Der himmelblaue Schmengeling
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Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Hauke Lindemann: Bote ins Jenseits
Jetzt bestellen bei amazon.de! Thore Kamp ist das, was man einen Vorzeigekarrieristen nennt. Anfang dreissig, strebsam, immer pünktlich, allseits beliebt und geachtet und allen Lastern gegenüber abhold, geht er ganz in seinem Beruf auf. Jeden Morgen kommt er eine halbe Stunde früher ins Büro, nur um seinen geliebten Tee in Ruhe trinken zu können, bevor die Kollegen lautstark seinen Arbeitsplatz bedrängen.

Eines Morgens aber merkt er, dass etwas nicht stimmt. Hat er, der Zuckerkranke seine Insulinspritze vergessen, oder ist ein heimtückischer Virus am Werk?

Hektisch setzt er sich seine Spritze, dann wird ihm schwarz vor Augen.

Als er wieder zu sich kommt, findet er sich per Fahrstuhl im Jenseits wieder. Aber denken sie jetzt bitte nicht, dass auf die Verblichenen das Höllenfeuer oder das Paradies wartet, nein eher eine bürokratisch geordnete Weiterexistenz in unterschiedlichsten Ebenen und Städten steht den Seelen offen.

Dann aber erfährt Thore, dass er eigentlich noch ein paar Jahrzehnte Lebenszeit gehabt hätte. Schlimmer noch, in seinem Abstinenzler-Blut wurden Drogen gefunden! Das kann doch nicht sein, da muss jemand nachgeholfen habe, so etwas kann er einfach nicht auf sich und seinem untadeligen Ruf sitzen lassen.

Zusammen mit einem Vergeltungsboten, kein Engel, aber ein patenter Kerl den ER mit besonderen Kräften ausgestattet hat, macht unser jüngst Verblichene sich auf, das Mysterium seines Todes zu lüften. Als Terrier verkleidet begibt sich Thore an der Seite des übernatürlichen Detektivs Gregor auf die Suche nach dem Täter – und sie treffen auf jede Menge Verdächtiger und so manche unangenehme Wahrheit ...



Ein neuer Verlag wagt sich auf das Parkett des Fantasy-Romans.

Emons, der Verlag für neue Deutsche Heimatliteratur startet sein neues Segment mit einem Roman, der gut ins Verlagsprogramm passt. Mit viel kölschem Lokalkolorit ausgestattet offeriert uns der Autor eine Fantasy-Komödie der gängigen Art.

Äusserlich kommt das etwas grössere Taschenbuch uns sorgfältig verarbeitet daher. Das Titelbild eines Engels mit grünen Flügeln trifft den Inhalt zwar nicht so recht, ist aber stimmungsvoll und macht auf das Buch neugierig. Druck und Bindung sind sauber.

Eine Seele, die, bevor sie im Jenseits Ruhe oder eine neue Bestimmung finden kann, auf die Suche nach dem Mörder ihres Körpers geht, das kennen wir. Hollywood hat sich des Themas angenommen, und auch in Autorenkreisen erfreut sich das Topic durchaus einiger Beliebtheit.

Wie schon öfters ausgeführt, habe ich es mir zur gängigen Übung gemacht, Bücher, die mich nach 40 bis 50 Seiten nicht gepackt haben aus der Hand zu legen.
Nach den ersten zwanzig Seiten war ich kurz davor, den Roman in die Ecke zu pfeffern. Gestelzte Dialoge, stereotype Figuren, eine uninteressante Handlung, da war mir meine Zeit - fast - zu schade. Doch dann las ich die nächsten 30 Seiten, und plötzlich, oh Wunder, besserte sich der Stil, und der Plot nahm Fahrt auf.

Mit zunehmender Dauer zeigte sich der Text immer flüssiger, begannen die Personen Leben anzunehmen.
Mit viel augenzwinkerndem Humor muss unser ach so beliebter Verblichener so manche unliebsame Wahrheit über sich und sein Leben akzeptieren. Mit Witz, Selbstironie und einer durchaus interessanten Detektivhandlung gewürzt bot das Buch dann doch noch eine interessante Lektüre.

Natürlich geht es vordergründig darum, den oder die Täter zu entlarven und der Gerechtigkeit zu überführen. Aber es geht mindestens ebenso darum aufzuzeigen, wie sich Selbsteinschätzung und das Bild, das unsere Umwelt, die Kollegen und Freunde von uns haben sich unterscheiden. Dabei wird sehr deutlich, dass der Mensch es regelrecht perfektioniert hat, sich selbst etwas vorzumachen. Jeder hält sich selbst für den grossen Zampano, findet andere, auf die er herunterschauen, die er niedermachen kann. In Leidensgenossen findet er Zustimmung, auch wenn diese oft nur geheuchelt ist. Diese Wahrheiten hat der Autor in eine amüsante Handlung verpackt, die nach Anfangsschwierigkeiten durchaus zu unterhalten weiss. Zwar keine grosse Literatur, aber nette Unterhaltung für ein paar Stunden.


Hauke Lindemann: Bote ins Jenseits.
Emons Verlag, August 2008.
336 Seiten, Taschenbuch, 9,90 Euro.

Carsten Kuhr

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