Der himmelblaue Schmengeling
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Glück ist für jeden etwas anderes. Unter der Herausgeberschaft von Katharina Joanowitsch versuchen unsere Autoren 33 Annäherungen an diesen schwierigen Begriff.
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Heinrich Mann: Professor Unrat (1905)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat.

So beginnt Heinrich Manns Roman. Schon die Beschreibung des Professors liest sich wie eine Karikatur. Er ... „sandte schief aus seien Brillengläsern einen grünen Blick, den die Schüler falsch nannten, und der scheu und rachsüchtig war: der Blick eines Tyrannen mit schlechtem Gewissen, der in den Falten der Mäntel nach Dolchen späht. Sein hölzernes Kinn mit dem dünnen, graugelben Bärtchen daran klappt herunter und hinauf. Er konnte dem Schüler, der geschrien hatte, ‚nichts beweisen‘ und musste weiterschleichen auf seinen mageren, eingeknickten Beinen und unter seinem fettigen Maurerhut.“
Raat tyrannisiert seine Schüler, quält sie monatelang mit der Johanna von Orleans, lässt eine ganze Gruppe sitzen bleiben, weil sie „Unrat“ gerufen hat; er hasst Schüler, weil er schon drei aus der Familie gehabt hat; ja, eigentlich hasst er die ganze Stadt, weil jeder durch seine Hände ging.
Seine besonderen Feinde sind Lohmann, der ihn spürbar verachtet, der adelige von Ertzum, und Kieselack, „ein mausgraues, unterworfenes und heimtückisches Wesen“.
In Lohmanns Heft schließlich findet Unrat Kritzeleien über eine gewisse Künstlerin Rosa Fröhlich. Als er mitbekommt, dass die drei Schüler den „Blauen Engel“ frequentieren und mit der Barfußtänzerin schäkern, legt er ihr zunächst nah, die Stadt zu verlassen. Als das nicht gelingt, rächt er sich auf andere Art: er macht sich an Rosa Fröhlich heran, damit sie das Interesse an den Schülern verliert. Dabei verfällt er ihr mehr und mehr, der schmuddelige Professor Unrat. Er beginnt, im Unterricht nachlässig zu werden, sitzt übernächtigt am Katheder, nur noch Rosa im Kopf. Schließlich fliegt er von der Schule und lebt mit Rosa zusammen, wird ihr Kuppler und Spielbankhalter, heiratet sie gar und überhäuft sie mit Geschenken. Nachdem er pleite geht, kommt die ganze Stadt in sein Haus zum „Unterricht“ - der sich im Nebenzimmer mit Rosa abspielt.
Als nach zwei Jahren Lohmann mit einem Batzen Geld bei Rosa sitzt, um ihre Schulden zu begleichen, rastet Unrat aus, er kann es nicht verwinden, dass nach all seinen Mühen der Schüler Lohmann gewinnen soll, reißt das Geld an sich, versucht, Rosa zu erwürgen und wird verhaftet. Und die ganze Stadt bricht in Jubel aus, vergessen sind die vielen Schäferstündchen bei Rosa.

In diesem satirischen Roman hält Heinrich Mann der wilhelminischen Gesellschaft einen Spiegel vor. In seiner Heimatstadt Lübeck wurde das Buch entweder totgeschwiegen, oder schlecht gemacht, zu viele mussten sich wieder erkannt haben. Der Tyrann Unrat, der meint, die moralische Instanz zu sein, die über allen steht, fällt tief. Und seine zahlreichen Feinde, all die Männer, die zum „Unterricht“ kamen, die Paare, die er auseinander brachte, die triumphieren und gönnen ihm den Fall von ganzem Herzen.
Von der Sprache her ist Heinrich Mann leichter zu lesen als sein Bruder Thomas, der Herr der Schachtelsätze. Und besonders dieses Buch steckt voller köstlicher, überspitzter Formulierungen. Zwar über einhundert Jahre alt inzwischen, kann man es auch heute noch mit großem Vergnügen lesen. Nicht zuletzt durch seine Verfilmung von Josef von Sternberg als „Der Blaue Engel“ mit Marlene Dietrich und Emil Jannings in den Hauptrollen wird das Buch unvergessen bleiben.

Heinrich Mann: Professor Unrat (1905).
Rowohlt, 1994.
238 Seiten, Taschenbuch, 7,95 Euro.

Susanne Ruitenberg

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