Zwölf ErzĂ€hlungen mit unterschiedlicher Thematik, die immer nah an den Figuren sind und die den Leser sofort mitten ins Geschehen hineinstellen. Torsten Schulz, Jahrgang 1959, ist eigentlich Drehbuchautor und Professor fĂŒr Dramaturgie in Potsdam und hat bereits 2005 den unterhaltsamen Berlinroman âBoxhagener Platzâ veröffentlicht. Seiner leichten, flĂŒssigen und oft auch humorvollen ErzĂ€hlweise bleibt er in seinen Geschichten treu, doch immer findet sich zwischen den Zeilen auch etwas Tragisches, Dinge, die verdrĂ€ngt wurden, kommen an die OberflĂ€che, weltpolitische Ereignisse wie Krieg und deutsche Teilung spiegeln sich in alltĂ€glichen Begebenheiten. In âEin gutes Tandemâ schlĂŒpft der Autor in die Rolle eines Journalisten, der nach der Wende ĂŒber eine psychiatrische Klinik in der DDR recherchiert. Als Jugendlicher arbeitete er dort als Hilfskraft in den Ferien, lernte einen Arzt und eine Oberschwester kennen, deren tragische Verstrickung ihm erst jetzt bewusst wird. In âKinoâ fĂ€ngt alles harmlos-jetztzeitig an: Frauenheld Robert sitzt im Mauerpark, um mal wieder eine Frau aufzureiĂen. Sein Opfer ist diesmal Lisa, und die lĂ€st sich auch gleich ins Kino abschleppen. Doch auf dem Wege dahin kommt ein Anruf: Lisas GroĂmutter liegt im Sterben. Robert begeleitet Lisa und steht unbeholfen daneben, wie sie mit ihrer Familiengeschichte konfrontiert wird. Die GroĂmutter war aktive Kommunistin und wurde von der Familie gemieden. Was haben sie, die Nachgeborenen, damit zu tun? Doch gerade darĂŒber kommen sich die beiden nĂ€her...Ebenso begegnen sich in âEine glatte Einsâ zwei sehr unterschiedliche Menschen, beide aus dem Osten, bei einer Wohnungsbesichtigung. Eine Story, die eher verstört- Ă€hnlich wie âRollschuhlaufenâ: Ein Mann besucht seinen alten Vater, der die Familie einst wegen einer schönen RollschuhlĂ€uferin verlieĂ, die er als Junge oft vom Fenster aus beobachtet hatte, und nun sieht er sie als alte, kranke Frau wieder. Eher heiter-ironisch geht es in der titelgebenden Geschichte zu: Der junge Student Thomas hat sich bei einer vietnamesischen Hure eine Filzlausinfektion geholt, die er nun an seine Angebetete Nicole weitergibt. Die hat wiederum ein VerhĂ€ltnis mit einem amerikanischen Dozenten, der pausenlos ĂŒber die Revolution in Kuba faselt und aussieht wie Che Guevara. Doch Sam ist weltweit unterwegs und alles andere als treu. Eine âKettenreaktionâ mit ungeahnten Folgen...
Zwölf Stories, die man gerne liest, weil es dem Autor scheinbar spielend gelingt, Tiefgang und Leichtigkeit miteinander zu verbinden.