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Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns (1963)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Ein Mann sitzt in seiner Wohnung und betrinkt sich, während er telefonisch mit seinem Lebensumfeld abrechnet. Das Ganze in wenigen Stunden, schließlich steht er auf, schminkt sich das Gesicht zu einer bleichen Maske und begibt sich zum Bahnhof, setzt sich auf „die dritte Stufe von unten“, legt seinen Hut neben sich und greift zur Gitarre. Der Mann ist Clown, offizielle Berufsbezeichnung „Komiker“, und er hat alles verloren, wofür es sich aus Sicht der anderen zu leben lohnt. Und doch hat er viel gewonnen: sich selbst.

Hans Schnier, 27-jähriger Clown und bekennender Agnostiker, hat die Höhepunkte seiner Karriere bereits hinter sich gebracht. Seit Marie, seine einzige große Liebe, zugunsten eines katholischen Kreises inklusive heiratswilligem Vorzeigechristen aus seinem Leben verschwunden ist, arbeitet der talentierte Pantomime konsequent an seinem steilen Absturz aus der Kabarettszene. Schnaps, die Vernachlässigung seiner Übungsstunden sowie eine schwere Melancholie tragen wesentlich zur Agonie des Ich-erzählenden Protagonisten bei. Hinzu kommen finanzielle Nöte, die den in Geldangelegenheiten beispiellos hilflosen Künstler soweit erniedrigen, dass er Bekannte und Verwandte anbettelt. Diese allerdings begegnen seiner Lebenssituation mehrheitlich verständnislos, was den Dahinvegetierenden nicht einmal verwundert: „Ich glaube, es gibt niemanden auf der Welt, der einen Clown versteht, nicht einmal ein Clown versteht den anderen [...]“ Schniers Problem ist sein unbestechlicher Charakter und seine allzuvieles durchschauende Intelligenz. Unbequeme Fragen hat man im Dünkel der konfessionsgebundenen Gläubigen nicht so gern, zumal hier einer fragt, der es eigentlich besser weiß und dies auch zeigt. Dass man ihm die Liebe seines Lebens abtrünnig gemacht hat, macht die Glaubensangelegenheit für den Ungläubigen zu einer persönlichen, denn er kann und will nicht glauben, dass Marie aus gänzlich freien Stücken ihre „Barmherzigkeit“ seinem Wesen gegenüber gegen die von ihm verhasste Dogmatik der Heuchler eingetauscht hat. Und doch weist alles darauf hin.

„’Sie mischen sich seit Jahren in meine persönlichsten Dinge ein’“ lautet ein Vorwurf Schniers an eines seiner katholischen Feindbilder, und das Lachen des anderen geht in ein Hüsteln über. Immer hat Schnier am Telefon das letzte Wort, dem allem Anschein nach nichts mehr hinzuzufügen bleibt. Ehemals offenkundig überzeugte Nazis werden ausgerechnet vom Clown als die wahren Kriegsprofiteure, klerikale Prediger der Liebe als berechnende Zyniker demaskiert. Aus der Lebenslüge webt sich die Larve, die Schnier aufsetzt, wenn er seine Nummern spielt. Die eigene Substanz, die dahinter bleibt, droht ihm allerdings verloren zu gehen.

Heinrich Bölls meistdiskutierter, vielfach verdammter und mehr noch gelobter Gesellschaftsroman aus dem Jahr 1963 vereint zahlreiche Aspekte, die das Werk in den Rang von Weltliteratur heben: eine klare, unprätentiöse Sprache, ein gehöriger Sinn für Humor und Ironie, eine merk- und diskussionswürdige Liebesgeschichte, vor allem aber eine Opportunismuskritik, die – überthematisch betrachtet – über die vergangenen Jahrzehnte eher noch aktueller geworden ist. Nicht zuletzt jedoch ist es die Person des Clowns, welche im Lauf der Erzählung an sich und der Welt verzweifelt, poltert und klagt, allem und jedem eine traurige, zugleich aber urkomische Seite abgewinnt und schließlich doch – entgegen den eigenen Vorstellungen – im besten Sinne zu dem wird, was nach Ansicht diverser Autoritäten im Roman einen Mann ausmacht: „jemand, der sich abfindet“.

Heinrich Böll: Ansichten eines Clowns (1963).
Kiepenheuer & Witsch, September 2002.
282 Seiten, gebunden, 14,90 Euro.

Daniel Kindslehner

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