'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Jim Knipfel: Blindfisch
Jetzt bestellen bei amazon.de! Ein Mann erblindet langsam und schreibt darüber einen Roman voll aberwitzig komischer Szenen- geht das? Es geht, wenn man ein solches Erzähltalent wie der 37-jähhrige New Yorker Journalist Jim Knipfel besitzt, den Thomas Pynchon zu Recht einen „geborenen Geschichteneerzähler“ nennt. „Blindfisch“ nennt sich seine Kolumne in der Wochenzeitung New York Press, und genauso heißt sein erstes Buch.

Es beginnt mit der Beerdigung der Oma. Der Onkel nimmt den 12-jährigen Jim beiseite und rät ihm, besser gleich die Braille-Schrift zu lernen. Retinitis pigmentosa lautet die Diagnose, eine unheilbare Augenkrankheit, die erst zum Tunnelblick, dann unaufhaltsam zur Erblindung führt. Doch Jim ignoriert erst mal die Krankheit, hat er doch genug andere Probleme. In der gutbürgerlich- engen Welt der Kleinstadt seiner Eltern ist er ein Außenseiter. Dem allgegenwärtigen Football zieht er die Lektüre existentialistischer Bücher vor und bezieht dafür Keile von seinen Kameraden. Er verläßt diese Welt, um an einer Oststaaten-Universität Philosophie zu studieren. Dort gründet er mit einem Freund eine Anarcho-Spaßguerilla-Truppe namens Nihilistische Arbeiterpartei, die den stockkonservativen Unibetrieb aufmischt. Als man ihm mitteilt, daß seine Leistungen zwar glänzend, aber sein Lebensstil einem Akademiker nicht angemessen sei, verabschiedet er sich von der Uni und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs und Kleinkriminalität durch. Er haust in Slumwohnungen, dealt, säuft, versucht sich mehrmals, das Leben zu nehmen. Schließlich nimmt er einen Job in einem New Yorker Callcenter an und beginnt zu schreiben.

Die Erblindung erscheint nur als eine von vielen Katastrophen. Das Leben ist sowieso ein Scherbenhaufen, und Mist bauen ist eh das, was er am besten kann. So etwa lautet das Fazit des Autors. Er betont, daß er kein Buch über ein „schweres Schicksal“ schreiben wollte, sondern über „ein paar amüsante Mißgeschicke“ .Das klingt recht harmlos für den harten Stoff, aus dem sein Leben ist. Depressionen, Selbstmordversuche, zwischenmenschliche Abgründe. Ohne Sentimentalität erzählt er aus seinem Alltag, Selbstmitleid ist ihm verhaßt, ebenso das herablassende Mitleid anderer. Ob er nun die “Selbstmord-Hotline“ anruft, mit einer grottenschlechten Punkband auftritt oder einem heruntergekommenen Antiquar zu kurzfristigem Geschäftserfolg verhilft- die wunderbare Ironie und Selbstironie ist die Stärke des Autors, die den Leser fesselt und geradezu süchtig auf „mehr“ macht.(Er plant zwei weitere Bücher, man darf gespannt sein) Statt Verbitterung und Resignation Galgenhumor, trocken, lakonisch, aber auch verletzlich- so begegnet Jim Knipfel seiner Umwelt, die ihm immer mehr Steine in den Weg legt, je mehr seine Sehkraft nachläßt. Erst im letzten Teil des Buches beschäftigt er sich gezwungenermaßen mit der Blindheit, und gerade hier finden sich die abstrusesten, komischsten Szenen. Sei es beim K(r)ampf mit der Sozialbürokratie oder mit überfürsorglichen, aber im Grunde ahnungslosen Helfern, sei es beim Survival-Training auf dem U-Bahngleis, es scheint, als gewinne der Autor je mehr „Durchblick“, je weniger er sieht. Sarkastisch schildert er die tausend Hürden, die ein Blinder auf dem Weg zum Sozialamt bewältigen muß, um dann erneut in einer stockfinsteren Halle zu stehen. Das Blindsein ist ,wie er am Schluß feststellt, nur ein weiterer Festwagen im Umzug von Verrücktheiten, in denen er sein Leben lang mitmarschiert ist.

Jim Knipfel: Blindfisch.
Rowohlt Verlag, Reinbek, 2002.
288 Seiten, gebundenes Buch.

Susanne Tank

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