Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Robin Hobb: Die Schamanenbrücke – Nevare 1
Jetzt bestellen bei amazon.de! Im Gerianischen Königreich hat König Troven den Befehl erteilt, die Grenzen auszudehnen. Nachdem das Reich in einem Jahrzehnte währenden Krieg seine Küstenprovinzen verloren hat, soll neuer Raum im kargen Osten erobert werden. Seit zwanzig Jahren treibt insbesondere die siegreiche Kavallerie des Königreiches die dort heimischen Nomaden vor sich her, schlägt deren Heere dank ihrer Feuerwaffen, deren Eisenkugeln dafür sorgen, dass die magischen Fähigkeiten der Schamanen wirksam und endgültig unterbunden werden.

Mittlerweile hat man die Nomaden sesshaft gemacht und befriedet, die siegreichen Truppen aber stoßen am westlichen Ende des Reiches auf neue Feinde. Am Rande des Gebirges in den tiefen Wäldern lauern die Specks, magisch begabte Krieger, die die Kräfte der Natur gegen ihre Gegner mobilisieren.

Die neu erschlossenen Länder werden von verdienten Soldaten bevölkert. Der König hat Kriegshelden in den Adelsstand erhoben, und mit entsprechenden Ländereien bedacht. Mit den jüngst ernannten Adeligen hat der König sich eine loyale Hausmacht verschafft, die den alteingesessenen Blaublütigen, die seinem Expansionsstreben reserviert gegenüberstehen, ein Dorn im Auge sind.

Nevare Burvelle, unser Erzähler, ist der zweite Sohn eines zweiten Sohnes. Schon im Buch des monotheistischen Gottes ist festgeschrieben, dass der erste Sohn eines Adeligen das Erbe seines Vaters antritt, der zweite als Soldat seiner Heimat dient, der dritte seine Zukunft im Klerus findet und der vierte sich den schönen Künsten widmen soll. Ausnahmen gibt es nicht, so dass die Jungen von klein auf auf ihre jeweilige Aufgabe vorbereitet werden.

Nachdem er jahrelang von einem ehemaligen Sergeanten gedrillt wurde, ist sein Vater, der als Kriegsheld die Kidona bekämpft und besiegt hat, der Überzeugung, dass Nevare nur noch von einem Feind dazulernen kann. Dewara, sein alter Feind, erklärt sich bereit, Nevare in die Geheimnisse des Überlebens auf den kargen Ebenen der Hochlandes und in die Art, wie die Nomaden kämpfen, einzuweihen. Während ihrer gemeinsamen Zeit lernt der Junge nicht nur die Handelssprache der Stämme, er wird an seine Grenzen und darüber hinaus gebracht. An der Schwelle des Todes tritt er über in eine andere Dimension – auf der Schamanenbrücke soll er im magischen Kampf der Kidona gegen die Speck den entscheidenden Schlag führen – und scheitert.

Verletzt an Leib und Seele kehrt er, innerlich verändert, nach Hause zurück. Kurz danach reist er in die entfernte Metropole, um in der Akademie der Kavalla seine formelle Ausbildung als Kavallerieleutnant zu beginnen. Dort herrscht, seitdem Oberst Stiet die Leitung der Akademie übertragen bekommen hat, ein rauer Wind für Abkömmlinge der Kriegsadeligen. Die vom alten Blut verfolgen die Emporkömmlinge regelrecht, schikanieren und triezen sie, wo sie nur können. Kadavergehorsam, Kameradschaft und harter Drill prägen für die nächsten Monate sein Leben. Doch dann trifft die Seuche, mit der die Steck die angreifenden Truppen dezimieren, die Akademie – auch Nevare erkrankt schwer ...

Was hat Megan Lindholm unter ihren Pseudonym Robin Hobb nicht für tolle Romane vorgelegt. Ihr beiden Weitseher-Chroniken (dt. bei Bastei-Lübbe) um Fitz, den Königsbastard und Attentäter und die Romane um die lebenden Schiffe des Bingtowner Regenwaldes (dt. Blanvalet) boten herausragendes Lesefutter. Insbesondere die Zeichnung ihrer ungewöhnlichen Charaktere hoben die voluminösen Werke weit über die Konkurrenz hinaus.

Um so gespannter wartete ich auf die Publikation des Auftaktbandes ihrer neuen Trilogie, der bei Klett-Cotta die Weihen des Hardcovers angediehen wurden.

