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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Anatole Broyard: VerrĂŒckt nach Kafka
Jetzt bestellen bei amazon.de! Mythos ”KĂŒnstlerviertel”: Seit eh und je rankten sich romantische Legenden um Maler und Poeten, die in schĂ€bigen Altbaubuden mit Außenklo und Kohleofen hausten, meist mit leeren Taschen, aber immer voller phantastischer Ideen. Die ”Boheme” begriff Kunst und Leben stets als Experiment, und nicht wenige wichtige Impulse in Dichtung und Malerei nahmen hier ihren Ausgang. Man denke z.B. an das Schwabing der Jahrhundertwende, beschrieben in den leider vergessenen ”Namen und Menschen” von Erich MĂŒhsam, oder bekannter, das Paris der 20er Jahre in Hemingways ”Fest fĂŒrs Leben”. Auch Greenwich Village im SĂŒden Manhattans zehrt noch heute von dem Ruf, viele BerĂŒhmtheiten hervorgebracht zu haben. Eine davon ist Anatole Broyard, fast zwanzig Jahre lang Herausgeber und Literaturkritiker der New York Times. 1988, zwei Jahre vor seinem Tode, entschloß er sich, seine Erinnerungen an die kurze, aber intensive Zeit im Village aufzuzeichnen.

Alles beginnt im Jahre 1946, als Broyard, der im Krieg in Japan stationiert war, nach New York zurĂŒckkehrt. Die Aufbruchstimmung, die damals herrschte, begeisterte ihn und viele seiner Zeitgenossen. Endlich konnte man sich nach den Entbehrungen der Kriegsjahre wieder der Kunst, den BĂŒchern und der freien Liebe hingeben. “Die Nachkriegstage waren wie ein großes LĂ€cheln in der dĂŒsteren Geschichte der Stadt.” Gleichzeitig emigrierten viele deutsch-jĂŒdische Intellektuelle in die USA, die Psychoanalyse boomte. Wer etwas auf sich hielt, besuchte an der Uni Vorlesungen von Karen Horney oder Erich Fromm. Broyard ist von Anfang an mittendrin, als er sich bei der Malerin Sheri Donatti, einer Freundin von Anais Nin, einmietet. Eine spröde Liebesgeschichte zieht sich durch den ersten Teil des Buches: Anfangs angezogen von Sheris sexueller FreizĂŒgigkeit, verlĂ€ĂŸt er sie schließlich, als ihre Hyperempfindlichkeit und ihre exzentrischen Eskapaden ĂŒberhand nehmen. Er eröffnet einen Buchladen. Zu BĂŒchern hatten die KĂŒnstler des Village ein geradezu libidinöses VerhĂ€ltnis: “Mir ist klar( ),daß es auch heute noch BĂŒchernarren gibt, aber was wir 1946 im Village fĂŒr BĂŒcher empfanden( )ging ĂŒber Liebe hinaus.” Kafka war Kult, auch wenn nicht alle ihn gelesen hatten. Damals noch wenig bekannte Dichter wie Dylan Thomas und William Gaddis trieben sich in den Kneipen und auf den Parties des Viertels herum.

Sex war das andere zentrale Thema. Man propagierte ein ungezĂŒgeltes Liebesleben und scheiterte in der Praxis oft an der eigenen SchĂŒchternheit und der PrĂŒderie der damaligen Gesellschaft, in der schon ein Filmkuß einen Skandal auslösen konnte.

Broyard schreibt aus der Distanz, aus der Sicht eines alten Mannes, der sich in den ErzĂ€hlungen selber zurĂŒcknimmt, um seinen Freunden und Zeitgenossen grĂ¶ĂŸere Auifmerksamkeit zu widmen. Knapp und prĂ€zise, oft mit leiser Ironie, schildert er eigenwillige Menschen und Situationen und vermeidet weitschweifige ErklĂ€rungen. Aufs Wesentliche reduziert, gewinnt der Text in der Phantasie des Lesers an Kontur. Der ErzĂ€hlstil ist flĂŒssig, pointiert und nie angestrengt. Dies alles macht “VerrĂŒckt nach Kafka” nicht nur zu einem Zeitdokument, sondern auch zu einem StĂŒck Literatur.

Anatole Broyard: VerrĂŒckt nach Kafka.
Berlin Verlag, Berlin, 2001.
192 Seiten, gebundenes Buch.

Susanne Tank

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