Der Cousin im Souterrain
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Der nach "Dingerchen und andere bittere Köstlichkeiten" zweite Streich der Dortmunder Autorinnengruppe "Undpunkt".
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Alessandro Baricco: Diese Geschichte
Jetzt bestellen bei amazon.de! Alessandro Baricco, geboren 1958, ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Italiens. Einige seiner B√ľcher sind auch auf deutsch erschienen, so sein neuestes Werk mit dem etwas spr√∂den Titel ‚ÄěDiese Geschichte" (im Original "Questa Storia", 2005).

Die Hauptfigur hei√üt Ultimo und h√§ngt zeitlebens einem einzigen gro√üen Traum nach: eine ideale Rennstrecke zu bauen. Das Autothema wird bereits im ersten Kapitel mit einem R√ľckblick auf das legend√§re und sp√§ter wegen der vielen Todesopfer abgebrochene Rennen Paris-Madrid von 1903 eingef√ľhrt und setzt sich mit einem Bauern - Ultimos Vater - fort, der seine 26 Rinder verkauft, um statt dessen eine Autowerkstatt zu er√∂ffnen - und das in einer Zeit, als es noch kaum Autos gab. Dennoch ist "Diese Geschichte" kein reines M√§nnerbuch. Daf√ľr sorgt eine beinahe m√§rchenhaft-romantische Liebesgeschichte, die sich ebenso tragisch wie dauerhaft √ľber beinahe das ganze Leben der Liebenden erstreckt. F√ľr den Schluss Taschent√ľcher bereitlegen!

Obwohl meine Bewertung dieses in einer geradezu poetischen Sprache verfassten Buches insgesamt positiv ausf√§llt, gibt es einige unsch√∂ne Br√ľche. Durch Bariccos Technik, jedes Kapitel aus einer anderen Perspektive zu erz√§hlen, wirkt der Roman insgesamt nicht wie ein geschlossenes Ganzes. G√§nzlich √ľberfl√ľssig f√ľr den Fortgang sowohl des Autorennthemas wie der Liebesgeschichte erscheint ein Kapitel √ľber die Sch√ľtzengr√§ben im ersten Weltkrieg und die historische Schlacht von Caporetto. Durch eine distanziert-verquere Erz√§hlhaltung (das Kapitel ist aus der Sicht eines Mannes geschrieben, der nach dem Krieg die Ehre seines damals fahnenfl√ľchtigen Sohnes wiederherstellen will) tritt Ultimo in den Hintergrund. Der Leser ist hier viel zu weit von den Figuren entfernt, um tats√§chlich mitzuleiden. Wenig gelungen ist auch ein weiteres Kapitel, das aus der Sicht von Ultimos schwachsinnigem Halbbruder geschrieben ist. Eine st√§ndige Wiederholung der S√§tze mag gut den Geistezustand dieses Bruders wiedergeben, f√ľr den Leser ist das lediglich nervig. Fast m√∂chte man Allessandro Baricco zurufen, doch bittebitte diesen ganzen literarischen Firlefanz wegzulassen. Die Geschichte, die er zu erz√§hlen hat, ist stark genug, auch ohne dies zu √ľberzeugen.

F√ľr manche vorherigen H√§nger entsch√§digen die beiden an Drama und Intensit√§t kaum zu √ľberbietenden Schlusskapitel, in denen Baricco allerdings auf einem schmalen Grat zum Kitsch wandelt.

Insgesamt trotz einiger Schwächen ein gelungenes Werk.



Alessandro Baricco: Diese Geschichte.
Hanser, Februar 2008.
312 Seiten, Hardcover, 19,90 Euro.

Andreas SchrŲter

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