Madrigal für einen Mörder
Madrigal für einen Mörder
Ein Krimi muss nicht immer mit Erscheinen des Kommissars am Tatort beginnen. Dass es auch anders geht beweisen die Autoren mit ihren Kurzkrimis in diesem Buch.
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Sam Savage: Firmin – Ein Rattenleben
Jetzt bestellen bei amazon.de! Firmin kommt als dreizehntes und kleinstes Junges einer Bostoner Rattenfamilie auf die Welt. Von den Mutterzitzen abgedrängt, beginnt er die Bücher in seiner Umgebung anzuknabbern. Es bleibt nicht lange beim Stillen des leiblichen Hungers, sehr schnell beginnt Firmin die Bücher auch zu lesen, was er selbst mit einer Missbildung seines Gehirns erklärt. Aber er liest nicht nur, er beobachtet auch die Filme im nahegelegenen Kino. Und er verliert nach und nach den Bezug zur Realität seines Lebens. Er lebt in den Geschichten und kann auf anrührend traurige Weise seinen ausschließlich auf Literatur basierenden Idealen nicht standhalten. Er meidet jeden Spiegel, um nicht mit seinem in seinen Augen so unvollkommenen Körper konfrontiert zu werden. So erinnert er sich an seinen ersten Blick auf sich selbst mit den Worten: „Schon damals, als mein Schönheitsbegriff über Tenniels Illustrationen zu Alice im Wunderland noch nicht hinausreichte, wusste ich ganz genau, das da war hässlich.“ Firmin betreibt eine Form von Eskapismus, der Don Quichote hinaus zu den Windmühlen trieb und er ist eine ebenso tragische Figur, wenn er auch mit seinen Träumen anders umgeht. Firmin sucht nie, außer in seinen Gedanken und Vorstellungen, den Helden seiner Bücher nachzueifern. Seine Realitätsferne ist eine andere, die auf umfassender Bildung beruht und doch das Leben nicht kennt. Sind doch die einzigen gegengeschlechtlichen Träume, die er hegt, nicht etwa auf Rattenweibchen bezogen, sondern auf die „Engel“ in den erotischen Filmen, die nachts im nahegelegenen Kino laufen.

Das kann nicht befriedigend sein, auch nicht für eine Ratte: „Das Leben langweilte mich, Literatur langweilte mich, sogar der Tod langweilte mich. Bloß mein kleiner Flügel langweilte mich nicht, und während die Wochen dahingingen und der Buchverkauf immer schleppender und trauriger wurde, verbrachte ich die meiste Zeit damit, auf den Tasten herumzuklimpern und vor mich hin zu singen.“

Savage ist Philosoph und es ist ein ganz und gar philosophisches Buch, mit hunderten von Anspielungen auf (hauptsächlich englische) Literatur. Es geht um den Sinn des Lebens, um Moral, um Gut und Böse und was man erleben und verpassen kann.

Ein Wort noch zur Ausstattung. Auffällig ist der ungleiche Schnitt an den Buchkanten, der einem sofort das Gefühl gibt, ein viel gelesenes Buch in den Händen zu halten. Eines, wie Firmin es im Keller der Gebrauchtbuchhandlung frisst. Dazu ist das Papier ungewöhnlich dick und etwas weich. Wenn die kleine Ratte erklärt: „Papier hingegen, das begriff ich schnell, hat eine ausgezeichnete Konsistenz und manchmal auch einen annehmbaren Geschmack“, braucht es einige Beherrschung, um das nicht sofort auszuprobieren.

Firmin ist ein Buch zum öfter Lesen, ich bin überzeugt, beim zweiten und dritten Lesen noch neue Fassetten zu entdecken, überlesene Andeutungen und Symbole entschlüsseln zu können, verborgene Bilder zu entdecken. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, in zwanzig Jahren gehört es zu den Klassikern, die in jedem (englischen) Lehrplan stehen. Savage gelingt die Mischung aus spannender Erzählung und philosophischer Tiefe, die dazu taugt, noch in Jahrzehnten gelesen zu werden.

Sam Savage: Firmin – Ein Rattenleben.
Ullstein Hc, August 2008.
216 Seiten, Hardcover, 16,90 Euro.

Regina Lindemann

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