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Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
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Anthony O┬┤Neill: Die Kammer der Ewigkeit
Jetzt bestellen bei amazon.de! Paris 1795. Vivant Denon, Charmeur, Herzensbrecher, Literat und Bonvivant, lernt auf einer Soiree einen jungen, kleinen Offizier kennen. Kaum dem Kindesalter entwachsen hat dieser schon Meriten als Feldherr erworben, ja, ist gar zum Brigardier-General bef├Ârdert worden. Ein paar Jahre sp├Ąter folgt Denon Napoleon Bonaparte auf dessen Kriegszug gen ├ägypten. Hier, so hofft der General, verborgen vor den Augen der ├ľffentlichkeit, soll die Kammer der Ewigkeit versteckt sein. Ein Refugium, das dem Besucher alle Weisheit der Welt offenbart. Ein halbes Jahr bereist Denon im Auftrag Napoleons auf der Suche nach der Kammer ├ägypten, findet aber, eigenen Angaben zufolge, nichts. Dennoch wird Napoleon eines Nachts von einem Priester geweckt und in eine Kammer gef├╝hrt, in der ihm seine Zukunft offenbart wird.

F├╝nfzig Jahre sp├Ąter macht sich der junge Schotte Rhind im Auftrag Queen Victorias daran, das Geheimnis um die Kammer der Unendlichkeit zu erforschen. Zun├Ąchst gilt es, den angesehenen Forscher Sir Gardner, der bei seinen ├ägypten-Expeditionen offensichtlich auf Spuren, wenn nicht gar das Mysterium selbst gesto├čen ist, auszuspionieren. In Gespr├Ąchen, Briefen und B├╝chern nimmt dabei die Geschichte des Vivant Denon, Napoleons und weiterer Staatsm├Ąnner, die alle das Mysterium der Kammer zu ergr├╝nden trachteten, mehr und mehr Gestalt an. Akribisch folgen wir Spuren, begutachten Indizien ohne aber auf die Kammer selbst oder ihr Geheimnis zu sto├čen. Alles nur Einbildung, eine Geschichte, der Homme Rouge, der Napoleon zeit seines Lebens beeinflusste, eine Sinnest├Ąuschung? Erst als Rhind ins Land am Nil selbst vorst├Â├čt, beginnt sich der Schleier des Geheimnisses zu l├╝ften ...

Der Australier Anthony O┬┤Neill legt einen Roman vor, der geschickt mit historischen Ereignissen spielt. Mit viel M├╝he um geschichtliche Akkuratesse und aufwendigen Recherchen l├Ąsst O┬┤Neill die Zeit Napoleons vor den Augen seiner Leser auferstehen. Dabei nutzt er den genialen Feldherren aber nur als Vehikel seine thrillerhaften Handlung rund um die Suche nach der mysteri├Âsen Kammer der Ewigkeit.

In erster Linie geht es um die Jagd nach dem Geheimnis, um die Suche nach Erkenntnissen und um die Frage, inwieweit Wissen immer nur in Fakten gemessen werden kann. Dabei stellt er seinen Figuren, und mit diesen dem Leser, geschickt Fragen nach der moralischen Zul├Ąssigkeit der Pl├╝nderung ├Ągyptischer Kultursch├Ątze, nach dem Sinn von gewaltsamer Auseinandersetzungen oder der Zul├Ąssigkeit zum Schutz eines Geheimnisses, auch selbst Wahrheiten zu verschleiern.

Dennoch packte mich das eigentlich Interessante, ja fesselnde Geschehen nicht so richtig. Woran lag dies?

Zum Einen blieben die Figuren ÔÇô allen voran das das Buch beherrschende Dreigestirn Napoleon, Denon und Rhind merkw├╝rdig blass. Nie schl├╝pfte ich wirklich in die Rolle eines der drei so ungleichen M├Ąnner, nie wurde mir deren Motivation zu eigen. Zwar erkl├Ąrte der Autor durchaus nachvollziehbar, warum sein jeweiliger Protagonist so handelt, doch auch hier blieb ich merkw├╝rdig distanziert. Zu sehr stand das Mysterium, das bis zum Finale r├Ątselhaft blieb, im Vordergrund, so dass manche Handlungen erst in der R├╝ckschau Sinn machen. Dies ging naturgem├Ą├č zu Lasten der Nachvollziehbarkeit im Verlauf der Lekt├╝re.
Zum Anderen gelang es dem Autor nicht, so es denn ├╝berhaupt seine Intention war, mich in das Land der Pharaonen mitzunehmen. Alexandria, Kairo, die Pyramiden, sie blieben unwichtige Kulisse, ja Staffage, vor deren Bild ein Teil der Handlung ablief, nicht mehr.

So hinterlie├č die Lekt├╝re ein ambivalentes Gef├╝hl in mir. Zwar habe ich einiges ├╝ber die Zeit erfahren, lernte geschichtstr├Ąchtige Figuren kennen, bekam ein handwerklich vorbildlich gestaltetes, in Leinen gebundenes und mit Leseb├Ąndchen ausgestattetes Buch in die Hand, das mich aber nicht wirklich zu packen vermochte.

Anthony O┬┤Neill: Die Kammer der Ewigkeit.
Edition L├╝bbe, Februar 2008.
414 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.

Carsten Kuhr

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