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Charlotte Roche: Feuchtgebiete
Jetzt bestellen bei amazon.de! Pornographie lebt seit jeher davon, am Grat zwischen Lust und Abscheu entlangzuspazieren und mal in diese, mal in jene Richtung ihren lasziven Blick zu werfen. Dabei zieht das, was man öffentlich am Abstoßendsten findet, gewöhnlich im stillen Kämmerlein am meisten an.
Ob es diese gewinnversprechende Einsicht war, die Charlotte Roche dazu getrieben hat, ihr „Sex-Buch“ (BILD) zu Papier zu bringen, oder ob da vielleicht eine schwelende Wunde einem hochsensiblen Geist einfach keine andere Wahl zur Genesung gelassen hat, kann wohl allerhöchstens die Autorin selbst beantworten. Die wollen wir aber nicht befragen, denn auf dem aufreizenden dunkelrosa Cover mit dem vielsagenden Heftpflaster drauf steht „Roman“, und dieser sollte für sich selbst sprechen.

Das, wie ich meine, tut er auch, in der authentischen Sprache einer 18-jährigen Rebellin namens Helen, die aufgrund einer Analfissur auf der Internen Abteilung des städtischen Krankenhauses liegt. Natürlich kommt so eine Verletzung nicht von ungefähr. Helen ist mit sämtlichen Intimregionen ihres Körpers auf du-und-du, lässt ihren Schambereich am liebsten von einem Äthiopier rasieren, den sie am Gemüsemarkt kennengelernt hat und kann sich trotz ihres zarten Alters über ein fades Sexualleben wahrlich nicht beklagen. Um ihr „Poloch“ oder auch „Arschloch“ für diverse, im Roman genauest beschriebene, Liebespraktiken attraktiv zu halten, rasiert sie sich eben auch dort. Und dabei passierte das Missgeschick, das in weiterer Folge auch noch zu einer gefährlichen und überaus schmerzhaften Entzündung führte.

Während Helen ihre Zeit im Spital damit verbringt, in Wort und Tat mit dem von ihr verabscheuten Hygienewahn aufzuräumen (z.B. Regelblut auf Liftknöpfen, „Muschischleim“ auf Klobrillen zu verteilen), sowie mit offenen Fragen nach sämtlichen Details Ärzte und Pflegepersonal peinlich zu berühren, erhält der Leser nebst promiskuitiven Einblicken auch Ahnung von der in den Grundfesten zerrütteten Familiensituation der Abiturientin. So sieht sie es als ihre töchterliche Pflicht, die getrennt lebenden Eltern an ihrem Krankenbett wieder zusammenzuführen. Was sich als schwieriger als zuerst angenommen erweist. Erst gegen Ende stellt sich eine vage Gewissheit darüber ein, ob die Tragödie, die Helen einst als Kind in letzter Sekunde verhindern konnte, bloß ein böser Alptraum war oder doch beinahe passiert wäre: „Die haben alle gehofft, dass ich das vergesse. So was kann man nicht vergessen. Durch ihr Schweigen ist es für mich immer größer geworden.“ Als gäbe es für Helen nicht ohnehin schon genug zu tun auf ihrer Mission für die Rettung des lebenswerten Lebens, verliebt sie sich auch noch Hals über Kopf in den sympathischen Pfleger Robin.

Es sind jene zarten Anklänge, die in deutlichem Kontrast zur leicht pornolastigen Ausdrucksweise der Protagonistin dieser eine erfreuliche und auch notwendige Vielschichtigkeit verleihen. Der Roman ist eine Abrechnung mit sämtlichen Tabus einer in Sprache und Lebensweise sterilen Gesellschaft. Dass er dabei in die Extreme muss, um das Mittelmaß zu treffen, liegt auf der Hand. Und eben jene Deftigkeit sollte daher nicht – wie vielfach passiert – verteufelt, sondern als unumgänglich erkannt werden. Charlotte Roche hat es meisterhaft verstanden, das heiße Eisen mit festem, nur vordergründig derbem Griff zu packen, ohne den Roman zur eingangs erwähnten billigen Pornographie verkommen zu lassen.

Charlotte Roche: Feuchtgebiete.
Dumont-Verlag, Februar 2008.
220 Seiten, gebunden, 14,90 Euro.

Daniel Kindslehner

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