Das alte Buch Mamsell
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Peggy Wehmeier zeigt in diesem Buch, dass Märchen für kleine und große Leute interessant sein können - und dass sich auch schwere Inhalte wie der Tod für Kinder verstehbar machen lassen.
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Markus Zusak: Der Joker
Jetzt bestellen bei amazon.de! Wer mich so überzeugt, wie es Markus Zusak mit seiner »Bücherdiebin« gelungen ist, der hat es auch verdient, dass ich mindestens noch ein Buch von ihm lese. Ich schraubte meine Erwartungen jedoch zurück, denn »Der Joker« erschien bereits vor »Die Bücherdiebin« und Autoren – das sollte so sein – steigern sich (manchmal) von Buch zu Buch.
Obwohl »Der Joker« mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, klappte ich vorsichtig den Buchdeckel auf und ließ mich misstrauisch auf das Spiel ein.

Ed ist der typische Verlierertyp, er hat die Schule abgebrochen, seine Mutter ist ein Vorbild – was Schimpfwörter betrifft, der Vater war ein Säufer – jetzt ist er tot. Er hat keine Ausbildung, arbeitet als Taxifahrer, liebt Audrey, hat Probleme mit Sex, liest gerne und vegetiert ein bisschen vor sich hin. Bis zu dem Tag, als er einen Bankräuber stellt. Kurze Zeit später findet er eine Spielkarte in seinem Briefkasten mit drei Adressen und Uhrzeiten darauf – kein Datum.
Die Karte beschäftigt ihn sehr, es scheint, als klammere er sich an etwas, das seinem Leben einen neuen Drall geben könnte. Obwohl es ihm Angst macht, begibt er sich zum genannten Zeitpunkt zur ersten Adresse. Hier erwartet ihn kein Geschenk – im Gegenteil. Eine Frau wird von ihrem betrunkenen Ehemann vergewaltigt. Immer und immer wieder. Und das sechsjährige Mädchen sieht weinend zu.
Ed ist entsetzt, er will sie trösten, das Mädchen und die Frau. Doch er ahnt, nein er weiß, dass er sich um den Mann kümmern muss. Aber Ed ist kein Held. Ed ist unentschlossen. Also wartet er ab und fährt einige Tage später zu der zweiten Adresse, die auf der Karte steht.
Hier trifft er nicht auf ein Verbrechen, sondern auf eine einsame alte Frau.
Ed weiß nicht, wer ihm die Karte geschickt hat, und doch nimmt er sie als Herausforderung an und stellt sich den Aufgaben, die in den Straßen auf ihn warten.

Doch jemand weiß davon, spioniert ihm nach und während er noch ein gutes Gefühl hatte, der alten Frau die Einsamkeit vertrieben zu haben und einem jungen Mädchen (fast) zum Sieg, erwischt es ihn eiskalt: Er erhält einen Anruf – der Fremde weiß alles und schlimmer: Es sollte nicht der letzte Anruf und nicht die letzte Herausforderung sein. Ed erhält drei weitere Spielkarten, eine Waffe, Besuch …und der bringt keinen Kuchen mit.
Wer sind die Auftraggeber, die Eds Welt auch mit Waffen und Fäusten, manchmal mit Kuchen und Geschenken verbessern wollen und Ed dafür auserkoren haben? Wir Ed diese Aufgabe überstehen und daraus seine Lehren ziehen? Und wer ist der Strippenzieher?


Die ersten Seiten – trotz des Banküberfalls – tröpfeln ein bisschen dahin, das näher bringen der Charaktere zieht sich, doch sobald die erste Karte auftaucht, wird das Buch interessant.
Interessant. Nicht spannend, keine Action, nicht dramatisch oder hochgradig emotional. Und dennoch so interessant, dass ich wissen wollte, wie »Der Joker« endet. Nicht zuletzt, weil manche Szenen Gänsehautcharakter haben und ein seliges Lächeln auf meine Lippen zauberten.
Ed erzählt, als würde er in ein Tagebuch schreiben – ohne zu labern, auszuführen, zu lamentieren oder zu beschreiben. Er erzählt nicht, er berichtet und das schnell, manchmal stakkatoartig:
»Wir starren quer über den Tisch.
Einander an.
Nur ganz kurz.«


Dazu setzt er köstlich-witzige und authentische Dialoge, dass es Spaß macht den vier Freuden: Ed, Ritchi, Marv und Audrey durch den 444 Seiten Roman zu folgen.
Und manchmal pflanzt er poetische Sätze, die er später in »Die Bücherdiebin« häufiger gewählt hat.

Und das Ende sollte ganz genau gelesen werden, um es zu verstehen. Auch für Autoren durchaus lehrreich!


Fazit: »Der Joker« wird zwar als Jugendbuch deklariert, ist aber so tiefsinnig und für unsere Zeit wichtig, dass es schnell in die Ecke der Erwachsenliteratur geschoben werden muss. Der Roman ist anders, die Geschichte ist besonders, die Idee interessant, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob Markus Zusak, das Ende am Anfang schon wusste, denn es wirkt ein bisschen, als wäre ihm nichts anderes eingefallen. Aber das ist auch der einzige Schwachpunkt.

Markus Zusak: Der Joker.
Cbt, November 2008.
400 Seiten, Taschenbuch, 7,95 Euro.

Nicole Rensmann

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