'paar Schoten - Geschichten aus'm Pott
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Ruth Berger: Gretchen
Jetzt bestellen bei amazon.de! Gretchen heißt eigentlich Susanna Margareth Brandin und wird Susann genannt. Im Frankfurt des Jahres 1771 wird sie des Mordes am eigenen Neugeborenen bezichtigt und ihr Fall schlägt so hohe Wellen, dass schließlich der junge Goethe davon inspiriert wird. Dieser Roman erzählt ihre Geschichte und doch nicht nur, denn an Susanns Leben nehmen ihre Schwestern und ihre Dienstherrin und etliche Leute mehr regen Anteil – nur helfen will oder kann ihr keiner von ihnen.

Auf den ersten Seiten wirkt die gewollt wirkende, altertümliche Sprache abschreckend und hemmt den Lesefluss, aber je weiter man in dem Buch fortschreitet, desto logischer erscheint es, dass die Autoren genau diese Sprache und genau diese distanzierte, allwissende Perspektive gewählt hat. Genauso wie die Einteilung des Buches in fünf Teile, wobei die Einteilung perfekt in Inhalt, Perspektive, Sprachwahl und Titel aufeinander abgestimmt sind. »Gestrauchelt« beschreibt die spontane, lebenslustige, unbeherrschte Susann, die jede Stelle aufgibt und sich dem Holländer aus einer Laune heraus hingibt. Und es beschreibt ihre Schwestern, die mehr oder weniger verzweifeln und ihren eigenen Ruf gefährdet sehen durch die rastlose Schwester. »Schwanger« ist das Kapitel der Leugnung, Susann will es nicht wahrhaben und ist doch nicht dumm genug, es ganz ignorieren zu können, ihre Umgebung will glauben, dass da nicht ist, was nicht sein darf, bis es auch beim besten Willen und bei größter Anstrengung die Illusion der heilen Welt aufrechtzuerhalten nicht mehr ignoriert werden kann: Den Kindesleichnam kann man nicht wegreden. »Beschuldigt« wird Susann des Kindesmordes, aber so wie ihre Schwestern und ihre Dienstherren vor sich und anderen ihre Unschuld beteuern, könnte man meinen, nicht nur sie allein.«Verurteilt« wird jedoch nur Susann. In der Nachrede wird ein Bogen bis in die Gegenwart gespannt und die Geschichten der überlebenden Beteiligten werden zu Ende erzählt.

Ruth Berger schafft es durch Sprache und Aufbau des Romans, eine gewisse Distanz zu der Kindsmörderin zu schaffen und den Leser trotzdem mitleiden zu lassen. Am Anfang wechseln sich die Zeitpunkte 1771 (Anklagezeitpunkt) und 1770 (als es begann) in recht kurzen Kapiteln ab, im weiteren Verlauf nähern sich die beiden erzählten Zeiten immer mehr einander an, bis sie am Ende schließlich sehr geschickt zusammenfließen.

Susann ist zum Teil auch Opfer der Eigeninteressen ihrer Schwestern oder später ihrer Rechtsvertreter. Die Vertretung dieser Eigeninteressen unter dem Deckmantel der Fürsorge für die gefallene Schwester ist ein großer Teil des Themas dieses Romans. Selten hat mich ein einzelner letzter Satz so beeindruckt wie dieser hier, der das noch mal ganz deutlich aufzeigt und der als Ende dieses Romans eine selten starke Wirkung hat: „Stolz war man hier auf ganz andere Leute.“

Ruth Berger: Gretchen.
Rowohlt, Dezember 2008.
464 Seiten, Taschenbuch, 8,95 Euro.

Regina Lindemann

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