stereotype, sprachlich eher unsch├Ân wirkende, weil simple Dialoge daherkam.

Aber, das alles - keinerlei Werturteil!

In diesem St├╝ck, diesem Lustspiel, geht es vor allem um eines - um die Lust am Spiel, die Lust am Spielen.

Vor dem Hintergrund dieser Tradition hat es seinen Platz unter den gro├čen Werken redlichst verdient. Das Problem jedoch...naja, eine Freude am Spiel sieht man eben vor allem im Spiel, am Spiel selbst. Vielleicht sollte man in diesem Falle daher darauf verzichten, das Spiel zu lesen und es stattdessen lieber auf einer B├╝hne mit Freude gespielt sehen.

Pedro Calder├│n de la Barca: Dame Kobold (1629).
Reclam 1986.
76 Seiten, Taschenbuch, 2, 60 Euro.

Tanja Muhs

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