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Patrick Rothfuss: Der Name des Windes – Die Königsmörderchronik – Erster Tag
Jetzt bestellen bei amazon.de! Man nannte mich Kvothe den Blutlosen, Kvothe den Arkanen und Kvothe den Königsmörder. Ich habe mir diese Namen verdient. Ich habe sie mir erkauft, und ich habe dafür bezahlt.
In meiner Kindheit jedoch hieß ich schlicht nur Kvothe. Mein Vater sagte mir einmal, das bedeute „zu wissen“.
Man hat mich natürlich noch mit vielen weiteren Bezeichnungen belegt. Die meisten davon unflätig, nur die wenigsten unverdient.
Ich habe geraubte Prinzessinnen aus den Händen schlafender Unholde befreit. Ich habe die Stadt Trebon niedergebrannt. Ich habe eine Nacht mit Felurian verbracht, und es hat mich weder das Leben noch den Verstand gekostet. Ich wurde von der Universität verwiesen, in jüngerem Alter als die meisten Leute dort zugelassen werden. Ich wandele im Mondschein auf Pfaden, von denen andere auch bei Tage nicht zu reden wagen. Ich habe mit Göttern gesprochen, habe Frauen geliebt, habe Lieder geschrieben, bei denen selbst die Sänger in Tränen ausbrechen. Ihr habt womöglich schon von mir gehört. (Seite 79).

So stellt er sich vor, der Mann der im Mittelpunkt eines Romans steht, der seines Umfanges halber in drei Teile gesplittet wurde, und von dem Kritiker in den höchsten Tönen schwärmen.

Um was also geht es?

Wir lernen Kvorthe, den bekanntesten und berüchtigsten Magier seiner Zeit kennen, da er vor dem Ruhm oder den Alpträumen geflüchtet ist. Unter dem Namen Kote betreibt er, gerade Mitte 20 als freundlicher, aber zurückhaltender Wirt eine abgeschieden gelegene Kneipe in einem verlassen Fleck seiner Welt. Eines Tages, dunkle Wolken ziehen anhand einer Dämonenplage die auch diesen abgelegenen Landstrich heimsucht auf, kommt ein Chronist auf der Suche nach dem legendären Magier ins Gasthaus. Zunächst ziert sich unser Protagonist ein wenig, dann verlangt er genau drei Tage, seine Geschichte zu erzählen. Und so beginnt er seine so manches Mal verworrene und verwickelte Geschichte, ein Rückblick voller Stolz aber auch Verzweiflung.

Wie jede Biographie ruht auch seine Historie auf seiner Kindheit. Als Sohn fahrender Künstler, Schauspieler, Jongleure und Musiker kam der Junge schon bald in Kontakt mit den schönen Künsten. Vor klein auf lernte er die Geheimnisse und Kniffe der Schaustellerei, die Gabe und Liebe zur Musik war ihm in die Wiege gelegt , aber auch den Auftritt auf den Brettern, die die Welt bedeuten wusste er zu meistern. Als sich eines Tages ein Arkanist der fahrenden Tross anschliesst, wird der Junge, dem alles scheinbar zufliegt erstmals wirklich gefordert. Er lernt die Geheimnisse von Kräutern und Substanzen ebenso wie das logische Denken – und er kommt das erste Mal in seinem Leben in Kontakt mit einem Meister, der den Namen des Windes kennt und diesem zu befehlen weiss. Kurz darauf wird der Tross überfallen, einzig unser Junge überlebt das Massaker. Die Täter sind die sagenumwobenen Chandrians, übermenschliche, unsterbliche Wesen, deren dunkle Taten gemeinhin als Drohung für ungezogene Kinder herhalten müssen. Wer hätte gedacht, dass sie mehr als ein Kinderschreck, dass sie wirklich sind? Innerlich wie Tot flieht er in den Wald, und lebt wie ein wildes Tier von der Hand in den Mund. Nur die Laute seines Vaters, das Einzige, das ihm von seiner Familie geblieben ist, vermag ihn ein wenig zu trösten. Vor dem Winter flieht er in die nahe gelegene Küstenstadt Tarbean. Die folgenden drei Jahre darbt er als Waisenjunge, lebt mehr schlecht als recht vom Betteln und Diebstählen. Einzig sein Traum an der Universität zu studieren, und dann Rache an den Mördern seiner Eltern zu nehmen hält ihn aufrecht. In der Folgezeit begleiten wir unseren Studenten bei seinem kometenhaften Aufstieg an der Universität. Voller Selbstvertrauen, um nicht zu sagen Arroganz erklimmt er die Hürden der Wissens, schafft sich Bewunderer, aber auch tödliche Feinde. Er entdeckt seine Liebe fürs Lautenspiel wieder, verliebt sich unsterblich in eine gar flüchtige Schöne, und verletzt ein ums andere Mal die starren Regeln der Lehranstalt. Gleichzeitig aber weist er derartig überragende Lernbereitschaft auf, dass ihm Vieles, wenn auch nicht alles verziehen wird. Er übersteht Verleumdungen, Komplotte und Mordanschläge, wird zum Drachenjäger und letztlich Drachentöter und nimmt die erkaltete Spur der Candrians wieder auf ...




