Honigfalter
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Sabine Wassermann: Das Gläserne Tor
Jetzt bestellen bei amazon.de! „Eine große Liebesgeschichte in einer magischen Welt“, überschreibt der Verlag den Klappentext. Das ist so treffend, dass ich es übernehme.

Zum Inhalt: Wir schreiben das Jahr 1895. In Berlin begleitet die siebzehnjährige Grazia ihren Verlobten, den Archäologen Friedrich, zu seiner Ausgrabungsstätte auf der Pfaueninsel in der Havel. Auf dem Bootssteg begegnet ihr ein nackter Mann, schön wie ein Gott, der sie küsst und wieder verschwindet. Gleichzeitig findet Friedrich Schmuck, den er keiner Epoche zuordnen kann.
Wieder daheim bei ihrem Vater, entdeckt Grazia eine unerklärliche Fähigkeit an sich: sie kann Wasserbecher aus dem Nichts füllen.
Voller Sehnsucht nach dem Unbekannten auf dem Bootssteg, geht sie auf eigene Faust nach ihm suchen. Als sie ein Licht im Wasser sieht, wie schon am Vortag, reißt sie sich von Friedrich los, und fällt in die Fluten. Dort wird sie vom Licht in die Tiefe gezogen und landet in einer Wüste. Als sie erwacht, findet sie sich in einer fremden Welt wieder, eine Welt mit zwei Monden, und ein fremdartig aussehender Krieger beugt sich über sie.
Wir folgen Grazia, wie sie in der völlig fremden Welt erst verzweifelt, dann sich anpasst und dem Krieger Anschar folgt, der seine Stadt Argadye erreichen muss. Sie gerät zwischen die Fronten zweier streitenden Könige, die den Wassergott suchen, um ihre von Trockenheit bedrohte Welt zu retten.

Sabine Wassermann, durch ihre Ägyptenromane bekannt, legt hier ihren ersten Fantasyroman vor. Sie erschafft eine glaubwürdige Welt, die vergleichbar unserer Bronzezeit ist, aber mit magischen Elementen. Wunderbar herausgearbeitet ist der Kontrast zwischen Grazias preußisch-prüden Erziehung der fremdartigen Freizügigkeit in der argadischen Gesellschaft. Bisweilen führt das zu skurrilen und komischen Szenen, bei denen die Autorin ein Talent für witzige Dialoge zeigt. Die Figuren sind lebendig beschrieben und besonders die beiden Hauptfiguren sehr liebenswert. Es gibt keine endlosen Schlachten, dafür einen spannenden Plot und Beschreibungen, bei denen man sich die Örtlichkeiten gut vorstellen kann. Nicht alles ist eine heile Fantasywelt, es gibt Sklaverei und schön fiese Gegenspieler. Es lohnt sich, Grazias Weg zu folgen, und für Leser, denen das Buch gefällt, habe ich einen kleinen Geheimtipp: Es wird eine Fortsetzung geben!


Sabine Wassermann: Das Gläserne Tor.
Heyne, Dezember 2007.
685 Seiten, Taschenbuch, 14 Euro.

Susanne Ruitenberg

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