Der himmelblaue Schmengeling
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Albert Camus: Die Pest (1947)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Unbedarft und ein wenig unsicher stehe ich vor diesem Buch, denn in den französischen Gefilden fühle ich mich eher nicht zuhause und kann so zum ersten Male wirklich nachempfinden, wie es jemandem geht, der sich - ohne jegliches Hintergrundwissen bezüglich Autor und Werk - einem Klassiker widmet.

Schritt 1 –Den Text zu lesen hilft wohl erst einmal.
Also schlage ich das Buch auf und stelle fest: Inhaltlich geht es – wie erwartet- um eine Pestepidemie, aber nicht – wie ebenfalls erwartet - um eine im Frankreich des Mittelalters, sondern in der algerischen Küstenstadt Oran während oder kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Der Erzähler des Textes suggeriert Authentizität, denn er nennt seine Aufzeichnung eine Chronik, und in Chroniken werden reale und wichtige Begebenheiten festgehalten, damit die Nachwelt sich daran erinnert.
Meine Hypothese also: Der Text muss etwas Grundlegendes bieten, das für eine Nachwelt interessant und aufzeichnungswert sein könnte, und mit der Pest kann nicht wirklich die Krankheit gemeint sein, da Ort und Zeit von Erzählung und historischer Wirklichkeit nicht übereinander passen. Also wird die Pest wahrscheinlich für etwas anderes stehen, betrachtet man die Zeit, wahrscheinlich am ehesten für den (zweiten Welt)krieg.
Und ich lese weiter und finde Camus Sprache gestochen scharf, klar und irgendwie doch ein bisschen emotionslos und daher langatmig-öd, während ich seiner Hauptfigur, dem Arzt Rieux, durch die Irren und Wirren der aufkommenden und sich immer weiter ausbreitenden Seuche folge. Der Autor stellt dar, wie sie – die Geißel der Menschheit- das Leben und die Lebenseinstellungen derer beeinflusst, die ihr, in der inzwischen hermetisch abgeschotteten, von der Pest „besetzten“ Stadt, ausgesetzt sind.
So empfinde ich meine Hypothese denn als stimmig, denn so wie die Charaktere im Angesicht des sinnlosen, sie in jedem Moment treffen könnenden Todes an ihre emotionalen und moralischen Grenzen stoßen, sie überwinden oder eben nicht, aufgeben oder weiterkämpfen, innerlich schon und danach, freiwillig oder unfreiwillig, äußerlich sterben oder weiterleben, zeigt sich ihre Geisteshaltung; eine Geisteshaltung, die man vielleicht als „bedingungsloses Trotzdem“ bezeichnen könnte und die Camus hier zu bevorzugen scheint, denn die Charaktere, die nicht aufgeben, sich nicht nur – wie im Krieg, der zweiten Geißel der Menschheit- sich selbst der Nächste sind, sondern die, die, wie ausweglos es erscheinen mag, ihre Nächsten im Blick, trotzdem weiter machen, überleben die Epidemie.

Dann Schritt 2 – Weiteres, Sekundäres zu lesen kann auch sehr erhellend sein.
Und ich stelle fest, dass ich so falsch gar nicht lag.
Natürlich gibt es noch sehr viel mehr. Das biographische Moment war mir nicht bewusst, Camus’ Philosophie, die sich in seiner Pest spiegelt, war mir kein Begriff und auch der fünfzügige Aufbau des Textes, der sich am klassischen Drama orientiert, kann ich eher im Nachhinein erkennen.

Schritt 3 – Fazit

Ein Hoch auf Camus Die Pest, die - bildlich und auch wieder nicht - ein essentielles Thema auf sehr klare und gleichzeitig drastische Weise angeht.
Ein Hoch ebenfalls darauf, sich auch ohne Hintergrundwissen an einen Klassiker heran zu wagen, denn – wie man sieht- der Text allein reicht vollständig aus, um ihn zu erfassen und daraus etwas mit zu nehmen.

Albert Camus: Die Pest (1947).
Rowohlt Tb., 1998.
349 Seiten, Taschenbuch, 7,95 Euro.

Tanja Muhs

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