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Miguel del Cervantes y Saavedra: Don Quijote (1605/1615)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Der kleine Landadlige Don Quijote, dessen wahrer Name selbst dem ErzĂ€hler nicht genau bekannt ist, lebt in der Mancha und verschlingt Ritterromane. Er steigert sich so sehr in diese, dass er glaubt, er selbst mĂŒsse als fahrender Ritter gegen das Unrecht kĂ€mpfen. Er sattelt seinen alten Ackergaul, den er fortan Rosinante nennt, und begibt sich im Auftrag der schönen Dulcinea von Toboso auf seinen Kreuzzug. Zwar hat er die schöne Dame nie gesehen, aber es gehört sich fĂŒr einen Ritter, eine Angebetete zu haben. Alles, was der Don fortan tut, tut er fĂŒr seine Dulcinea. Dabei wird auch alles, was dem verrĂŒckten Quijote begegnet, in seine prĂ€chtige Ritterfantasie gepackt, obwohl die Zeit der Ritter lĂ€ngst vorbei ist. Ein einfaches Gasthaus wird so fĂŒr ihn zu einer Burg und die dort beschĂ€ftigten, kĂ€uflichen Damen zu BurgfrĂ€ulein. Doch dieser erste Ausritt wird gleich die erste schmerzliche Niederlage und er wird verprĂŒgelt und halbtot nach Hause geschafft. Zu seinem eigenen Schutz veranstaltet der Dorfpfarrer eine BĂŒcherverbrennung, bei der seine gesamte Ansammlung an Ritterromanen verbrannt wird. Aber der verrĂŒckte Adlige lĂ€sst sich dadurch nicht stoppen. Er rekrutiert seinen treuen Knappen Sancho Panza, der, so heißt es, nicht der Hellste sei. Fortan begleitet der treue Knappe ihn auf seinem Esel (denn er besitzt kein Pferd) zu allen Abenteuern.

Das bekannteste Abenteuer ist der Kampf gegen WindmĂŒhlen, in denen Don Quijote trotz der Warnungen seines Knappens, furchtbare Riesen sieht, die er bekĂ€mpfen muss. Der Ritter von trauriger Gestalt, wie er bald genannt wird, kĂ€mpft gegen Hammelherden und ficht einen blutigen Kampf gegen RotweinschlĂ€uche. Er erobert den „Helm des Mambrin“, eine BarbierschĂŒssel, die er fortan trĂ€gt. Übel zugerichtet kehrt er zum Ende des ersten Buches auf einem Ochsenkarren nach Hause zurĂŒck, um im zweiten Buch als „Löwenritter“ wieder loszuziehen.

Miguel de Cervantes (vermutlich 1547 geboren) schuf zu Beginn des 17. Jahrhunderts dieses umfangreiche Werk, das vielleicht zur ersten Plagiatswelle der Literaturgeschichte fĂŒhrte. Drei Raubdrucke waren bereits wenige Wochen nach Veröffentlichung des Romans in Umlauf.
Die Geschichte des umherirrenden spanischen Adligen zĂ€hlt zu den wichtigsten BĂŒchern der Weltliteratur und zum wichtigsten Roman Spaniens. Nicht zuletzt grĂŒndete dieses Werk erst den Begriff „Roman“. Bis heute streiten sich die Gelehrten darum, wen der Autor mit seiner Geschichte ansprechen und was er zum Ausdruck bringen wollte. So wird das Werk hĂ€ufig als Parodie auf die Ritterromane seiner Zeit angesehen, aber auch als Kritik am spanischen Imperialismus gewertet. Einige Literaturwissenschaftler erkannten in zahlreichen Details der Handlung auch Anspielungen auf die Probleme konvertierter, getaufter Juden in der spanischen Gesellschaft des 16. Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang passt auch der Kampf gegen die WindmĂŒhlen, der im Roman zwar eine untergeordnete Rolle spielt, aber den zentralen Stoff der Geschichte fĂŒr alle Literaturkritiker darstellt. Diese Geschichte stellt den ausweglosen Kampf gegen den technischen Fortschritt und den damit verbundenen Machtverlust der Aristokratie dar und wurde dadurch zum Symbol fĂŒr einen aussichtslosen Kampf.

Viele KĂŒnstler fĂŒhlten sich von den Geschichten Don Quijotes inspiriert und erschufen GemĂ€lde und Illustrationen, darunter Salvador DalĂ­ und Pablo Picasso.
Die letzte verfĂŒgbare Übersetzung dieses Werkes stammt aus dem Jahre 1956 und liest sich etwas schwierig. Man wĂŒrde sich wĂŒnschen, eine modernere Interpretation der Texte zu lesen, damit dieses StĂŒck Weltliteratur auch zu einem LesevergnĂŒgen wird. So kĂ€mpft sich der geneigte Leser wie zuweilen Don Quijote durch 1103 Seiten geballtes Literaturwerk – aber man soll ja mitleiden, um den Helden zu verstehen.

Miguel del Cervantes y Saavedra: Don Quijote (1605/1615).
Patmos, 2003.
1103 Seiten, Hardcover, 24,90 Euro.

Ralf Seybold

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