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Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten
Jetzt bestellen bei amazon.de! Weniger wĂ€re mehr gewesen. Michael Chabons neuer Roman "Die Vereinigung jiddischer Polizisten" ist nicht nur ein Krimi, sondern zugleich eine Art jĂŒdische Gesellschafts-Utopie. Zuviel fĂŒr ein einziges Buch.

Das Krimi-Element ist eine Hommage an die amerikanischen Hardboiled-Romane der 40er und 50er Jahre a la Raymond Chandler - mit den typischen VersatzstĂŒcken und dem bekannten Textaufbau: Ein versoffener und heruntergekommener Detective mit Eheproblemen findet im Hotel eine Leiche. Nach allerlei fĂŒr den Leser nicht immer leicht nachvollziehbaren Wirrungen, Schießereien, weiteren EhekrĂ€chen, Blut und Gewalt entlarvt er am Ende den Mörder. So weit, so mittelmĂ€ĂŸig.

Ungewöhnlich ist der Ort des Geschehens: der Distrikt Sitka in Alaska, in dem die Juden nach dem Zusammenbruch Israels im Jahre 1948 eine auf 60 Jahre befristete Bleibe gefunden haben. Der Roman spielt in der Zeit, kurz bevor das Land wieder an die USA zurĂŒckgegeben werden muss. Eine Utopie also, ein so genannter "Alternativweltroman", der die historischen Fakten durch fiktive ersetzt. So etwas hat vor allem in der Science-Fiction Tradition (Philip K. Dick: "Das Orakel vom Berge" - Deutschland und Japan haben im Zweiten Weltkrieg Amerika besetzt und untereinander aufgeteilt).

Michael Chabon (geb. 1963), dessen erster Roman "Die Geheimnisse von Pittsburg" (1988) bereits ein Welterfolg wurde, nimmt mit dieser Romankonstruktion jedoch in Kauf, dass sich die beiden so unterschiedlichen Elemente gegenseitig neutralisieren und sich ihrer Wirkung berauben. Die Utopie hĂ€ngt am Ende seltsamerweise im luftleeren Raum und man stellt sich die berĂŒhmte Deutschklausur-Frage: Was wollte uns der Autor eigentlich damit sagen?

WĂ€hrend Chabon-Vorbild Raymond Chandler in seinen Romanen einen vollkommen puristischen, schnörkellosen, manchmal gar schnöden Stil pflegte, ergeht sich Chabon in wilden Satz-Kaskaden. Ein sprachlich fein ziselierter Gag jagt den nĂ€chsten. Das erfordert vom Leser nicht nur ein Höchstmaß an Konzentration, sondern macht die Handlung zĂ€h und tötet die Spannung. Rezensentin Pieke Biermann nennt diesen Schreibstil in ihrer Rezension fĂŒr das Deutschlandradio treffend den "Chabon-Barock". Hinzu kommt die Eigenart des Autors, stĂ€ndig jiddische Ausdrucke einzuflechten, manche davon sogar fiktiv ("Shojfer" fĂŒr die in Sitka hergestellten Handys). Das alles macht das Lesen nicht leichter, auch wenn es am Ende ein Glossar mit der deutschen Übersetzung fĂŒr die jiddischen Vokabeln gibt - denn wer will schon stĂ€ndig blĂ€ttern mĂŒssen?

Insgesamt nicht empfehlenswert.

Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten.
Kiwi, April 2008.
422 Seiten, Hardcover, 19,95 Euro.

Andreas Schröter

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