Wie nicht anders zu erwarten, spinnt Hobb, um bei ihrem Pseudonym zu bleiben, ein ungewöhnliches Garn.
Mit dem unsicheren und angepassten Navare stellt sie eine Person in den Mittelpunkt des Geschehens, der es dem Leser nicht leicht macht. Wer hier auf Triumphe wartet, wer hofft, dass unser Protagonist sich als charismatischer Anführer entpuppt, und die Zügel des Geschehens fest in seine Hände nimmt, der sieht sich getäuscht. Navare verhält sich genau so, wie es seiner Herkunft und Erziehung entspricht. Er lernt, er passt sich an, der steckt ein und zieht sich zurück. Er steht in der zweiten, dritten Reihe, ist eher unauffälliger Mitläufer, als Anführer oder auch nur entscheidender Anstoss. Sein Handeln ist geprägt davon, den Erwartungen, die sein von ihm vergötterter Vater an ihn hat, zu entsprechen.

Durch seine angepassten Augen lernen wir das Königreich kennen, leiden unter den internen Animositäten, erhalten einen intimen Einblick in die Prägung der jungen Menschen, die später einmal das Rückgrat der Militärmacht darstellt. Überzeugend wird uns die Entwicklung des Charakters unseres Ich-Erzählers dargeboten, staunen wir mit diesem, wenn er ob der wenigen Beispiele von Naturmagie der besiegten Stämme an seiner arroganten Weltsicht der Herrschermacht des Königsreiches zweifelt, wenn er sich über die Zerstörung der Umwelt und unnötiger Brutalität gegenüber den Stämmen grämt.

Die Sorge um die Umwelt, in der sie alle leben, ist ein Thema, das im Verlauf des Buches immer wichtiger wird. Daneben aber geht es um Probleme wie Gleichberechtigung, die Entwicklung junger Menschen während ihrer Ausbildung wird sehr anschaulich und nachvollziehbar beleuchtet, und auch die Darstellung der in ihrer Ausgestaltung statischen Gesellschaft in all ihren Details wirkt überzeugend.

Die Auseinandersetzung des Gerianischen Königsreiches mit den Stämmen erinnert in Vielem, nicht zuletzt in der Bewaffnung und dem Triumph der berittenen Weißen gegen die Naturvölker frappierend an die Kämpfe der weißen Eroberer gegen die Indianer.

Dennoch ist dies nicht einfach ein historischer Roman, der in einer fiktiven Welt angesiedelt ist. Nie im Vordergrund, aber die Handlung ständig unterschwellig begleitend sind die übernatürlichen Sequenzen Bestandteil der Handlung, bestimmen das Verhalten der Stämme wie sie auch das Denken und Erleben unseres Protagonisten beeinflussen.

Die komplexe Ausgestaltung der Gesellschaft, der nie wirklich obsiegende Held machen die Lektüre nicht eben einfacher. In anderen Werken aus ihrer Feder fand man sich als Leser wesentlich leichter in die Handlung ein, sympathisierte mit dem Erzähler, litt und triumphierte mit diesem.
Das ist vorliegend nicht so. Die ganze Ausgestaltung des Erzählers lässt eine solche Nähe, ein „Hineinschlupfen“ kaum zu. Statt dessen begleiten wir ihn zwar interessiert aber distanziert, verstehen wir seine Motivation, seine schüchternen Annäherungsversuche ans andere Geschlecht, und seinen Willen, es seinem Vater recht zu machen, die an ihn gestellten Erwartungen zu erfüllen. Sein Weg ist nicht gradlinig, ein Ausbilder sagt ihm ins Gesicht, dass aus ihm nie ein guter Führungsoffizier werden wird, dass er als Kundschafter, der alleine und flexibel ohne bindende Vorgaben agiert, viel glücklicher wäre, als als prestigeträchtiger Etappenhengst.

Dabei liest sich gerade der Mittelteil des Buches langwierig, ja fast schon langweilig. Auch die ständigen, stumpfsinnig wirkenden Wiederholungen der gesellschaftlichen Strukturen, die doch recht beschränkte Ausgestaltung von Nevares Charakter trüben den Lesefluss. Hier hätte eine Straffung ja Kürzung dem Roman sehr gut getan. Ich war versucht, ich muss es zugeben, das Buch angesichts der aufkommenden Langeweile aus der Hand zu legen. Derartig langwierige ermüdende Wiederholungen war und bin ich von Mrs Lindholm alias Hobb nicht gewohnt. Zwar tauchen en passent immer wieder interessante Ideen auf, doch dies im Mittelteil letztlich zu sporadisch um hier für Spannung zu sorgen.
Erst zum Finale hin zieht das Tempo wieder an, packte der Plot den Leser wieder.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie es Hobb in den beiden restlichen Bänden gelingen wird, den Spannungsbogen besser zu strukturieren und ihren Ich-Erzähler ein wenig mehr Ecken und Kanten zu verleihen. Anknüpfungspunkte für interessante Entwicklungen sind vorhanden, Talent auch, so dass ich auf ein überzeugenderes Werk warte, als es dieser Auftakt war.

Robin Hobb: Die Schamanenbrücke – Nevare 1.
Klett-Cotta, März 2008.
671 Seiten, Hardcover, 24,50 Euro.

Carsten Kuhr

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