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Angela Marquardt: Vater, Mutter, Stasi: Mein Leben im Netz des Überwachungsstaates
Jetzt bestellen bei amazon.de! Angela Marquart – heute erfolgreiche Politikerin – war 15 Jahre alt, als sie eine Bekenntniserklärung zur IM unterschrieb. Als die Mauer fiel, hatte die Stasi ihr Leben für die nächsten Jahre bereits verplant. Trotzdem sagte sie noch zu Beginn unseres Jahrhunderts, sie habe nie bewusst für die Stasi gearbeitet. Nach diesem Buch glaubt man es ihr ohne Vorbehalte. Denn das Buch erzählt die Geschichte eines Mädchens, dass von den Eltern bewusst politisch unaufgeklärt bzw. – was noch schlimmer ist – teilaufgeklärt gehalten wurde. Sie hatte niemals Begegnungen mit ominösen Männern in grau, die sie zu irgendetwas überreden wollten. Sie hatte nur nette Freunde ihrer Eltern, die sich gelegentlich mit ihr über dies und das unterhielten, Interesse an ihrem Leben zeigten und sich für ihre Freunde und Bekannten begeistern konnten. Und gerade das war das perfide daran. Denn erst als Angela Marquardt 2002 beginnt, Einblick in ihre Stasi-Akte zu nehmen, begreift sie langsam, dass sie benutzt worden ist. Was sie für Freundlichkeit hielt, war ein festgeschriebenes Szenario, das dazu diente, das Vertrauen der potenziellen Informantin zu gewinnen. Und ihre Eltern, die Menschen, denen sie vertraute und glaubte, haben das nicht nur gewusst, sie haben es sogar befördert.
Das tut richtig weh.
Was man für normalen Umgang hielt, diente einem Zweck. Ein freundlicher Ratschlag war ein bewusstes Schubsen in die richtige Richtung. Und man merkt es nicht. Man denkt sich über Jahre hinweg nichts dabei.
Und dann muss man lesen, dass das eigene Leben nur einem Zweck dienen sollte, hinter dem man selbst nicht steht und auch nie gestanden hätte, wenn man darüber nachgedacht hätte.
Jetzt hat sie sich alle diese Erfahrungen vom Leib geschrieben und das hat sie sehr glaubhaft und sehr nachvollziehbar und vor allem sehr lesbar getan. Dieser ehrliche Bericht kann uns viel darüber beibringen, wie solche Systeme funktionieren. Und er bringt hoffentlich ein Verständnis dafür an, warum sie funktionieren. Eben weil es diesen Druck, diese Angst, diese Unterdrückung, die man gemeinhin mit dem DDR-Stasi-System verbindet, gar nicht immer gegeben hat. Es waren eben nur Gespräche unter Freunden. Es ist wohl relativ einfach, sich zumindest innerlich klar zu positionieren, wenn Druck von außen einwirkt. Aber was, wenn gar keine Position verlangt wird? Wenn man nichts weiß, weil man als Jugendliche von den Eltern dumm gehalten wird, weil die Schule nicht aufklärt und weil die, die es könnten, es nicht tun, weil man ja Stasi-Eltern hat? Sie hatte zu DDR-Zeiten keine Chance, es besser zu machen. Ihr Schicksal ist zwar in diesem Bericht natürlich ein Einzelschicksal, aber sicher nicht das einzige auf der Welt. Das macht das Buch so wichtig für das Verstehen von Zusammenhängen.
Sie fragt sich heute, was aus ihr geworden wäre, wenn die Mauer nicht rechtzeitig gefallen wäre. Ich denke, irgendwann hätte sie irgendwie begriffen, was so da wofür macht. Und dann hätte sie sich selbst gehasst und keine Möglichkeit gehabt, aus dem System auszusteigen. Heute bleibt ihr zumindest, das verlorene System zu hassen.

Angela Marquardt: Vater, Mutter, Stasi: Mein Leben im Netz des Überwachungsstaates.
Kiepenheuer & Witsch, März 2015.
352 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Regina Lindemann

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