Der Tod aus der Teekiste
Der Tod aus der Teekiste
"Viele Autoren können schreiben, aber nur wenige können originell schreiben. Wir präsentieren Ihnen die Stecknadeln aus dem Heuhaufen."
mehr ... ] [ Verlagsprogramm ]
 SIE SIND HIER:   HOME » LESELUST » Verrückt nach Kafka IMPRESSUM
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Jetzt anmelden! ]

UNSERE TOP-SEITEN
1.) Literatur-News-Ticker
2.) Leselust
3.) Forum
4.) Mitmach-Projekt
5.) Schreib-Lust-News 6.) Ausschreibungen 7.) Wettbewerbs-Tipps
Anatole Broyard: Verrückt nach Kafka
Jetzt bestellen bei amazon.de! Mythos ”Künstlerviertel”: Seit eh und je rankten sich romantische Legenden um Maler und Poeten, die in schäbigen Altbaubuden mit Außenklo und Kohleofen hausten, meist mit leeren Taschen, aber immer voller phantastischer Ideen. Die ”Boheme” begriff Kunst und Leben stets als Experiment, und nicht wenige wichtige Impulse in Dichtung und Malerei nahmen hier ihren Ausgang. Man denke z.B. an das Schwabing der Jahrhundertwende, beschrieben in den leider vergessenen ”Namen und Menschen” von Erich Mühsam, oder bekannter, das Paris der 20er Jahre in Hemingways ”Fest fürs Leben”. Auch Greenwich Village im Süden Manhattans zehrt noch heute von dem Ruf, viele Berühmtheiten hervorgebracht zu haben. Eine davon ist Anatole Broyard, fast zwanzig Jahre lang Herausgeber und Literaturkritiker der New York Times. 1988, zwei Jahre vor seinem Tode, entschloß er sich, seine Erinnerungen an die kurze, aber intensive Zeit im Village aufzuzeichnen.

Alles beginnt im Jahre 1946, als Broyard, der im Krieg in Japan stationiert war, nach New York zurückkehrt. Die Aufbruchstimmung, die damals herrschte, begeisterte ihn und viele seiner Zeitgenossen. Endlich konnte man sich nach den Entbehrungen der Kriegsjahre wieder der Kunst, den Büchern und der freien Liebe hingeben. “Die Nachkriegstage waren wie ein großes Lächeln in der düsteren Geschichte der Stadt.” Gleichzeitig emigrierten viele deutsch-jüdische Intellektuelle in die USA, die Psychoanalyse boomte. Wer etwas auf sich hielt, besuchte an der Uni Vorlesungen von Karen Horney oder Erich Fromm. Broyard ist von Anfang an mittendrin, als er sich bei der Malerin Sheri Donatti, einer Freundin von Anais Nin, einmietet. Eine spröde Liebesgeschichte zieht sich durch den ersten Teil des Buches: Anfangs angezogen von Sheris sexueller Freizügigkeit, verläßt er sie schließlich, als ihre Hyperempfindlichkeit und ihre exzentrischen Eskapaden überhand nehmen. Er eröffnet einen Buchladen. Zu Büchern hatten die Künstler des Village ein geradezu libidinöses Verhältnis: “Mir ist klar( ),daß es auch heute noch Büchernarren gibt, aber was wir 1946 im Village für Bücher empfanden( )ging über Liebe hinaus.” Kafka war Kult, auch wenn nicht alle ihn gelesen hatten. Damals noch wenig bekannte Dichter wie Dylan Thomas und William Gaddis trieben sich in den Kneipen und auf den Parties des Viertels herum.

Sex war das andere zentrale Thema. Man propagierte ein ungezügeltes Liebesleben und scheiterte in der Praxis oft an der eigenen Schüchternheit und der Prüderie der damaligen Gesellschaft, in der schon ein Filmkuß einen Skandal auslösen konnte.

Broyard schreibt aus der Distanz, aus der Sicht eines alten Mannes, der sich in den Erzählungen selber zurücknimmt, um seinen Freunden und Zeitgenossen größere Auifmerksamkeit zu widmen. Knapp und präzise, oft mit leiser Ironie, schildert er eigenwillige Menschen und Situationen und vermeidet weitschweifige Erklärungen. Aufs Wesentliche reduziert, gewinnt der Text in der Phantasie des Lesers an Kontur. Der Erzählstil ist flüssig, pointiert und nie angestrengt. Dies alles macht “Verrückt nach Kafka” nicht nur zu einem Zeitdokument, sondern auch zu einem Stück Literatur.

Anatole Broyard: Verrückt nach Kafka.
Berlin Verlag, Berlin, 2001.
192 Seiten, gebundenes Buch.

Susanne Tank

Wie hat Ihnen diese Rezension gefallen? Schreiben Sie uns!
Name:


E-Mail:


Auf welches Buch beziehen Sie sich?


Text:

ANZEIGEN
Das Buch Verrückt nach Kafka von Anatole Broyard jetzt bestellen bei:
Jetzt direkt bei amazon.de bestellen! Jetzt direkt bei bol.de bestellen! Jetzt direkt bei buch.de bestellen! Jetzt direkt bei buecher.de bestellen! Jetzt direkt bei libri.de bestellen! Jetzt direkt bei thalia.de bestellen!
 LINKTIPPS: Naturwaren Diese Website wird unterstützt von:

www.mswaltrop.de
Copyright © 2006 - 2017 by Schreiblust-Verlag - Alle Rechte vorbehalten.