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Susanne Ruitenberg und Julia Breitenöder haben Geschichten geschrieben, die alle etwas mit Frankfurt zu tun haben.
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Ursula Niehaus: Das Heiligenspiel
Jetzt bestellen bei amazon.de! Im Augsburg des Sp√§tmittelalters w√§chst die Halbwaise Anna mit der B√ľrde auf, dass ihr Vater ertrank, als er sie als Baby aus dem Fluss rettete. Ihre Mutter l√§sst sie ihre Schuld t√§glich sp√ľren und steht ihr nicht bei, als sie nach einem dummen Missverst√§ndnis als Kupplerin noch als M√§dchen die Stadt verlassen muss. Im Wald wird sie von einer alten Einsiedlerin in Kr√§uterkunde unterwiesen und kehrt sp√§ter als Seelschwester zur√ľck. Durch einen weiteren Irrtum, der zum Selbstl√§ufer wird, wird sie als Hungerheilige verehrt, die sie nicht ist. Aber sie kommt aus dem Heiligenspiel auch nicht mehr heraus, denn niemand hat Interesse an der Wahrheit.

Ein Gedankenspiel dar√ľber, was eine Heilige zur Heiligen macht. Wo liegen die Motive von Kirche, Adel, Rat- und Hilfesuchenden und der Heiligen selbst? Diesen Fragen geht der Roman unter anderem nach. Anna ist nicht schlecht, im Gegenteil ist f√ľr sie die M√∂glichkeit Macht zur Hilfe zu haben einer der Gr√ľnde, das Spiel aufrechtzuerhalten. Als Heilige bekommt sie Gaben f√ľr die Armen, auf ihr Wort wird geh√∂rt und manchem kann sie wirklich helfen. Das ist f√ľr sie umso bemerkenswerter, weil sie doch selbst oft zum Spielball von M√§chtigeren oder Intrigen wird. Es gelingt ihr sogar, sich ihren Wunsch nach Liebe und sp√§ter sogar nach Familie zu erf√ľllen. Aber √ľber allem schwebt immer das Damoklesschwert der Entdeckung, denn in Wirklichkeit muss sie essen wie jeder andere auch. Ursula Niehaus zeigt dem Leser die ganze Bandbreite der Augsburger Umgebung, von blind Gl√§ubigen √ľber eigens√ľchtige Kirchenm√§nner bis hin zu realistischen Kaufleuten.

Obwohl in diesem Roman der Zufall, der Anna oft genug b√∂se mitspielt, eine gro√üe Rolle innehat, wirkt die Geschichte nie aufgesetzt oder k√ľnstlich. Der Leser steht von den ersten Seiten an direkt neben Anna und beobachtet ihren Lebensweg, wenn auch manchmal kopfsch√ľttelnd, denn sie ist ein sehr menschlicher Charakter mit Schw√§chen und schwachen Momenten. Anna, die Hungerheilige von Augsburg, des Betrugs √ľberf√ľhrt, hat es wirklich gegeben. Dieses Buch beschreibt, wie es abseits der Gerichtsprotokolle gewesen sein k√∂nnte.

Ein durchgehend spannendes Buch ohne Längen, das immer wieder mit Überraschungen aufzuwarten weiß.

Ursula Niehaus: Das Heiligenspiel.
Knaur, Dezember 2008.
569 Seiten, Hardcover, 16,95 Euro.

Regina Lindemann

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