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Janet Lee Carey: Drachenkuss
Jetzt bestellen bei amazon.de! Am Anfang steht eine gro√üe Prophezeiung. Die wird in Janet Lee Careys Jugendroman ‚ÄěDrachenkuss‚Äú von niemand geringerem als dem sagenumwobenen Magier Merlin gemacht. Er weissagt der verbannten Prinzessin Evaine, die aus England nach Wilde Island flieht, um mit ihrer Liebe zu leben, dass ihre einundzwanzigste Nachfahrin den Ruhm ihres Reiches und ihrer Familie wiederherstellen und einen Krieg beenden wird.

Sechshundert Jahre sp√§ter wird Rosalind als diese einundzwanzigste Prinzessin geboren. Ganz Wilde Island und besonders ihre Mutter haben hohe Erwartungen an das junge M√§dchen. Doch dieses zweifelt an der Richtigkeit der Prophezeiung, denn sie wurde mit einem grausamen Mal geboren ‚Äď einer Drachenklaue als linken Ringfinger. Ihr Geheimnis h√ľtet sie mit ihrer Mutter unter wei√üen Handschuhen, die verzweifelt versucht, Heiler zu finden, um Rosalind von ihrem Fluch zu erl√∂sen. Gleichzeitig bem√ľht sie sich mit aller Macht, Rosalinds Finger vor der √Ėffentlichkeit versteckt zu halten, sodass ihre Tochter ein einsames Leben fristet.

Als sich Rosalind eines Tages mit ihrer Mutter zu heiligen Gew√§ssern aufmacht, √§ndert diese pl√∂tzlich die Route und f√ľhrt sie in die H√∂hle einer Hexe, mit der sie auf seltsame Weise vertraut scheint.

Allm√§hlich wird sich Rosalind um die grausame Wahrheit, die hinter ihrer Geburt steckt, bewusst und ihr wird immer klarer, warum sie sich auf so seltsame Weise mit dem Drachen verbunden f√ľhlt, der ihr Reich wiederholend attackiert. Dieser verschonte sie schlie√ülich, als sie allein im Wald unterwegs war und gab ihr sogar einen Kuss, einen Drachenkuss.
Doch auch die Hexe und ihre grausamen Methoden, können die Kralle nicht in einen Finger verwandeln und so fristet Rosalind ein Leben mit weißen Handschuhen, bis Drachentöter nach Wilde Island kommen. Sie töten die Drachendame, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzt hat.

In dem Glauben, alle Drachen seien ausgerottet, feiern die Bewohner Wilde Islands ausgelassen, doch nur wenige Zeit später wird Rosalind von einem weiteren Drachen verschleppt.

Ihr Leben als Prinzessin hat sie bereits aufgegeben und Merlins Prophezeiung scheint sich als eine vollkommene Fehldeutung zu entpuppen.

Aber ihren Lebenswillen verliert Rosalind nicht.

‚ÄěDrachenkuss‚Äú reiht sich in die Menge von Legenden um den ber√ľhmten Magier Merlin ein, doch seine Protagonistin ist eine junge Frau, die ihren Platz in der Welt sucht. Rosalinds Geschichte ist mitrei√üend und spannend vom ersten Wort an und Janet Lee Careys bildhafte Sprache l√§sst den Leser jedes Ereignis des Romans mit seiner Heldin mitempfinden.
Die Ich-Perspektive, der Eigenkonflikt mit dem sich Rosalind aufgrund des konservativen Denkens ihrer Umgebung konfrontiert sieht und die sinnlichen Schilderungen machen ‚ÄěDrachenkuss‚Äú zu einem au√üergew√∂hnlichen Lesevergn√ľgen.

Rosalinds √Ąngste, Bedenken und Sehns√ľchte flammen im eigenen Herzen auf. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Verbundenheit mit den Ungeheuren und der Grausamkeit, unter der sie die Drachen kennt, und dennoch lernt sie mit der ihr eigenen Starrk√∂pfigkeit ihren individuellen Willen zu bilden und die Wahrheit zu erkennen. Die Wahrheit √ľber ihre Mutter, deren Hoffnungen und deren Furcht davor, dass Rosalinds Fluch entdeckt werden k√∂nnte.
Rosalind entwickelt sich innerhalb des Romans von einem einf√§ltigen M√§dchen zu einer selbstbewussten Frau, deren Verluste ihren Charakter st√§rkten. Diese vielseitige Entwicklung kann der Leser aufgrund der f√ľhlbaren Darstellung so hautnah miterleben. Careys Beschreibungen setzen sich aus perfekten Analogien zusammen. Sie schafft einen √úbersetzungsschl√ľssel, der Gef√ľhle in Worte versetzt und den Leser unter Rosalinds Haut bef√∂rdert.

Und obwohl Rosalind als starke, belastbare, fast zähe Persönlichkeit auftritt, ist ihre Geschichte doch mit viel Emotionalität verbunden.

Carey versteht sich darin, geschickt Schl√ľsselmomente einzubauen. Diese spielen nicht nur mit der Handlung und lassen die Spannung lange knistern, sondern verteilen auch die gef√ľhlsbeladenen Szenen geschickt. Zum Beispiel wirkt der Moment genial, in dem der Drache erkennt, dass es auch liebevolle Menschen gibt, was ihm die Tr√§nen in die Augen treibt. Perfekt platziert und wundervoll dargestellt.

‚ÄěDrachenkuss‚Äú ist ein Phantasieroman voller entdeckungsw√ľrdiger Einzelheiten, Charaktere und Augenblicke. Eine Geschichte, die s√ľchtig macht und besonders f√ľr Leserinnen geeignet ist, die sich Liebesschnulzen entziehen m√∂chten.


Janet Lee Carey: Drachenkuss.
Kosmos, April 2008.
372 Seiten, Hardcover, 16,95 Euro.

Sabrina Greifenhofer

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