Gruselig geht's in unserer Horror-Geschichten- Anthologie zu. Auf Gewalt- und Blutorgien haben wir allerdings verzichtet. Manche Geschichten sind sogar witzig.
Susanne Püschel: Der Zeitenwandler – und das magische Pergament
Jeder Bücherliebhaber in der Umgebung kennt ihn: den Bücherflohmarkt von Düsseldorf. Hier beginnt Jos Zeitreise ins Jahr 1711 in die Küche des Schlosses von Düsseldorf. Dort ist er der Küchenjunge Johannes, dessen Lohn seine Familie ernähren muss, solange der Vater krank ist. Gemeinsam mit seiner Freundin Marie versucht er gleichzeitig, das Geheimnis der seltsamen Geräusche und Vorkommnisse im Schloss aufzuklären.
Das Buch bietet eine liebevolle Beschreibung der Verhältnisse des 16. Jahrhunderts, aufbereitet für Jugendliche und – beim gemeinsamen Lesen mit den Eltern – auch Kinder. Lokalitäten, historische Personen und Gebrauchsgegenstände sind angenehm unauffällig durch Fußnoten erläutert. Sehr witzig fand ich den Beo, der mitten im 16. Jahrhundert Werbesprüche und allseits bekannte Sätze des 20. Jahrhunderts von sich gibt, die so aus dem Zusammenhang gerissen ganz neue Bedeutungen gewinnen. Ernste Stellen wie der Unfall von Johannes Vater wechseln sich mit sehr humorvollen wie die Beschreibung des eingekerkerten Italieners über die Ursprünge seiner Goldherstellung ab.
Das einzige Manko des Buches ist seine schwierige Einordnung. Für jüngere Kinder ist es zu ernsthaft, für ältere Jugendliche werden die Probleme mit gar zu leichter Hand gelöst. Davon abgesehen macht es einfach Spaß, Johannes zu beobachten, der in seiner Zeit verankert ist und doch immer wieder von Gedanken an moderne Erfindungen heimgesucht wird. Ein schönes Gedankenspiel darüber, wie es wäre, wenn wir manche Dinge einfach nicht erfunden hätten.
Susanne Püschel: Der Zeitenwandler – und das magische Pergament.
Droste, August 2008.
159 Seiten, Hardcover, 12 Euro.