Mainhattan Moments
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Susanne Ruitenberg und Julia Breiten├Âder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Lisa Belkin: Show Me a Hero: Eine wahre Geschichte ├╝ber Macht, Verrat und Gewalt
Jetzt bestellen bei amazon.de! 1988 ver├Ąnderte Richter Sand die Stadt Yonkers, denn er forderte den Bau der schon lange zugesagten Sozialwohnungen ein. Dieses Mal sollten die Baugebiete in den Stadtbezirken der wei├čen Mittelschicht entstehen. Angestachelt von Meinungsmachern unterschiedlicher Couleur wollte jede gesellschaftliche Schicht und ethnische Gruppe unter sich bleiben. Die Bewohner befanden sich in einem Ausnahmezustand.
Als die Ratsmitglieder - wie gewohnt - den Neubau blockierten, eskalierte die Situation. Der Richter drohte mit gerichtlichen Auflagen. Bei einer weiteren Blockade der Bauma├čnahmen w├╝rden Bu├čgelder f├Ąllig, die sich t├Ąglich verdoppelten.
Die meisten Amtstr├Ąger und ein gro├čer Teil der Bewohner fassten diese Forderungen des Richters als Erpressung auf. Zur Routine geh├Ârten Demonstrationen und Hasskampagnen, die ein normales Leben und Arbeiten f├╝r Jahre unm├Âglich machten.
Nick Wasicsko, der frisch gek├╝rte B├╝rgermeister, wurde zum Ziel st├Ąndiger Kampagnen. Statt der erhofften Karriere als j├╝ngster B├╝rgermeister der Geschichte in den USA stand er vor einem Scherbenhaufen. Denn die Verwaltung des Haushalts ├╝bernahm stellvertretend der ┬╗Emergency Financial Control Board┬ź. Der drohende Bankrott f├╝hrte zu zahlreichen Entlassungen. Familien verarmten.
Trotz aller Widerst├Ąnde entstanden die ersten Reihenh├Ąuser.
Einige Sozialhilfeempf├Ąnger glaubten, durch einen Umzug mehr Sicherheit f├╝r ihre Familie zu finden. Doch statt dessen erlebten sie Ausgrenzung und Ablehnung.
F├╝r Hass, Wut und Rassismus schien es kein Gegenmittel zu geben.
Die Journalistin Lisa Belkin erz├Ąhlt die wahren Ereignisse in Yonkers romanhaft und zugleich ├Ąu├čerst spannend. Aus der Sicht vieler Beteiligten setzt sie kunstvoll ein Puzzle zusammen, das die Komplexit├Ąt von Vorurteilen und politischen Motiven offenlegt. Ob in Amerika oder woanders, ├╝berall findet man brennende H├Ąuser, Hass und Angst. Die Mechanismen ├Ąhneln in erschreckender Weise.
Und am Ende?
┬╗... die Mieter der Reihenh├Ąuser leben in einer Blase ... Sie sind immer noch Besucher in ihren neuen Nachbarschaften, und sie haben praktisch nichts mit den wei├čen Hausbesitzern zu tun, deren Welt zu ver├Ąndern sie in den Osten geschickt worden waren. War es das, was Judge Sand sich vorgestellt hat, als er seine 657 Seiten Stellungnahme schrieb? Waren es zehn Jahre und 260 Millionen Dollar wert, damit zweihundert Familien in netteren Wohnungen leben und von ihren Nachbarn ignoriert werden konnten?┬ź (S. 397)
Politik und menschliche Schicksale miteinander zu verkn├╝pfen, ist eine Kunst. Erst recht, wenn sie bei einer kurzweiligen Lekt├╝re den Horizont erweitert.
Danke.

Lisa Belkin: Show Me a Hero: Eine wahre Geschichte ├╝ber Macht, Verrat und Gewalt.
Ullstein, M├Ąrz 2016.
448 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Sabine Bovenkerk-MŘller

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