Ganz schön bissig ...
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Naomi Novik: Drachenglanz – Die Feuerreiter seiner Majestät Band 4
Jetzt bestellen bei amazon.de! Kaum sind Feuerreiter Will Laurence und sein Drache Temeraire aus dem fernen China in heimische Gefilde zurückgekehrt, da droht neues Unbill den Kämpfern seiner Majestät König George.
Nicht nur, dass Napoleon seine Macht auf dem Festland immer weiter ausbaut und nach der siegreichen Schlacht um Jena weiter auf Invasion des Englischen Mutterlandes sinnt, nein, viel schlimmer, die Drachen sind erkrankt. Ein heimtückischer Virus zwingt immer mehr der geflügelten Reptilien auf dem Boden zu bleiben, erste Lindwürmer gehen grausam zugrunde.

Auch Temeraire kommt mit dem Virus in Kontakt. Anders als seine Freunde und Artgenossen aber besiegt sein Körper die Krankheit. Woher rührt die Immunität, eine Frage, die Existenzbedeutend für das Englische Reich ist.

Die Spur führt ins tiefste Südafrika. In Sichtweite des Tafelberges am Kap hatte Temeraire auf der Hinfahrt nach China einen Snack eingenommen. Ein einheimischer Riesenpilz, der einen für Menschen fürchterlichen Geruch ausströmte mundete ihm damals, und sorgt nun für seine Widerstandskraft.

Auf der Suche nach den heilkräftigen Gewächsen werden unsere Helden tief im Dschungel von einem Stamm schwarzafrikanischer Krieger und ihren Drachen gefangen genommen. Schon bald blasen diese zum Angriff auf die Kolonialeuropäer ...

Die Bücher um die Abenteuer des Feuerreiters und seines intelligenten Drachen erfreuen sich allenthalben grosser Beliebtheit. Gleich in zwei Verlagen erscheinen die Romane parallel, jeweils auf die Zielgruppe – jugendliche Leser und ein erwachsenes Publikum – zugeschnitten.

Neben der vorbildlichen äusseren Gestaltung der Bände – Prägedruck, Spottlackierung und Klappbroschur heben die Bücher optisch weit aus der Masse der monatlichen Veröffentlichungen hervor – ist es natürlich der mundgerecht aufbereitete Inhalt, der vom Leser und Käufer goutiert wird.

Intelligente Drachen, die zur Zeit der Napoleonischen Kriege auf beiden Seiten der Front zusammen mit ihren wackeren Reitern für spannende Luftgefechte stehen, das hat etwas. Neben der historischen Komponente wuchert die Autorin hier mit dem Flair des Fliegens, mit dem Ehrgefühl, das die Flieger, trotz aller Feindschaft verbindet.

Was sich in den ersten Bänden noch recht spannend und flüssig las, das hat schon im letzten Teil der Saga deutlich an Fahrt verloren. Zwar gelang es der Autorin aus ihrer Beschreibung Chinas Faszination zu ziehen, doch schon bei der Rückkehr nach Europa verlor der Plot deutlich an Tempo und Spannung.

Entsprechend beginnt vorliegender Roman, drücken wir es einmal vorsichtig aus, recht verhalten. Im ersten Drittel dümpelt die Handlung vor sich hin, Faszination will nicht aufkommen, wenn wir Laurence auf seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen begleiten, oder gemeinsam mit ihm frustriert die bornierten Entscheidungen des Kriegsministeriums entgegen nehmen müssen.

Um so mehr machte ich mir Hoffnungen, als sich der Ort des Geschehens nach Kapetown verlagerte. Die Buren unter Englischer Herrschaft, dazu die Sklaverei, das sollte eigentlich Stoff und Ansatzpunkte genug für eine versierte Autorin bieten. Doch wieder sah ich mich getäuscht. Statt einer glaubwürdigen Darstellung des damaligen Lebens, der Animositäten zwischen Buren und Engländern oder zumindest einer faszinierenden Darstellung der Naturschönheiten und der Fauna des südlichen Afrikas erwarten den Leser abgedroschene Verallgemeinerungen und eine mehr als stereotyp ausgestaltete Umgebung. Der Dschungel ist grün, heiss und voller gefährlicher Tiere etc. pp. Bei aller Liebe, das ist einfach zu wenig um mich als Leser wirklich zu packen.

Erst als unsere Helden von einem Stamm Schwarzafrikaner gefangen genommen werden, kommt wirklich Spannung und Flair auf. Plötzlich, schon fast nicht mehr erwartet weiss die Autorin mit einer farbenprächtigen Kulisse zu faszinieren, berichtet sie uns überzeugend von einer fremden Kultur, in der die Lindwürmer und die Menschen in wahrer Gleichberechtigung und Symbiose zusammen leben und regieren. Dementsprechend ausgebildet sind ihre kulturellen Errungenschaften, und es ist nur folgerichtig, dass diese Hochzivilisation sich gegen die fremden Herrscher, denen es nur darum geht die Einheimischen als Sklavenware zu verschiffen, auflehnen. Plötzlich kommt Fahrt auf, die Ereignisse überstürzen sich, es ist richtig spannend. Kaum verlagert sich die Handlung dann zurück nach England aber verfällt die Autorin in alte Muster. Sie berichtet langatmig von Sitzungen und bornierten politischen Entscheidungsträgern, thematisiert die moralische Zulässigkeit oder deren Fehlen von biologischer Kriegsführung und beendet ihre Handlung erneut mit einem Cliffhanger.

Gerade in den paar Kapiteln, die sie in Zentralafrika angesiedelt hat zeigt Novik, dass sie durchaus packend zu erzählen weiss. Zu oft aber erhebt sie den moralischen Zeigefinger, langweilt letztlich durch zu umfangreiche Ausführungen zu politischen Entscheidungsprozessen. Die wenigen gelungenen Darstellungen exotischer Handlungsorte und faszinierend anderer Gesellschaften versöhnt hier nur unzureichend.


Naomi Novik: Drachenglanz – Die Feuerreiter seiner Majestät Band 4.
Blanvalet, Mai 2008.
507 Seiten, Taschenbuch, 8,95 Euro.

Carsten Kuhr

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