Wellensang
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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Sergej Lukianenko: Die Wächter 01: Licht und Dunkelheit
Jetzt bestellen bei amazon.de! Die Tag- und Nachtwachen von Moskau haben turbulente Zeiten hinter sich. Die Vernichtung der Welt wurde aufgehalten, die Geschichte schien erzählt.

Was aber macht man als Bestsellerautor, wenn die Rechnungen in den Briefkasten flattern und die Bittbriefe der Fans √ľberhand nehmen?

Klar, man wendet sich erneut dem bekannten Setting zu, und verfasst eine Fortsetzung.

Um bei sich selbst aber nicht zu sehr abzukupfern, nahm Lukianenko zum Einen einen Co-Autor, den uns der Verlag aber lediglich etwas verschämt nur im Impressum präsentiert, mit ins Boot und wechselt zweitens die Zielgruppe.

Die Autoren peilen vorliegend ein deutlich j√ľngeres Publikum an, und was braucht man so f√ľr einen Jugendbuch-Bestseller?

Das Internat darf dabei ebenso wenig fehlen, wie die aufm√ľpfigen Sch√ľler ‚Äď Check, die aufopfernde Lehrkraft und eine dunkle Verschw√∂rung kommt auch gut.

Zu Beginn lernen wir einen Lichten Lehrer kennen, der auf das neu gegr√ľndete Internat berufen wird. Hier sollen Lichte und Dunkle zusammen unterrichtet werden, sollen die Anderen sich kennen- und akzeptieren lernen. Dimitri Drejer ist zwar als Lichter nicht sonderlich begabt, daf√ľr aber ein Lehrer aus √úberzeugung. So nimmt er sich schnell einer Gruppe junger Studierender an, die ein wenig ausgegrenzt sind. Werw√∂lfe, ein Vampir und die einzige Europ√§ische Dschinn werden von ihren Mitsch√ľlern misstrauisch be√§ugt, ja ausgegrenzt. Eine gemeinsame Exkursion nach St. Petersburg soll den Zusammenhalt st√§rken und die Gruppendynamik in Schwung bringen.
Schon vorher hat die Gruppe, die sich selbst die Bezeichnung Club der toten Dichter gegeben hat, durch illegale Experimente auf sich aufmerksam gemacht. W√§hrend Drejer seine Z√∂glinge als neu bestellter Inquisator eigentlich in Zaum halten sollte, hoffen die Strippenzieher im Hintergrund darauf, dass die Dschinn Anna das zerst√∂rte Fuaran wieder erschaffen wird. Mit dem legend√§ren, dummerweise aber zerst√∂rten Zauberbuch l√§sst sich aus Menschen Andere und aus Anderen Hohe machen. Doch dann kommt, wie dies so √ľblich ist, einmal wieder alles ganz anders ‚Ķ



Was war das doch eine Zeit, als Lukianenko uns mit den Romanen um Anton, Geser und Sebulon verz√ľckte. Mit hintergr√ľndigem Humor ausgestattet, packte mich die Handlung um die Welt neben der unsrigen, zogen mich seine vielschichtigen Charaktere in ihren Bann und verfolgte ich interessiert die Beschreibungen √ľber die Lebensumst√§nde der Moskowiter.
Von all dem ist in dem Auftaktband des Jugendbuchablegers der W√§chter Serie wenig, wenn √ľberhaupt etwas √ľbrig geblieben.

Zun√§chst machte ich mich mit Spannung an die Lekt√ľre ‚Äď doch schon die Vorstellung der Personen zeigte, dass die Neuserie mit den fr√ľheren B√§nden nicht w√ľrde mithalten k√∂nnen.
Das sind allesamt flache Charaktere ohne jeden Esprit, die Grundanlage ist banal und bekannt, die Anspielungen auf ‚Äď westliche ‚Äď Jugendbuchbestseller ‚Äď von Hogwarts bis Cornelia Funke st√∂ren eher, als dass sie passen.

Und auch von der √ľber die sechs W√§chter Romane aufgebaute besondere Welt der Wachen bleibt wenig √ľbrig. Das Zwielicht spielt eine gewisse Rolle, aber dar√ľber hinaus fehlt das typische W√§chter Flair fast komplett. Vorbei ist es auch mit den Anspielungen auf die Lebensumst√§nde der einfachen Bev√∂lkerung Russlands und Hinweise auf die reichhaltige Kultur des Landes. Statt dessen erwartet den Leser ein recht oberfl√§chlicher, in Vielem vorhersehbarer Plot der auch von einem westlichen Autor h√§tte geschrieben werden k√∂nnen, dem alles Besondere der W√§chter-Titel abgeht und der deswegen, weder Fisch noch Fleisch, leider entt√§uscht.

Stilistisch trotz der wie immer musterg√ľltigen √úbersetzung aus dem Feder Christiane P√∂hlmanns eher einfach erwartet ein letztlich austauschbares Jugendbuch auf den Leser, das das Topic des phantastischen Internats aufgreift, ohne es wirklich bereichern zu k√∂nnen.

Sergej Lukianenko: Die Wächter 01: Licht und Dunkelheit.
Heyne, September 2015.
464 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Carsten Kuhr

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