Die Fantasy haben wir in dieser von Alisha Bionda und Michael Borlik herausgegebenen Anthologie beim Wort genommen. Vor allem fantasievoll sind die Geschichten.
Was macht man, wenn man Joy Martine Randall heiĂt, im lĂ€ndlichen Oregon, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wohnt, Mitte zwanzig ist und rund zweihundert Dates mit Langweilern, ĂŒberheblichen Machos und pickeligen Softies hinter sich hat?
Man geht zu einer Hexe, pardon heutzutage heiĂt das ja Wicca-Priesterin, und wĂŒnscht sich den Traummann.
GroĂ soll er sein, dunkelhaarig, eine Leseratte mit Humor und ein groĂer Schwanz ist ein Muss â schlieĂlich ist die GröĂe, allen Beteuerungen zum Trotz, bedeutend, und die ewigen Spiele mit dem Vibrator langweilen auf Dauer doch ungemein.
Kurz nach der Beschwörung fĂŒhrt Joy eine Urlaubsreise nach MĂ€hren. Kaum in der Tschechischen Republik angekommen, trifft sie auf einem Mittelaltermarkt auf einige geheimnisvolle MĂ€nner. Unsympathische Unholde, geldgierige Mafiatypen und undurchsichtige Sicherheitsberater buhlen um ihre Aufmerksamkeit. Bevor sie es sich versieht, flirtet sie mit einem vermeintlichen Vampir â kann es da noch schlimmer kommen? Ein Zungenkuss mit einem Werwolf? Dirty Dancing mit einem Zombie?
Es kann schlimmer kommen, und, ungeschickt fĂŒr Joy, es wird schlimmer. Immer tiefer dringt sie in das Geheimnis des Wandermarktes ein, stöĂt auf ermordete Frauen, deren Leichen alles Blut abhanden gekommen ist, verliebt sich in einen charismatischen Muskelprotz mit Hirn und groĂem GemĂ€cht, nur um sich im Finale dem Lauf einer geladenen Pistole gegenĂŒberstehen zu sehen.....
Katie MacAllister gehört zu der Riege junger Autorinnen, die gegenwĂ€rtig in den USA die Buchhandelskassen klingeln lassen. Neben den Urban Fantasy Romanen stellen die Vampir-Romanzen, zu denen vorliegendes Buch unstreitig zĂ€hlt, verkaufstechnisch das zweite wichtige Standbein der Phantastik in den Staaten dar. Ganze RegalwĂ€nde sind diesen beiden Sub-Genres vorbehalten, die Leser gröĂtenteils weiblich, weiĂ und zwischen Ende Zwanzig und Ende vierzig.
Was braucht es, um in diesem Bereich einen Bestseller zu schreiben? Nun, das Rezept ist denkbar einfach. Man nehme eine weibliche Hauptperson, altersmĂ€Ăig der Zielgruppe entsprechend, die Ausschau hĂ€lt nach ihrem Mr. Right.
Esoterik, Kartenlegen und dem ĂbernatĂŒrlichen aufgeschlossen sollte die allem Menschlichen aufgeschlossen GegenĂŒberstehende natĂŒrlich auch sein. Auf der Suche nach Romantik und erfĂŒllendem Sex findet die Frau, die in ihren Beruf ihre Frau steht dann ihren Traumprinzen, in dessen starken Armen sie ihre ErfĂŒllung findet. Gutaussehend, muskulös, gebildet und standhaft ist der Galan, einen kleinen Makel hat er dann aber meist eben doch â er gehört einer sozialen Randgruppe an. Sei es, dass er zu den LangzĂ€hnen gehört, oder mehr der gestaltwechselnden Art angehört, die Faszination des Dunklen, des Animalischen kann sich unsere Prinzessin aber nicht verschlieĂen.
Das Ganze dann noch in einem bewusst jovialen, frechen Tonfall erzÀhlt und schon klingen die Kassen.
Egmont Lyx hat sich in besonderem Masse diesem Trend verschrieben. Und das liest sich dann eigentlich auch nett und flĂŒssig. Mit Tempo und Witz erzĂ€hlt, erfahren wir zwar nicht unbedingt viel ĂŒber unsere Figuren, ihre Motivation â mal abgesehen von der eruptierenden Libido â oder Charakterentwicklung, doch das sucht der Leser dieser Romane auch nicht.
Das sind schlicht schnell konsumierbare Titel fĂŒr die Bahnfahrt zum nĂ€chsten Blind-Date oder wenn der GeschĂ€fts-PC der SekretĂ€rin einmal wieder abgestĂŒrzt sind und die NĂ€gel schon lackiert sind, etwas, das vergnĂŒglich und leicht ohne groĂen Tiefgang unterhĂ€lt. Dabei schlieĂt sich MacAllister ihrer Kollegin Mary Janice Davidson in ihrer respektlosen, herzerfrischenden Art zu erzĂ€hlen an, unterhĂ€lt spannend mit einem gehörigen Schuss Romantik und wird so ihre Leserinnen bestimmt finden.
Katie MacAlister: Blind Date mit einem Vampir.
Egmont-Lyx, Februar 2008.
473 Seiten, Taschenbuch, Euro 9,95.