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Lynn Raven: Werwolf
Jetzt bestellen bei amazon.de! Die Pyrenäen im Jahres des Herren 1765. Unheimliches, Beängstigendes passiert in der Provinz, fern von des Königs Herrschaftssitz zu Paris.
Menschen, einfache Bauersleut, Männer, Frauen und Kinder werden aufgefunden – tot!
Ihr Bauch ist aufgerissen, ihre Innereien angefressen. Ein Tier geht um, ein grosses, den Wunden nach zu urteilen. Man vermutet einen Wolf, einen grossen, einen riesigen Wolf.

Der junge André, Ziehsohn und Sekretär des Bischofs zu Tarbes wird ausgesandt, den Vorgängen auf den Grund zu gehen.
Im Jagdschloss des Compte d´Abrâigne wird er standesgemäss empfangen, und bekommt im Jagdaufseher Chastel einen versierten, ortskundigen Führer zugeteilt.

Die bestialischen Morde hören nicht auf, mehr noch, auf ihren Streifzügen stossen die beiden ungleichen Männer auf ein Wesen, das Kugeln nicht ernsthaft verletzen, das zwar wolfsähnlich, aber viel zu gross und zu intelligent ist.
Ein Werwolf, ein Loup-Garou geht um, doch der Compte will von dem Verdacht nichts wissen. Im Verlauf der Ermittlungen stellt sich heraus, dass der Compte und seine mächtigen Freunde ein sehr persönliches Interesse mit den Werwesen verbindet, doch auch André hat so seine Geheimnisse und Methoden dem mordenden Wesen nahezukommen – wenn da nicht noch eine faszinierende Frau mitspielen würde ...


Lynn Raven hat mit vorliegendem Roman den Auftakt eines eigenen Zyklusses um die Loup-Garou vorgelegt. Ähnlich wie Markus Heitz in seinem Zweiteiler »Ritus« und »Sanktum« nutzt sie die reale Vorgabe eines Frankreich im 18. Jahrhundert heimsuchenden Mörders – eines vermeintlichen Werwolfes – als Ausgangspunkt für ihre Saga.

Damit aber sind die Gemeinsamkeiten auch bereits aufgezählt, Raven geht ganz eigene Wege.

Zum Einen berichtet sie uns auch in Details stimmig und überzeugend von den Zuständen der damaligen Zeit. Die relativ rechtlosen Bauern, die geknechteten Diener, sie alle stehen unter der Fuchtel des korrupten, vergnügungssüchtigen Adels. Was diese und ihre Protegés auch wollen, ihr Wort ist Gesetz. Dafür aber sind sie, zumindest theoretisch dafür zuständig Gefahren von ihren Untergebenen und Leibeigenen abzuwehren.
Insoweit ist die Jagd nach dem Mörder ihr Gebiet, und dass sie es nur zu gerne ihren Untergebenen delegieren nachvollziehbar.
Zum Anderen führt Raven mit André einen im Verlauf der Handlung immer vielschichtigeren Helden ein.
Zu Beginn kommt er uns noch reichlich naiv und verschüchtert vor, doch die Ereignisse, und die behutsame Aufdeckung seiner Historie, seines Fluchs und natürlich seine Anfälligkeit gegenüber der holden Weiblichkeit machen ihn sympathisch, ja wecken nur zu oft unser Mitleid. Gar übel hat ihm das Schicksal mitgespielt. Seine Eltern ermordet, von Freunden und Verwandten vergessen und verraten, wem kann er trauen, ist es nicht einfacher sich zu fügen und dafür relativ luxuriös zu leben – Fragen, die sich ihm im Verlauf der Handlung stellen.

Hier geht es um Eigenverantwortung, um Korrumpierbarkeit und um Vertrauen. Doch diese durchaus tiefsinnigen Fragen sind in einer Handlung verborgen, die so manchen unerwarteten Schwenk ausführt, die überrascht und spannend unterhält. Stilistisch unauffällig, inhaltlich packend wenn auch für meinen Geschmack ein paar Mal zu oft der Zufall zu Hilfe eilt liegt ein Auftakt vor, der seine Leser sicherlich finden wird, der den Mythos Werwolf nicht verklärt, sondern den Werwesen ihre tierische Komponente lässt und Appetit macht auf die Fortsetzungen.

Lynn Raven: Werwolf.
Ueberreuter Verlag, August 2008.
243 Seiten, Hardcover, 14,95 Euro.

Carsten Kuhr

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