In den letzten Jahren haben Leser wie Kritiker immer wieder junge Debutanten in den Himmel gelobt. Sei es Susanna Clarke (Jonathan Strange & Mr Norrel), Scott Lynch (Locke Lamorra), Jonathan Stroud (Bartimäus), R. Scott Bakker (Krieg der Propheten) oder David Anthony Durham (Acacia), all diese Autoren brachten und bringen frischen Wind in ein Genre, das unter der Last der Nachahmer Harry Potters und des Herrn der Ringe stöhnt und ächzt.

Nun also wieder ein aufsehenerregendes Debut, eine Trilogie – was denn auch sonst – die die Fantasy zu neuen, alten Ufern führt.

Und Rothfuss macht das wirklich nicht ungeschickt. Dampft man seinen voluminösen Roman ein, nimmt die Essenz und schaut sie sich an, so erblickt man das altbekannte und wohl bewährte Rezept eines talentierten Jungen, der aufgrund eines tragischen Vorfalls seine Familie verliert und auszieht, nicht nur zu überleben, sondern auch um Rache zu nehmen.

Das ist so neu nicht, dass mich dieser Plot weit über 800 Seiten an das Buch kleben liesse. Doch genau das ist dem Autor gelungen.

Woran also lag es, dass ich die Seiten wie wild umblätterte? Der Weltenschöpfung als solches ist nicht unbedingt detailliert, die Figuren und ihre Zeichnung, zumindest was die Nebendarsteller anbelangt, eher uninteressant, ja fast schon stereotyp. Der reiche, eingebildete Adelige als Widerpart, die sprunghafte Geliebte, das Mauerblümchen, das sich unglücklich in unseren Helden verliebt – altbekannte Versatzstücke gängiger Epen.

Ist es die ganz eigene, und in sich überzeugend ausgestaltete Magie, die Rothfuss uns präsentiert, oder ist es der Schwung, mit dem die Geschichte uns förmlich überrollt, oder die Darstellung eines Drachen, die ich zumindest selten so überzeugend realistisch gelesen habe?

Alles zusammen und noch mehr. Rothfuss, der, glaubt man seiner Internetseite rund 14 Jahre lang an seinem Erstling gefeilt hat, hat neun Jahre studiert. Philosophie, mittelalterliche Geschichte, Theaterwissenschaft, Anthropologie und Soziologie und nicht zuletzt Englisch. Und alles, was er in diesen Jahren des Lernens aufgenommen und verinnerlicht hat, fliesst in seinen Roman, nein genauer noch in die alles beherrschende Figur des Kvothe mit ein.

Natürlich ist dieser talentiert, loyal und wissbegierig, aber er ist auch arrogant, auf sich bezogen und unbesonnen. Aber er wirkt gerade dadurch unheimlich lebendig, ja charismatisch.
Wer will sich nicht mit diesem Stehaufmännchen identifizieren, der als Bettlerwaise kaum eine Chance hatte zu überleben, und der sich dank seiner Geistesgaben aber natürlich auch dank seiner Fortune aufschwingt, seinen Gegnern das Fürchten zu lehren?

Hinzu kommt, dass Rothfuss mit seiner Sprache Bilder zu malen versteht. Wer den Prolog, besser noch den Epilog gelesen hat, der weiss, was ich meine. Hier setzt ein Autor sehr bewusst seine Worte, schafft aus Nichts Atmosphäre, rührt an innere Ängste und Hoffnungen, spielt virtuos mit Erwartungen und Überzeugungen und, und das ist das wichtigste, lässt uns 860 Seiten lang, in einer vorzüglichen Übersetzung von Jochen Schwarzer nicht aus seinem Griff.
Stilistisch herausragend wechselt er zwischen einer allwissenden Erzählperspektive die er in den Szenen der Jetztzeit einsetzt und einem Ich-Erzähler, der von seinem Leben in der Vergangenheit berichtet. Dies führt zu einer gewissen Oberflächlichkeit was die Beschreibung von Personen anbelangt und zu einer Begrenztheit, was die Darstellung der Welt anbelangt, führt aber gleichzeitig dazu, dass wir einen sehr intimen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt unseres Helden bekommen.

Selten habe ich ein solch dickes Buch mit solcher Spannung zugeklappt, wie es wohl weitergehen wird. Was kann man über ein Buch besseres sagen?


Patrick Rothfuss: Der Name des Windes – Die Königsmörderchronik – Erster Tag.
Klett-Cotta, September 2008.
860 Seiten, Hardcover, 24,90 Euro.

Carsten Kuhr

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