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James Agee: Ein Todesfall in der Familie (1957)
Jetzt bestellen bei amazon.de! Nach zwei Romanen von John O'Hara hat der C.H. Beck-Verlag nun einen weiteren Klassiker der modernen amerikanischen Literatur neu herausgebracht: "Ein Todesfall in der Familie" von James Agee aus dem Jahre 1957. Es geht um eine Familie in Knoxville, Tennessee, die den plötzlichen Autounfalltod des Vaters verkraften muss.

Herausragend an diesem Buch ist, wie genau und psychologisch stimmig Agee die Gef√ľhlsregungen jedes einzelnen Familienmitglieds herausarbeitet, ohne dabei weinerlich oder sentimental zu werden oder sich in Klischees oder Allgemeinpl√§tzen zu ergehen. Zentrale Figur ist der sechsj√§hrige Rufus, der mit seinem Vater am Abend vor dessen Unfallfahrt ins Kino geht und eine gro√üe Sympathie f√ľr ihn empfindet. Nach dem Tod des Vaters zerflie√üt Rufus jedoch nicht in Tr√§nen, sondern versucht aus der Situation Kapital zu schlagen: Gegen√ľber den anderen Jungen in Knoxville hat er nun etwas, das ihm Respekt einbringt - das sonst niemand anderes erlebt hat. Der Autor verarbeitet mit diesem Buch auch selbst Erlebtes: Als James Agee sechs Jahre alt war, verungl√ľckte sein Vater Hugh James Agee ebenfalls bei einem Autounfall t√∂dlich.

Das Positive an diesem Buch ist zugleich das Negative: Der Roman schreitet nur sehr langsam voran, weil Agee dem Innenleben seiner Figuren einen solch breiten Raum gibt. Handlung gibt es so gut wie keine. √úberdies entwickelt sich das Thema "Tod und Trauer" zum harten Lesebrocken, wenn es sich √ľber hunderte von Seiten erstreckt. Eine gewisse Z√§higkeit ist die Folge, die dem Leser einiges an Durchhalteverm√∂gen abverlangt.

Erwähnenswert ist die Einleitung, die auf wenigen Seiten ein atmosphärisch äußerst dichtes Stimmungsbild des Städtchens Knoxville im Jahre 1915 entwirft. Diese Passage ist von geradezu poetischer Schönheit.

Ein Subthema in "Ein Todesfall f√ľr eine Familie" ist Kritik an Kirche und Fr√∂mmigkeit. So verweigert der Pastor dem toten Familienvater einen Teil seiner Gebete, weil dieser nicht getauft ist. Einige Familienmitglieder √§rgern sich √ľber die ergebene Gottes-F√ľrchtigkeit der Ehefrau des Toten, Mary.

James Agee (geb. 1909), der auch als Journalist, Drehbuchautor und Filmkritiker arbeitete, erlebte die Ver√∂ffentlichung seines Buches nicht mehr. Er starb 1955 nur 45-j√§hrig an einem Herzinfarkt. "Ein Todesfall in der Familie" war damals noch unvollendet. So war den Herausgebern unter anderem nicht klar, an welchen Stellen der Autor zwei l√§ngere Sequenzen einpassen wollte, die nicht zur erz√§hlten Zeit der Geschichte geh√∂rten. Sie haben diese Stellen im Buch in Kursivschrift gesetzt, so dass der Leser sie sofort vom √ľbrigen Text unterscheiden kann.

Fazit: Einen gro√üen Wert d√ľrfte das Buch f√ľr alle Leser haben, die selbst gerade einen Trauerfall zu verkraften haben. F√ľr alle anderen ist dieser Text ein harter Brocken, dessen literarische Qualit√§t jedoch unbestritten bleibt.

James Agee: Ein Todesfall in der Familie (1957).
Beck, Februar 2009.
399 Seiten, Hardcover, 19,90 Euro.

Andreas SchrŲter

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